04.01.13

Nach Rassismus-Eklat

Großer Beifall für Boatengs Spielabbruch

Weil er rassistisch beleidigt wurde, brach Kevin-Prince Boateng ein Testspiel des AC Mailand ab. Kollegen, Trainer und Funktionäre beglückwünschen den Berliner. Er selbst äußert sich auch.

Nach dem Rassismus-Eklat können sich der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng und sein Klub AC Mailand über große Solidarität freuen. "Der AC Milan hat sich fantastisch verhalten. Italien muss wachsen und entschlossener gegen Rassismus vorgehen. Wir haben einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen", sagte Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli.

Vor und während eines Testspiels hatten am Donnerstag Fans des Viertligisten Pro Patria Boateng und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler beleidigt. Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng, das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

Jerome Boateng stolz auf seinen Bruder

Der Präsident der Spielergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi, solidarisierte sich ebenfalls. "Der AC Milan hat ein wichtiges Signal gegeben, auch wenn ein Fußballmatch nicht von derartigen Vorfällen belastet werden dürfte. Das Ideal ist allerdings nicht, das Spiel abzubrechen, sondern die Rassisten aus den Stadien zu verjagen", sagte Tommasi. Bereits am Donnerstag hatte Giancarlo Abete, Präsident des italienischen Fußballverbandes FIGC, den Vorfall als "unerträglich" bezeichnet.

Per Twitter lobte auch Jerome Boateng das Verhalten seines Bruders. "Ich bin stolz auf meinen Bruder. Gut gemacht", schrieb der deutsche Nationalspieler von Bayern München. Ähnlich äußerten sich auch andere Kollegen aus verschiedenen Vereinen.

Marco Materazzi, Weltmeister von 2006, schrieb: "Ich unterstütze Kevin Prince Boateng!!! Großartiger Prince..." Nuri Sahin, einst in Dortmund, nun in Liverpool, schrieb: "Ich in stolz auf dich, Kumpel." Boateng selbst bedankte sich: "Danke für all die Unterstützung und das Verständnis.. es bedeutet mir viel."

Gerichtliches Nachspiel

Der Spielabbruch wird wahrscheinlich auch ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Polizei der lombardischen Stadt Busto Arsizio leitete eine Untersuchung gegen die Anhänger des Viertligisten Pro Patria in die Wege, die am Donnerstag beim Testspiel des Klubs gegen den AC Mailand Boateng und andere dunkelhäutige Spieler beleidigt hatten.

Nach Angaben italienischer Medien überprüft die Polizei Videoaufnahmen des Spiels, um die Täter zu identifizieren. Zudem seien bereits mehrere Personen vernommen worden. Ein erster Täter hat bereits gestanden, den ehemaligen Bundesligaprofi beleidigt zu haben. Das berichten italienische Medien.

Die Polizei leitete eine Untersuchung des Vorfalls ein und überprüft derzeit Videoaufnahmen des Spiels. Neben dem geständigen Täter seien bereits mehrere Personen vernommen worden. Unter anderem droht den Übeltätern eine fünfjährige Stadionsperre.

Die Lega Pro, in der Italiens Dritt- und Viertligisten zusammengeschlossen sind, kündigte an, eine Zivilklage einzureichen. "Wir können derartige Angriffe nicht dulden, die die Freude am Fußball zerstören", erklärte Lega-Pro-Präsident Marco Macalli.

Pressestimmen aus Italien zum Fall Boateng

 

Gazzetta dello Sport

"Rassistische Schande. Wir sind alle Boateng! Wir beneiden ihm nicht das Talent, den Ruhm, das Gehalt oder die schöne Freundin: Seine Geste, seine Revolte gehören uns allen. Wir sind schwarz wie er, schwarz im Gesicht, in der Seele, schwarz vor Wut wegen einer riesigen Beleidigung gegen die Vernunft und das zivile Verhalten."

 

 

Repubblica

"Das ist ein Rekord der Schande, der uns bisher noch fehlte. Rassismus wächst in Italien und in Europa. Jetzt hat der AC Mailand auf eine Weise reagiert, die vorbildhaft ist."

La Stampa

"Jetzt ist keine Rückkehr mehr möglich. Jetzt gibt es kein Alibi mehr für Klubs, die sich in der Meisterschaft aus Angst, oder aus Bequemlichkeit bei rassistischen Schmährufen taub stellen. Von jetzt an kann man nicht mehr so tun, als würde es Rassismus im Fußball nicht geben."

 

 

Tuttosport

"Der AC Milan verdient größtes Lob. Der Klub zeigt, dass man keine Aggressionen, nicht einmal verbale, seitens von Personen tolerieren darf, die sich in der Gruppe stark machen, um ihre unakzeptablen Meinungen auszudrücken. Der Beschluss Milans, das Spiel abzubrechen, ist vorbildhaft."

 

Corriere dello Sport

 

"Ein großer Klub, eine große Lehre. AC Milan ist nicht nur der italienische Klub, der auf internationalem Gebiet am meisten gewonnen hat. Er ist jetzt auch der erste Klub Italiens, der auf dem Spielfeld eine Gruppe von rassistischen Idioten besiegt hat. Milan ist ein großer Verein und er hat es auch bewiesen, indem er gestern seinen Spieler Boateng vor rassistischen Beleidigungen in Schutz genommen hat."

Quelle: DW/sid
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