04.01.13

Altersvorsorge

Viele Deutsche wollen staatliches Zwangssparen

Die Bereitschaft, freiwillig für den Ruhestand vorzusorgen, hat immer mehr abgenommen. Vor allem bei der Riester-Rente ist der Lack ab. Mehr als ein Drittel der Deutschen wäre Zwangssparen recht.

Foto: ddp

Immer mehr Menschen wenden sich von der privaten Altersvorsorge ab. Deshalb plädieren viele Bundesbürger für ein Vorsorgepflicht, damit die Blockierer später nicht dem Steuerzahler zur Last fallen
Immer mehr Menschen wenden sich von der privaten Altersvorsorge ab. Deshalb plädieren viele Bundesbürger für ein Vorsorgepflicht, damit die Blockierer später nicht dem Steuerzahler zur Last fallen

Freiwillige private Altersvorsorge ade: Jeder Erwerbstätige, ob angestellt oder selbstständig, muss künftig monatlich einen bestimmten Teil seines Einkommens für eine Zusatzrente abführen. Oberster Fondsverwalter soll dabei der Staat sein. Riestern wird zum Zwang unter staatlicher Aufsicht.

Was nach Bevormundung klingt, findet überraschend hohe Zustimmung in der Bevölkerung. Mehr als ein Drittel der Menschen kann sich ein solches Zwangssparen vorstellen. Unter den Frauen ziehen sogar 41 Prozent eine obligatorische Vorsorgelösung dem bislang auf Freiwilligkeit beruhenden Konzept der privaten Altersvorsorge vor, die es bislang neben dem klassischen Rentensystem und der betrieblichen Vorsorge gibt. Unter Männern halten 32 Prozent mehr Zwang beim Sparen fürs Alter für besser. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Befragt wurden die Entscheider in 500 privaten Haushalten im Alter zwischen 20 Jahren und 59 Jahren.

Hohe Provisionen zehren staatliche Zuschüsse auf

Vor allem Verbraucherschützer propagieren seit Längerem diese Lösung. Die staatlich geförderte Riester-Rente bringe bislang nicht die erhofften Effekte. Die steuerfinanzierten Zuschüsse landeten zu oft in den Taschen der privaten Anbieter und nicht beim Sparer. Zu hoch seien in vielen Fällen die Gebühren, die von den Herstellern der Riester-Produkte berechnet würden.

Verwiesen wird gerne auf das Modell in Schweden. Dort wurde aus Sorge um das weiter sinkende Rentenniveau bereits Ende der 90er-Jahre zusätzlich zu dem per Umlage finanzierten staatlichen Rentensystem eine kapitalgedeckte private Pflichtsäule eingeführt. 2,5 Prozent des Einkommens sind für die Anlage in einem oder mehreren Fonds reserviert. Die Menschen können zwischen verschiedenen Produkten privater Anbieter und einem Fonds unter staatlicher Verwaltung wählen. Da die Kurse an den Aktienmärkten nach dem Platzen der Technologie-Blase 2000 einbrachen, ließen die Renditen der Fonds zunächst viele Wünsche offen. Dies sorgte für Kritik an dem staatlichen Zwangsmodell.

Immer mehr Sparer kündigen Lebensversicherungen

In Deutschland gewinnt die Diskussion an Fahrt, seit immer mehr Sparer ihre Lebensversicherung kündigen oder die Beiträge für die Riester-Rente nicht mehr zahlen. Das allgemein niedrige Zinsniveau und die gesunkenen Renditen sowie die Diskussion über hohe Gebühren und Provisionen tragen dazu bei.

Das zeigen auch die Ergebnisse der Forsa-Umfrage. So wird die Kritik, die sich in erster Linie gegen Versicherungsprodukte richtet, von 80 Prozent der Befragten als pauschale Kritik gegen alle Formen der Riester-Rente verstanden, also auch gegen Fonds- und Banksparpläne. Grundsätzlich hat die Bereitschaft, sich freiwillig um die private Altersvorsorge zu kümmern, abgenommen. Hielten im dritten Quartal 2007 noch 75 Prozent der Befragten es für notwendig, sich mit privater Vorsorge zu beschäftigen, waren es im vierten Quartal 2012 nur noch 65 Prozent. Unter den 20- bis 29-Jährigen sank die Quote sogar von 86 Prozent auf 52 Prozent.

Angst vor langfristigen Verträgen

Finanzvertriebe bekommen die wachsende Zurückhaltung schon seit Längerem zu spüren. Viele Kunden scheuen sich, langfristige Verträge zu unterschreiben. Von der Einführung einer Sparpflicht mag die Branche deshalb profitieren - aber nur wenn der Staat nicht die Verwaltung der Geldes übernimmt.

Ob eine Sparpflicht unter staatlicher Verwaltung höhere Renditen bringen würde, allein weil die Kosten eines zentral verwalteten Fonds geringer wären, ist umstritten. Bei Union Investment verweist man bei der Interpretation der Umfrageergebnisse in jedem Fall lieber auf die 60 Prozent, die ein solches System ablehnen, statt auf die 36 Prozent, die sich dies vorstellen können.

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