01.01.13

Hoffnungsträger 2013

Diese Politiker könnten den Durchbruch schaffen

In Wahljahren können Politiker, die einem größeren Publikum unbekannt sind, schnell eine Schlüsselposition bekommen– im Bund wie in den Ländern. Die Berliner Morgenpost stellt Kandidaten vor, die sich warm laufen.

Foto: pa/dpa

Noch sind Thomas Schäfer, Anton Hofreiter und Jana Schiedek (v.l.) weitgehend unbekannt, aber im Wahljahr 2013 könnte sich das schnell ändern
Noch sind Thomas Schäfer, Anton Hofreiter und Jana Schiedek (v.l.) weitgehend unbekannt, aber im Wahljahr 2013 könnte sich das schnell ändern

Thomas Schäfer könnte Volker Bouffier beerben

Beim Sinnieren, wer Hessens CDU-Landeschef Volker Bouffier, 60, eines Tages ablösen könnte, fällt hinter den Kulissen stets ein Name: Thomas Schäfer. Der 46-jährige Finanzminister von Hessen gilt seit der krachenden Wahlniederlage von Mit-Favorit Boris Rhein als heißester Anwärter auf die Parteiführung. Innenminister Rhein hat nach der peinlichen Schlappe bei der Frankfurter OB-Wahl kaum mehr Aufstiegschancen.

Der bedachte, bodenständige Mittelhesse Schäfer dagegen genießt seit Langem in der Landes-CDU unverändert hohes Ansehen. Gerade hat die schwarz-gelbe Koalition auch seinen Entwurf für den Doppelhaushalt 2013/14 fast unverändert durchgewinkt. Schäfer leitete unter Regierungschef Roland Koch die Grundsatzabteilung der Staatskanzlei und war Justiz- sowie Finanz-Staatssekretär.

Als Bouffier beim Amtsantritt 2010 das Kabinett umbildete, machte er den zweifachen Vater zum Minister. Schäfer ist bekannt für seine guten Nerven. "Ich schlafe gut, auch in schwierigen Lagen", sagt er von sich.

Seine Stressresistenz bewies Schäfer, der 2013 in den Landtag strebt, in der Opel-Krise. Die Interessen der Bundesländer mit Opel-Standorten koordinierte der promovierte Jurist, der auch eine Banklehre gemacht hat, effektiv und beharrlich. Schäfer könnte Bouffier womöglich einst auch als Ministerpräsident beerben.

Anton Hofreiter läuft sich warm fürs Verkehrsressort

Krötenschutz interessiert ihn nicht besonders. Und das, obwohl Anton Hofreiter Biologie studiert hat und zwischen 1997 und 2001 mehrfach zur Erforschung der Artenvielfalt in Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien weilte. Sehr wohl aber bewegt den Grünen die Frage, an welchen Knotenpunkten die Bahn zusätzliche Brücken oder Ausweichgleise benötigt und welche Autobahnabschnitte dreispurig ausgebaut werden müssen.

Hofreiter, 42, seit 1984 in der Partei aktiv, Vorsitzender des Bundestagsverkehrsausschusses, betrachtet sein Themengebiet nicht durch die Idyllen-Brille, sondern aus der Perspektive technischer Anforderungen. Weil er sich damit sowohl in der Regierung als auch bei den anderen Oppositionsparteien gehörigen Respekt verschafft hat, ist ihm zuzutrauen, dass er im Falle einer rot-grünen Regierungsübernahme Bundesverkehrsminister würde.

Den nötigen Rückhalt in der eigenen Partei hätte er: Der Bayer mit den langen Haaren und einer Vorliebe für selbst gemachte Pralinen wurde gerade vom bayerischen Landesverband auf Listenplatz 2 gewählt, und die bei den Grünen dominierenden Parteilinken haben ihn zum Koordinator ihrer Treffen bestimmt. Die Realos wiederum schätzen seine Fachkompetenz und lassen sich ansonsten von seinen coolen Witzen bereitwillig entwaffnen.

Jana Schiedek ist auf dem Sprung nach Berlin

Zur Hälfte mit Frauen will der SPD-Kanzlerkandidat sein Kompetenzteam besetzen, das er im Frühling oder Sommer vorstellen wird. Als potenzielle sozialdemokratische Bundesministerinnen gilt neben SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und Parteivize Manuela Schwesig die Hamburger Senatorin für Justiz und Gleichstellung, Jana Schiedek.

Die 38-Jährige gilt als kompetent und steht für die überschaubare Schar jüngerer Sozialdemokratinnen. "Jana Schiedek wäre eine vorzügliche Wahl", heißt es in SPD-Kreisen. Unter Schiedeks Federführung hatte Hamburg einen Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Aufsichtsräten in den Bundesrat eingebracht, wo er mit Unterstützung von zwei CDU-geführten Ländern beschlossen wurde.

Schiedek, 1974 in Hamburg geboren, ist seit knapp zwei Jahren Senatorin in ihrer Heimatstadt. Der SPD trat die Juristin 1999 bei, sie stieg hier, obgleich ohne klassische Juso-Karriere, schnell auf. Mit einer Verpflichtung Schiedeks würde Kanzlerkandidat Steinbrück nicht zuletzt eine Brücke bauen zu einem Mann, mit dem ihm bislang wenig verbindet: Hamburgs machtbewusstem Bürgermeister und SPD-Vize Olaf Scholz.

Für eines ihrer Hobbys – Spiele des FC St. Pauli am Millerntor zu besuchen – hätte Schiedek auch von Berlin aus Zeit: Der ICE schafft die Strecke zwischen Hamburg und Berlin in weniger als zwei Stunden.

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