30.12.12

Daten löschen

Ein Wisch – und alle gespeicherten Daten sind weg?

Zu Weihnachten gab es viele neue Handys und Tablets. Jetzt können die alten Geräte ausrangiert oder verkauft werden. Nun müssen die Nutzer nur noch wissen, wie sie ihre Daten löschen.

Foto: Amin Akhtar
Wer auf „Löschen“ drückt, sollte nicht glauben, dass damit die betreffenden Daten unwiederbringlich verschwunden sind
Wer auf "Löschen" drückt, sollte nicht glauben, dass damit die betreffenden Daten unwiederbringlich verschwunden sind

Alle Jahre wieder werden vor Weihnachten mobile Endgeräte für überholt, zu langsam, zu groß und zu dick erklärt. Das schnellste Smartphone, flachste Tablet und innovativste Zubehör sind also perfekte Geschenke. Ohne Bedenken werden Altgeräte im Müll entsorgt, weiterverschenkt, weiterverkauft oder an soziale Einrichtungen gespendet.

Auf diese Weise wechseln täglich persönliche Daten unbedacht ihre Besitzer: Fotos der Kinder, Videos der Wohnung, Kontaktadressen, private Telefonnummern, Kontodaten, Zutritts- und Bezahlfunktionen, Zugangscodes für soziale Netzwerke und sogar Geschäftsdaten. Doch wie werden Daten mobiler Endgeräte endgültig gelöscht, und was passiert, wenn Nutzer ihren Cloud-Anbieter wechseln oder verlassen möchten?

Wer sein Endgerät nicht mit dem Hammer vernichten möchte, stellt schnell fest, dass Smartphone-Hersteller nur selten Löschgeräte anbieten. Zwar finden sich für den heimischen PC Softwarelösungen, die beim Löschen helfen, sogenannte Daten-Shredder, doch für das Löschen von Smartphone-Daten gibt es kaum eine Lösung.

Datenfiles werden nicht überschrieben

Grundsätzlich gilt, dass die Herstellereinstellung "Daten löschen" auf fast allen Geräten lediglich Speicherplatz frei macht. Wirklich überschrieben werden die Datenfiles nicht. Erst das mehrfache Überschreiben mit willkürlichen Zeichen- und Buchstabenfolgen macht Datenfiles wirklich unlesbar. Und so wie beim Heim-PC das Leeren des Papierkorbs nichts mit der endgültigen Löschung von Daten zu tun hat, so wenig hilft beim Smartphone die Entfernung der SIM Karte.

Warum hat nicht jedes Smartphone und Tablet eine Löschtaste für abgelegte Daten? "Ein technisches Problem gäbe es dabei aus meiner Sicht nicht", sagt Pascal Kurschildgen, Smartphone Forensiker und IT-Sicherheitsberater. "Allerdings lässt sich kein Hersteller von Mobiltelefonen darüber aus, wie man als Anwender sein Handy oder Smartphone löschen kann.

Jegliche Anfragen von mir an die Hersteller, die ansonsten sehr kooperativ sind, werden schlichtweg ignoriert. Man kann nur spekulieren." Sollen die Daten gar nicht löschbar sein?

Apple bietet für das iPhone eine Lösung

Einzig Apple macht es derzeit Benutzern von iPhones & Co. einfacher, Daten zu löschen. "Einzige Voraussetzung ist, dass Benutzer ihre Geräte vor dem Löschen mit einem Passcode gesichert haben", sagt Pascal Kurschildgen. Wenn das Gerät mit iTunes wiederhergestellt wird, würde der Code zum Entschlüsseln des Geräts gelöscht und ein neues Betriebssystem aufgespielt.

Es sei zwar jederzeit möglich, bereits gelöschte Daten wiederherzustellen, doch wenn das Gerät mit einem Passcode gesperrt war, wären die Daten verschlüsselt und somit nicht lesbar. "Bei Android ist es komplexer, da man sein Gerät vorher aufwendig konfigurieren oder Apps kaufen muss, um sein Gerät zu löschen", erklärt der Smartphone-Forensiker. "Doch wer gibt freiwillig Geld für Apps aus, wenn er sein Smartphone loswerden möchte?"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident Barak Obama könnten ihre Smartphones nicht unbedenklich an Freunde und Familie weiterverschenken. Sicherheitslösungen für mobile Endgeräte – auch hochrangiger Politiker – entwickelt das Nürnberger Unternehmen Certgate.

IT-Sicherheitsexperten des Unternehmens empfehlen, alle sensiblen Daten auf einem Mobilgerät "ausschließlich" verschlüsselt zu speichern. Das sei mit den meisten Geräten oder Betriebssystemen von Hause aus oder mit einer Zusatz-Software möglich.

Externe Speicherkarte hilft

"Fatalerweise wird das Schlüsselmaterial, um die Daten für eine Anwendung wieder lesbar zu machen, aber auf demselben Speichermedium – dem RAM des Geräts – aufbewahrt", warnt Axel Stett, Certgate-Geschäftsführer. "Mit fortgeschrittenen forensischen Methoden lässt sich trotz vorheriger Löschung des Speichers der Speicherinhalt in der Regel wiederherstellen und damit auch das Schlüsselmaterial zum Lesbarmachen des Speicherinhalts einsetzen."

Was helfe, sei die Verwendung eines externen Mediums, wie einer in das Gerät eingesteckten Smartcard. Certgate hat eine microSD-Speicherkarte entwickelt. "Die Smartcard erzeugt das Schlüsselmaterial und verwahrt es sicher. Sie wirkt insofern wie ein Tresor für die Schlüsselinformation", sagt Stett.

Beim Austausch des Gerätes müssten Nutzer dann nur noch die Smartcard entfernen. Sie könnten die Smartcard auch neu initialisieren, wonach das Schlüsselmaterial auch nicht mehr darauf enthalten sei.

"Auslesen lässt sich die Smartcard im Gegensatz zum Gerätespeicher auch mit fortgeschrittenen Methoden und Werkzeugen nicht, weshalb sie überall zur Erfüllung höchster Sicherheitsanforderungen eingesetzt wird", so Stett. Die microSD-basierte Smartcard passe in alle Geräte mit entsprechendem Steckplatz und Sleeve-Adapter – auch in das iPhone.

Was passiert mit den Daten auf der Cloud?

Wer ein Smartphone nutzt, speichert meisten Fotos und Filme via Cloud Computing auf einer externen Serverfarm. Doch was passiert, wenn der Kunde seine Farm wechselt und seine dort abgelegten Daten zurückhaben will? "Es gleicht einem Scherbenhaufen der Erkenntnis, wenn Privatpersonen feststellen, dass man zwar aus jeder Wolke wieder rauskommt, aber sein Gepäck zurücklassen muss", sagt Kurschildgen.

"Billiganbieter offerieren viel Speicherplatz, der teilweise sogar kostenlos ist. Leider ist die dauerhafte Verfügbarkeit der Daten dabei oft nicht garantiert." Es ist wie bei einem Umzug, bei dem Mieter zwar die Wohnung wechseln dürfen, jedoch ihre Möbel zurücklassen müssen. In der realen Welt undenkbar. Zugegeben: Für Cloud-Computing-Anbieter kann es auch schwierig sein, abgelegte Daten zu löschen.

Deshalb nehmen viele Anbieter das Löschen von Daten weder in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen noch in ihre Datenschutzbestimmungen auf. "Wenn Daten 'verschwinden' ist das einfach Pech für den Kunden. Weg ist weg!", sagt Kurschildgen. Unternehmen hätten spezielle Verträge, die viel Geld kosten, weil ein Vorhalten von Daten sehr komplex sei und nicht umsonst angeboten werden könne.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, bereits bei der Auswahl des Cloud-Anbieters darauf zu achten, dass Daten abgesichert übertragen und verschlüsselt in der Cloud abgespeichert werden.

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