30.12.12

SPD-Kandidat

Deutschland zu führen ist eine Ehre – und kein Job

Wer Kanzler ist oder werden will, hat große Aufgaben – und muss sich nicht mit einem Sparkassenchef vergleichen. Für Steinbrück erweist sich das Korsett des Kandidaten als Zumutung.

Von Daniel Friedrich Sturm
Foto: dpa

Eigentlich geht es Peer Steinbrück um ganz große Dinge: die Reichensteuer, den Mindestlohn, höhere Renten im Osten Deutschlands, den sozialen Wohnungsbau
Vielleicht hätte Peer Steinbrück erwähnen sollen, dass ihm das Gehalt des Kanzlers nebensächlich ist – wo es ihm doch, wie er sagt, um die ganz großen Dinge geht.

Peer Steinbrück hat nichts Neues gesagt, und doch wirken seine Worte, als habe er etwas Neues gesagt. "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", sagte Steinbrück jetzt der "FAS".

"Der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin verdient weniger als jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen. Nur damit das mal der Öffentlichkeit klar ist", sagte Steinbrück vor ziemlich genau sieben Jahren.

Damals besaß Steinbrück keinerlei politische Funktion. Heute ist Steinbrück Kandidat der SPD für das Amt des Bundeskanzlers. Das macht einen Unterschied.

Ungeschickt und erschütternd unsensibel

Steinbrück hat recht damit, dass der deutsche Bundeskanzler – verglichen mit einem Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen (oder allerlei anderen Funktionen in der freien Wirtschaft, sogar in der Medienbranche) – unterbezahlt ist. Und doch ist seine Klage, während er just für dieses Amt kandidiert, deplatziert, ungeschickt und erschütternd unsensibel.

Bislang galt Steinbrück als Mann, der als einfacher Abgeordneter kräftig "nebenbei" kassiert hat, an die zwei Millionen Euro. Nun empört er sich über das 17.000-Euro-Gehalt in der Funktion, die er überhaupt erst anstrebt. Das ist für die SPD, die Steinbrück bislang loyal (er)trägt, eine Zumutung. Die Fassungslosigkeit in den eigenen Reihen ist da allzu verständlich.

Mancher Bürger wird sich ebenso fragen, warum er Steinbrück eines Tages wählen soll, wo er schon jetzt dieses Amt als Zumutung empfindet.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte wohl recht mit seiner Einschätzung, für Steinbrück werde sich das "Korsett" des Kanzlerkandidaten als Zumutung erweisen. "Tu dir das nicht an", riet Albig öffentlich.

Als Kanzler vergleicht man sich nicht

Vielleicht hätte Peer Steinbrück einfach erwähnen sollen, dass ihm das Gehalt des Kanzlers nebensächlich ist, wo es ihm doch, wie er sagt, um ganz große Dinge geht: die Reichensteuer, den Mindestlohn, höhere Renten im Osten Deutschlands, weniger Waffenexporte, die Frauenquote, den sozialen Wohnungsbau.

Helmut Schmidt und Helmut Kohl, Angela Merkel und sogar Gerhard Schröder sind nicht Bundeskanzler geworden, um in dieser Position Geld zu verdienen. Man wird nicht deutscher Bundeskanzler, um ein Viertel, die Hälfte oder ebenso viel zu verdienen wie ein Dax-Vorstandschef.

Deutschland führen zu dürfen, das ist eine größere Aufgabe – und, nebenbei, eine größere Ehre –, als eine Sparkasse in Nordrhein-Westfalen zu leiten. Als Kanzler vergleicht man sich nicht mit einem Sparkassenchef. Wer Kanzler werden will und werden kann, hat das ebenso wenig nötig.

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