24.12.2012, 10:29

Astrophysik Spektakulärer Meteoritenritt zur Erde aufgeklärt


Diese Bruchstücke stammen vom Sutter's-Mill-Meteoriten

Foto: Nasa / Eric James

Im April 2012 zog ein Feuerball über den Himmel Kaliforniens: Da stürzte ein einst 40 Tonnen schwerer Meteorit ab. Forscher hatten Glück und konnten Alter und Herkunft bestimmen.

Acht Monate nach dem spektakulären Feuerball über Kalifornien haben Forscher ihre Analysen des niedergegangenen Meteoriten vorgestellt. Das kosmische Geschoss war demnach ursprünglich rund 40 Tonnen schwer und gehört zu einer relativ seltenen Gruppe namens kohlige Chondrite. Diese enthalten oft besonders altes Material aus der Urzeit des Sonnensystems, wie das Team um Peter Jenniskens vom Seti-Institut in Mountain View (Kalifornien) im US-Fachblatt "Science" berichtet.

Den Absturz des Meteoriten, der am Taghimmel weithin als heller Feuerball zu sehen war, hatten im vergangenen April auch mehrere Wetterradarstationen beobachtet. Dank der Aufzeichnungen konnten Forscher nur zwei Tage später Dutzende Bruchstücke des Brockens bergen und so nahezu unverfälscht untersuchen.

Mit 103.000 Kilometern pro Stunde

Der Meteorit wurde nach einer der Hauptfundstellen am Fuße der Sierra Nevada Sutter's-Mill-Meteorit getauft. Den Analysen zufolge raste der im Durchmesser vermutlich 2,5 bis 4 Meter große Brocken mit rekordverdächtigen 103.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre. Dabei setzte er die Energie von vier Kilotonnen TNT frei. Er zerbrach bereits rund 48 Kilometer über der Erdoberfläche – das ist höher als bei allen anderen beobachteten Meteoriten.

Von dem ursprünglich rund 40 Tonnen schweren Stein fanden die Forscher bis heute 943 Gramm in 77 Bruchstücken. Die Analyse zeigt, dass der Sutter's-Mill-Meteorit mit nur etwa 100.000 Jahren ungewöhnlich kurz durchs All vagabundierte. Wahrscheinlich stammt er aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, wie die Forscher aus seiner Flugbahn schließen.

Oberflächen von Meteoriten komplexer als angenommen

Teilbereiche des Brockens müssen demnach einmal auf mehrere Hundert Grad Celsius erhitzt worden sein. Beim Absturz auf die Erde wurde die Oberfläche des kosmischen Geschosses vermutlich mehr als 700 Grad heiß, allerdings lediglich für etwa 1,5 Sekunden, schreiben die Forscher. Das reiche nicht, um den Stein weiter innen so stark zu erhitzen, um die beobachteten Strukturen zu erklären. Alternativ könne der Meteorit bereits stark erhitzt worden sein, als er aus seinem Mutterasteroiden herausgeschlagen wurde.

Die Analyse der verschiedenen Meteoriten-Bruchstücke illustriere, dass die Oberflächen der potenziellen Mutterasteroiden komplexer seien als bislang angenommen, schreiben die Astronomen. Die schnelle Verwitterung auf der Erde lösche auf solchen Meteoriten normalerweise vermutlich viele Spuren aus, die von inneren und äußeren Prozessen auf diesen Asteroiden stammten.

Deren Erkundung bleibe daher vor allem Weltraummissionen vorbehalten, die unverfälschte Gesteinsproben von Asteroiden einsammeln und zur Erde zurückbringen sollen.

(dpa/cl)
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