24.12.12

SPD-Vize

Hannelore Kraft geißelt Verrohung im Internet

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sorgt sich über ein "ausgehöhltes Wertesystem": Man könne überall beobachten, dass Respekt verloren gehe. Im Internet nehme die Verrohung schlimme Formen an.

Foto: dpa
SPD Bundesparteitag
Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen: "Unser Wertesystem wird allmählich ausgehöhlt, wenn wir nicht aufpassen"

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat den schleichenden Werteverfall im täglichen Umgang angeprangert. "Man kann überall beobachten, dass Respekt und Anstand verloren gegangen sind", sagte die SPD-Politikerin der WAZ-Mediengruppe.

"Unser Wertesystem wird allmählich ausgehöhlt, wenn wir nicht aufpassen", warnte Kraft. Beispielhaft nannte sie eine wachsende Zahl von Angriffen auf Polizisten oder Rettungskräfte im Dienst. "Das gab es früher in diesem Maße, in dieser Brutalität nicht", beklagte Kraft.

Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende kritisierte auch Auswüchse im Internet. Dort nehme "die Verrohung teilweise schlimme Formen" an. Vor allem Kindern und Jugendlichen müsse die Wertebasis immer aufs Neue vermittelt werden. An den Schulen in NRW soll es deshalb regelmäßig eine "Woche des Respekts" geben. Auch in der Politik werde respektvoller Umgang nicht immer vorgelebt, monierte Kraft.

Kraft kritisierte auch eine "Geiz-ist-geil-Mentalität". Im Fernsehen "finde ich viele Sendungen, in denen immer derjenige erfolgreich ist, der seine Ellenbogen am weitesten ausfährt", sagte Kraft. Das gelte aber nicht nur für "die da oben".

Starke Schultern sollen mehr tragen

Soziales Auseinanderdriften bedroht nach Ansicht der NRW-Regierungschefin den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wenn Reiche immer reicher würden und Arme immer ärmer, gehe das Land in eine schwierige Zukunft.

Deshalb müsse alles versucht werden, um diese Schere wieder zu schließen. Sie halte es für richtig, "dass die starken Schultern in diesem Land mehr tragen", um möglichst allen eine Chance zu geben.

Nach dem aktuellen Sozialbericht des Landes sind in NRW 2,8 Millionen Menschen (15,3 Prozent) einkommensarm, darunter 643.000 Minderjährige. Das sind 200.000 von Armut bedrohte Kinder mehr als vor zwei Jahren. Als armutsgefährdet gilt, wer als Monatseinkommen weniger als 833 Euro zur Verfügung hat.

Quelle: dpa/dapd/omi
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