19.12.12

Plagiatsvorwurf

Das Prominentenproblem der Ministerin Schavan

Ausgerechnet der Rektor der Heinrich-Heine-Universität äußert sich missverständlich zur Prüfung der Doktorarbeit von Annette Schavan. Eine unabhängige Entscheidung des Fakultätsrats scheint unmöglich.

Von Kristian Frigelj
Foto: Getty Images

Wissenschaftsministerin Annette Schavan muss um ihren Doktortitel bangen
Wissenschaftsministerin Annette Schavan muss um ihren Doktortitel bangen

Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) kann sich offenbar keine Hoffnungen mehr machen, dass die Plagiatsvorwürfe gegen ihre 1980 eingereichte Doktorarbeit objektiv und unvoreingenommen untersucht werden. Ausgerechnet der Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bestätigt diesen Eindruck mit aktuellen missverständlichen Kommentaren.

Das weitere Prüfverfahren, noch dazu mitten im Bundestagswahlkampf 2013, wird endgültig zur Farce. In der Causa Schavan offenbaren sich nicht nur die Schwächen solcher universitätsinterner Prüfverfahren, sondern auch Fehler einer inkonsequenten Hochschulleitung.

Vor zwei Monaten hat sich Rektor Professor Michael Piper selbst einen Maulkorb umgelegt. Er kündigte öffentlich demütig an, man werde sich während des Prüfverfahrens nicht ohne die Zustimmung von Frau Schavan dazu äußern. Die Uni-Pressestelle wiegelte fortan selbst schlichte Fragen zum Stand des Verfahrens ab und verwies auf die Erklärung des Rektors. Klare Ansage.

Universität verstärkt Eindruck einer Vorverurteilung

Es schien, als wollte die Universität demonstrativ mit größtmöglicher Zurückhaltung verhindern, dass das Prüfverfahren zur Farce gerät. Pipers Schweigegelübde war nachvollziehbar, denn seine Hochschule hatte Schaden genommen, weil Zitate aus einer kritischen Stellungnahme des Prodekans der Philosophischen Fakultät und Vorsitzenden des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, über eine undichte Stelle an die Presse gelangt waren.

Seriosität, Diskretion und Objektivität des Prüfverfahrens schienen fraglich, zumal Rohrbacher "eine leitende Täuschungsabsicht" von Schavan erkannt haben will. Dies wirkte bei Gelehrten sowie bei politischen Unterstützern der Bundeswissenschaftsministerin wie eine Vorverurteilung. Nun verstärkt ausgerechnet die Universität selbst diesen Eindruck.

Sie gab in einer Stellungnahme bekannt, dass der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Bruno Bleckmann, dem Fakultätsrat im Januar nächsten Jahres die Frage vorlegen werde, "ob die von der Promotionskommission ermittelten Befunde als schwerwiegend genug betrachtet werden können, um das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Die Kommission hatte dem Dekan nach eingehender Arbeit und Anhörung der Betroffenen zuvor eine entsprechende Empfehlung übermittelt."

Prominentenmalus im Hinterkopf

Rektor Piper legte obendrein seinen Maulkorb ab und betonte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", es sei "unausweichlich", weiter zu prüfen. "Das Recht, auch Fakultätsrecht, gilt ohne Ansehen der Person. Alles andere wäre inakzeptabel", wird Piper zitiert. Schavan habe "ein Recht auf ein ordentliches Verfahren, und die Philosophische Fakultät stellt genau dies sicher".

Doch genau diese Garantie auf ein ordentliches Verfahren scheint infrage gestellt. Denn Pipers Stellungnahme erweckt den Eindruck, dass er sich hinter den Promitionsausschuss stellt und dass etwas an den Vorwürfen dran sei. Der Rektor will zwar deutlich machen, dass es keinen Prominenten- oder Amtsbonus gibt.

Doch er kann nicht den Verdacht ausräumen, dass die zuständigen Universitätsgremien ins andere Extrem zu fallen drohen und mit einem Prominentenmalus im Hinterkopf die notwendige Objektivität im Verfahren nicht mehr einhalten können.

Ansehen des Rektors steht auf dem Spiel

Ohnehin bleibt die Frage bestehen, ob die wertende Stellungnahme eines Prodekans zu Beginn des Prüfverfahrens, zusätzlich gestützt von Promotionsausschuss und Dekan, nicht von Beginn an grundsätzlich Druck auf seine Fakultät ausübt, dessen Bewertungen zu folgen. Alles andere würde seine wissenschaftliche Kompetenz und den Ruf des Dekanats diskreditieren und letztlich negativ auf die Hochschule zurückfallen.

Man braucht sich nicht lange zu fragen, welche Wirkung all dies auf den Fakultätsrat haben dürfte, der zu entscheiden hat, ob ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels von Frau Schavan eingeleitet wird.

Der Fakultätsrat muss nicht nur die Stichhaltigkeit der Plagiatsvorwürfe untersuchen sondern auch mitbedenken, dass nicht nur der Leumund eines Dekanat auf dem Spiel steht, sondern auch das Ansehen des Rektors.

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