18.12.12

"Auszeit"

Dortmunds offener Brief gegen das Fan-Schweigen

Weil die Anhängerschaft der Borussia zuletzt ihre Unterstützung verweigerten, schrieben die Klub-Bosse nun einen gemeinsamen Brief. Dabei waren sie gar nicht das Ziel der Zuschauer-Proteste.

Von Lars Wallrodt
Foto: Bongarts/Getty Images
Dortmunder Zuschauer
Eine große Liebe, die ein wenig kriselt: Zuletzt schwiegen die Dortmunder Zuschauer. Allerdings nicht wegen schlechter Leistungen ihrer Mannschaft

Es gibt Dinge in der Fußball-Bundesliga, die sind unumstößlich. Erstens: Thomas Schaaf trainiert jetzt und für immer den SV Werder.

Zweitens: Steigt der 1. FC Köln in die erste Liga auf, steigt er anschließend sofort wieder ab.

Drittens: Wenn die Borussia spielt, herrscht Stimmung, sobald in Dortmund das Flutlicht angeht.

Doch, ach, wie flüchtig sind all jene vermeintlichen Naturgesetze des Fußballs geworden. Ist Schaaf nicht schon halb seinem Alter Ego Klaus Allofs nach Wolfsburg gefolgt?

Steigt der 1. FC Köln überhaupt noch einmal auf, um dann wieder absteigen zu können? Und: Schwieg nicht zuletzt das fanatische Dortmunder Publikum?

Schweigen für die Fan-Kultur

Geradezu gespenstisch war es, als der BVB am Sonntag in Hoffenheim spielte. Zwar siegten die Westfalen standesgemäß 3:1, doch die mitgereisten Zuschauer schwiegen – aus Protest gegen das neue Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Ein Papier, das für gewisse Anhänger der Untergang der Fankultur ist. Wie das Verweigern der Anfeuerung, die doch der Kern allen Fanseins ist, besagte Kultur retten soll, sei dahingestellt.

"Keine Gräben, bitte"

Die Dortmunder versuchen nun fieberhaft, ihre Anhänger zu besänftigen. Liebesentzug im Jahr des Double-Gewinns ist ja in der Tat ein Paradoxon.

In einem offenen Brief wandten sich Geschäftsführer, Manager, Trainer und Kapitän an die Fans und appellierten vor dem Pokalspiel gegen Hannover 96 an das Wir-Gefühl: "Wir bitten euch alle, keine Gräben innerhalb der Fangemeinschaft und zwischen uns und euch entstehen zu lassen!"

Wenn das klappt, bleibt Thomas Schaaf bestimmt auch noch ein paar Jahre in Bremen. Und der 1. FC Köln? Ach, lassen wir das…

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