18.12.12

Geldinstitute

Die peinlichen Patzer der Deutsche-Bank-Chefs

Die Chefs des größten deutschen Geldhauses stehen immer im Rampenlicht. Da wiegen Fehltritte besonders schwer – und sie kommen immer wieder vor, nicht nur wie jüngst bei Jürgen Fitschen.

Foto: picture alliance / dpa (3)

Immer im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die früheren Chefs der Deutschen Bank: Hilmar Kopper (o.l.), Rolf Breuer (o.r.), Josef Ackermann (u.l.) und einer der derzeitige Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen
Immer im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die früheren Chefs der Deutschen Bank: Hilmar Kopper (o.l.), Rolf Breuer (o.r.), Josef Ackermann (u.l.) und einer der derzeitige Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen

Jürgen Fitschens Beschwerdeanruf nach der Steuerrazzia setzt eine unrühmliche Serie fort: Immer wieder traten die Chefs der Deutschen Bank in Fettnäpfchen. Die Empörung danach ist stets besonders groß, denn Deutschlands größtes Geldinstitut gilt als Aushängeschild der ganzen Branche. Eine Chronologie der Fehltritte:

Als "Peanuts" bezeichnete Hilmar Kopper 1994 offene Handwerkerrechnungen in Millionenhöhe im Zusammenhang mit dem Skandal um die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider. Nicht nur bei Handwerkern, die wegen solcher "Kleinigkeiten" ihren Betrieb schließen mussten, erntete der Banker Unverständnis. Die inzwischen legendären "Peanuts" wurden 1994 zum "Unwort des Jahres" erklärt.

Breuer und die Deutsche Bank 24

Unter Rolf Breuer versuchte sich die Bank mit einer Privatkundentochter: Etwa 530.000 vermögende Kunden wurden weiter vom Mutterhaus betreut, zwölf Millionen Kleinkunden mussten in die Filialen der "Deutschen Bank 24". Das Projekt wurde im Jahr 2000 durch ungeschickte Kommentare zum Symbol für eine Zwei-Klassen-Kundschaft – und letztlich eingestampft.

Breuers Äußerung über Leo Kirchs Medienimperium Anfang Februar 2002 könnten das teuerstes Interview aller Zeiten werden. Breuer sagte Bloomberg-TV über Kirchs Kreditwürdigkeit: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Wenige Wochen später war die Pleite des weit verzweigten Kirch-Konzerns amtlich.

Zeitlebens machte Kirch Breuer und die Bank für den Niedergang seines Lebenswerkes verantwortlich. Seine Erben dürfen sich nach einem Urteil des Oberlandesgericht (OLG) München vom vergangenen Freitag nun Hoffnung auf Schadenersatz machen. Allerdings wird in dem Dauerstreit zunächst weiterhin kein Geld fließen: Der Fall dürfte erneut beim Bundesgerichtshof (BGH) landen. Denn die Deutsche Bank sieht sich für die Kirch-Pleite nicht verantwortlich.

Ackermann und das Victory-Zeichen

Das Siegeszeichen des grinsenden Josef Ackermann im Gerichtssaal haftet dem Schweizer bis heute als Zeichen von Arroganz an – auch wenn es der Manager nach eigenem Bekunden so nicht gemeint hat. Ackermann musste sich 2004 im Mannesmann-Prozess wegen des Vorwurfs der Untreue in der Übernahmeschlacht mit Vodafone verantworten.

Ein Aufschrei der Empörung ging 2005 durchs Land, als Ackermann bei der Bilanzvorlage in einem Atemzug ein ehrgeiziges Renditeziel und den Abbau von 6400 Stellen verkündete. Das Ganze geschah einen Tag nachdem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals die Fünf-Millionen-Grenze überschritten hatte. Politiker und Gewerkschafter sprachen von einer "Schweinerei", sahen "tumbe Geldmenschen" am Werk und riefen zum Boykott der Bank auf.

Fitschen und der Beschwerdeanruf

Fitschen schließlich ließ sich nach der Durchsuchung der Bank am Mittwoch vergangener Woche zu einem Beschwerdeanruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hinreißen. Bouffier stellte nach Angaben seines Sprechers klar, "dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne". Nach einer Welle der Kritik verlautete aus Fitschen Umfeld, er bedauere den Anruf und sehe ihn als Fehler.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Razzia ging Fitschen am Montagabend in Essen allerdings nur mit einem Satz direkt auf die aktuellen Ereignisse ein: "Ich bin etwas heiser, ich musste öfter telefonieren."

Quelle: dpa/dma
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die zuletzt noch vom Veranstalter erhofften 30.000 Zuschauer waren es nicht auf der Fanmeile, aber...
25.05.13Dortmund-Bayern
So erlebte Berlin das Champions-League-Finale

Auf der Fanmeile war noch Platz, einige Tausend Menschen feierten hier das Spiel zwischen Dortmund und Bayern. Die Kneipen Berlins waren hingegen voll. Das Protokoll des Champions-League-Abends. mehr...

Borussia Dortmund - FC Bayern München
25.05.13Champions League
Arjen Robben schießt die Bayern auf Europas Thron

Es war ein würdiges, hochklassiges und spannendes Champions-League-Finale mit einem verdienten Sieger. In der 89. Minute erzielte Arjen Robben des erlösende 2:1 für den FC Bayern gegen den BVB. mehr...


Jupp Heynckes und Jürgen Klopp zeigen, wie man richtig führt
00:33Kommentar
Die wahren Stars dieses besonderen Champions-League-Abends

Fußball ist die letzte Bastion des Darwinismus. In einer überwaldorften Welt setzt sich hier noch immer der Stärkere durch: Jürgen Klopp und Jupp Heynckes sind beide Gewinner dieses Systems. mehr...


Natalie Dawn spielt am Sonntagabend im Privatclub
25.05.13Tagesvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 26. Mai. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Anschlagswarnung Erhöhte Sicherheitskontrollen vor Finale
Randale Erneut Krawalle in Schweden – Schulen brennen
London-Stansted Kampfjets eskortieren Flugzeug – Terrorverdacht
Washington Brücke in USA eingestürzt
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. FC Bayern München2:1 gegen den BVBRobben schießt die Bayern auf Europas Thron
  2. 2. FC Bayern MünchenJupp Heynckes„Die Entscheidung über meine Zukunft ist gefallen“
  3. 3. FC Bayern MünchenMatchwinnerArjen Robben – vom Finalpatienten zum Bayern-Helden
  4. 4. SportEinzelkritik BayernStarker Neuer hielt seine Bayern im Spiel
  5. 5. Borussia DortmundEinzelkritik BVBGündogan, Reus und Weidenfeller ragen heraus
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote