18.12.12

Demografie

"Benachteiligung für deutsche Familien zu hoch"

Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder. Aber was hilft? Mehr Kindergärten? Mehr Zuschüsse? Jetzt kommt ein Experte mit einem Vorschlag, mit dem Frankreich offenbar beste Erfahrungen macht.

Foto: dapd
Bevoelkerungsexperte fordert steuerlichen Anreiz fuers Kinderkriegen
Mit dem Kind Steuern sparen. Vielen Eltern ist das unangenehm. Aber Frankreich hat mit seinem Steuermodell durchaus Erfolge aufzuweisen

Der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, hat eine stärkere steuerliche Berücksichtigung von Kindern gefordert. Die üblichen familienpolitischen Maßnahmen wie Verbesserung der Betreuungsbedingungen und Elterngeld reichten nicht mehr aus.

Wie in Frankreich sollten auch in Deutschland mit einem "Familien-Splitting" Kinder bei der Berechnung der Steuerlast herangezogen werden. Ein Kind gelte dabei so viel wie ein halber Erwachsener. Bei zwei Kindern werde die Steuerlast durch drei geteilt, und das dritte Kind gelte wie ein ganzer Erwachsener. "Das heißt, bei drei Kindern wird die Steuerlast durch vier geteilt", erklärte Klingholz. Mit drei Kindern zahle ein Normalverdiener in Frankreich praktisch keine Einkommensteuer. "Das ist ein Grund dafür, dass die Zahl der Drei-Kind-Familien in Frankreich deutlich höher ist als bei uns."

Familien haben zu wenig Geld

Die finanzielle Benachteiligung für Familien sei in Deutschland zu hoch. Zwar zahle Deutschland im Ländervergleich viel pro Kind, "aber andere Länder tun das offenbar schlauer", sagte Klingholz. Er kritisierte das "Ehegatten-Splitting" in Deutschland, das die Steuerlast von Verheirateten durch zwei Personen teilt, unabhängig davon, "ob sie Kinder haben oder nicht". Zwar sei dies eine familienbezogene Leistung. Mit Familie habe es aber "eigentlich gar nichts zu tun".

Kinder bringen Glück ins Haus

Nach den neuen alarmierenden Daten zur Geburtenflaute in Deutschland kritisiert auch der Kinderschutzbund scharf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. "Wir haben große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es fehlt leider auch das Bewusstsein und die feste Überzeugung, dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen", sagte Präsident Heinz Hilgers der "Passauer Neuen Presse". "Junge, intelligente Frauen entscheiden sich nicht wegen des Elterngeldes oder 150 Euro Betreuungsgeld für Kinder."

Eltern wollten keine "Massen-Kindertagesstätten, sondern qualitativ hochwertige Angebote", dies gelte gerade für die Höherqualifizierten. Einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge ist Kinderkriegen in Deutschland noch immer unattraktiv. Den Hauptgrund sieht die Studie im Konflikt von Beruf und Familie.

Kinder werden zu einem Megaprojekt

Die CSU-Familienexpertin Dorothee Bär sagte, in Deutschland seien Kinder häufig ein lange geplantes Megaprojekt, während sie zum Beispiel in Frankreich ganz selbstverständlich zum Leben dazugehörten. "Sie werden nicht minuziös zu einer bestimmten Lebensphase geplant, sondern sind zu jeder Zeit willkommen", sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Dass Paare sich gegen Kinder entscheiden, weil sie den Erwartungsdruck der Gesellschaft fürchten, nannte Bär "eine ungute Entwicklung". "Was jungen Paaren und Eltern Mut macht, sind Vorbilder aus allen Bereichen, die ihnen die Lust aufs Kind vorleben", sagte sie.

Quelle: dapd/dpa/ecb
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