08.12.12

SPD-Parteitag

Steinbrück, Kandidat zwischen Brandt und Scharping

Am Sonntag will Peer Steinbrück offiziell zum Kanzlerkandidaten der SPD gekürt werden. Die Parteispitze wünscht eine fulminante Rede – er müsse deutlich machen, dass er "einer von uns ist".

Von Daniel Friedrich Sturm
Foto: dpa

Seinetwegen trat er 1969 in die SPD ein: Peer Steinbrück vor der Statue von Willy Brandt im Willy-Brandt-Haus in Berlin
Seinetwegen trat er 1969 in die SPD ein: Peer Steinbrück vor der Statue von Willy Brandt im Willy-Brandt-Haus in Berlin

An Selbstbewusstsein hat es Peer Steinbrück noch nie gemangelt, doch ein wenig Demut dürfte er schon verspüren, wenn er am Sonntag vor den Parteitag der SPD tritt.

Steinbrück will zu ihrem Kanzlerkandidaten gewählt werden. Geht es nach ihm, tritt er damit in die Fußstapfen von Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder.

Sollte die SPD indes abermals den Einzug ins Kanzleramt verfehlen, wird sich Steinbrück einreihen in die Riege der erfolglosen Spitzenkandidaten, als da waren: Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Rudolf Scharping und Frank-Walter Steinmeier.

Die langwierige Diskussion über seine Nebeneinkünfte als Abgeordneter hat den vielfach beschriebenen Fehlstart Steinbrücks geprägt. Seit der Ausrufung zum Kanzlerkandidaten am 28.September ist es ihm deshalb misslungen, eigene Themen zu setzen.

Die SPD erträgt diese wochenlange Depression stoisch und ratlos. Je stärker Steinbrück unter Druck geriet, desto mehr bemühten sich die Sozialdemokraten um Geschlossenheit.

"Berührt" zeigte sich der Kandidat von Solidarität und Loyalität in den eigenen Reihen. Das ließ er sogar die Jungsozialisten wissen, was das Ausmaß von Steinbrücks Bedrängnis erst offenbart. Von einer "Sekundendepression" sprach er am vergangenen Sonntag; es war ein ungewohnter Einblick in seine Seele.

Motiviert durch die Parteiikone Brandt

Steinbrück müsse bei seiner auf 80 Minuten angelegten Rede der SPD deutlich machen, dass er "einer von uns ist", heißt es in der Parteispitze. Womöglich wird er erläutern, warum er 1969 – er war damals Bundeswehrsoldat in Oldenburg – der Partei beigetreten ist: nämlich um der Ostpolitik willen und motiviert durch Brandt, die Parteiikone. Dieser Hinweis käme gewiss gut an.

Dass Steinbrück sich später von Brandt ab- und Schmidt zuwandte, wird er genau deshalb womöglich eher unerwähnt lassen.

Gewissermaßen als Gegenleistung für die Solidarität ihm gegenüber kam Steinbrück der SPD in den vergangenen Wochen kräftig entgegen. Unter anderem trug er den teuren Rentenbeschluss mit.

Seine diversen Positionswechsel werfen aber die Frage auf: Wird Steinbrück im Falle einer Regierungsverantwortung die Wahlversprechen einmotten, auf "Lernkurven" verweisend und die Erkenntnis, sie seien nicht umsetzbar?

Seine einstige Regierungschefin Angela Merkel (CDU) wird von Steinbrück für mangelhaftes Regierungsmanagement kritisiert. Dass er eine generell andere Politik will, lässt der 65-Jährige weniger stark erkennen. Politisch sozialisiert in Regierungszentralen und Ministerien, betont er die Notwendigkeit guten Handwerks. Sein eigenes indes (und das seiner Berater) ist bisher allenfalls suboptimal.

Ach ja, das umstrittene 25.000-Euro-Honorar von den Stadtwerken Bochum. Das überwies Steinbrück inzwischen an gemeinnützige Einrichtungen: das Projekt "Bochumer Ferienpate", das Hospiz St.Hildegardis und den Günnigfelder Familientisch.

Foto: Infratest dimap

Der Deutschlandtrend im Dezember 2012

18 Bilder
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Trotz Handelsverbot Kanada eröffnet die alljährliche Robbenjagd
Premiere Hollywoodstars bringen "Spiderman" nach…
Coachella Festival Hier ist Promis nichts peinlich
Schiffsunglück Fähre mit fast 500 Menschen gekentert
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fernsehprogramm

Von Jesus Christus bis Hitler – Das läuft über…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote