07.12.12

Mobilfunk

T-Mobile USA holt sich das iPhone zu Hilfe

Die amerikanische Telekom-Tochter kündigt dramatische Veränderungen auf dem Mobilfunkmarkt an. Sie steckt Milliarden in den Ausbau des mobilen Internets und räumt ihr größtes Handicap aus dem Weg.

Foto: dapd

Ein Kunde testet das neue iPhone 5: Künftig kann die Telekom das Apple-Handy auch in den USA verkaufen
Ein Kunde testet das neue iPhone 5: Künftig kann die Telekom das Apple-Handy auch in den USA verkaufen

Der neue Chef von T-Mobile USA, John Legere, hat sich zum Start der Kapitalmarkttage der Deutschen Telekom äußerst angriffslustig gezeigt. "Wir beschleunigen unsere Angreifer-Strategie", sagte Legere. In den kommenden Monaten werde es dramatische Veränderungen geben.

Und tatsächlich hatte er noch eine Neuigkeit im Gepäck: Die Telekom wird ab 2013 auch in den USA das iPhone verkaufen. Zwar durfte das Unternehmen dazu noch keine Details nennen. Doch damit dürfte das größte Handicap der Telekom-Tochter in Übersee aus dem Weg geräumt sein. Von den großen Netzbetreibern war T-Mobile USA der einzige Anbieter, der seinen Kunden das Apple-Handy nicht verkaufen konnte.

Gegenangebot für MetroPCS unwahrscheinlicher

Und noch eine weitere Sorge hat der neue T-Mobile-Chef nun weniger. Offenbar plant Sprint kein Gegenangebot für MetroPCS. Damit könnte eine weitere große Hürde für die Deutsche Telekom in den USA ausgeräumt sein. Seit sie im Oktober das Zusammengehen von T-Mobile USA mit MetroPCS bekannt gab, war dies eine der großen Ungewissheiten.

Denn der Rivale Sprint befindet sich – wie nun auch die Telekom – mitten in der Wettbewerbsüberprüfung des eigenen Zusammenschlusses mit dem japanischen Mobilfunkkonzern Softbank. Das japanische Unternehmen will sich für gut 20 Milliarden Dollar die Mehrheit am drittgrößten US-Mobilfunker Sprint sichern. Ein Gegenangebot für MetroPCS, das nach Angaben von Insidern mehrere Wochen lang geprüft wurde, könnte dieses Vorhaben gefährden.

Zwar ist damit ein späteres Gegenangebot nicht ausgeschlossen, es wird aber unwahrscheinlicher. Die Telekom ist Teil einer größeren Konsolidierung im US-Mobilfunkmarkt. Seit mehreren Quartalen verliert sie in großer Zahl lukrative Vertragskunden an ihre Wettbewerber. Zum einen kann sie ihren Kunden noch kein Mobilfunknetz der 4. Generation mit der LTE-Technologie (Long Term Evolution) anbieten. Zum anderen fehlte ihr bislang das iPhone.

Mehr knappe Frequenzen zur Verfügung

Das Zusammengehen mit MetroPCS soll die Situation verbessern und Einsparmöglichkeiten von bis zu sieben Milliarden Dollar bringen. Tatsächlich kämen zu den 33 Millionen eigenen Kunden dann auch neun Millionen MetroPCS-Kunden hinzu, die derzeit jedoch mit Handys telefonieren, die im T-Mobile-Netz nicht funktionieren. Bis Ende 2015 sollen die MetroPCS-Kunden auf die neue Technologie umgestellt sein. Wie viele der Kunden dabei abspringen, ist ungewiss.

Mit der Übernahme hätte T-Mobile USA jedoch mehr Frequenzen zur Verfügung, die in den USA sehr knapp sind. Die Telekom plant den Start ihres LTE-Netzes für das kommende Jahr. Bereits bis Ende 2013 will sie so 200 Millionen Amerikaner erreichen.

Sollten die Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss zustimmen, würde die Telekom nach der Fusion 74 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen halten. Die bisherigen MetroPCS-Aktionäre sollen 26 Prozent sowie 1,5 Milliarden Dollar in bar bekommen.

Die Telekom hätte außerdem die Möglichkeit, nach und nach Teile des Unternehmens an der Börse zu verkaufen. "Über die nächsten Jahre braucht der Markt eine weitere Konsolidierung", sagte Telekom-Chef René Obermann. "Als gelistetes Unternehmen können wir daran teilnehmen."

US-Geschäft belastet Bilanz

Derzeit der Telekom. Wegen einer milliardenschweren Abschreibung in Folge der geplanten MetroPCS-Fusion hatte die Telekom im dritten Quartal den größten Verlust seit zehn Jahren ausgewiesen.

Für die Telekom ist das bereits der zweite größere Anlauf, das US-Problem zu lösen. Ursprünglich wollte sie T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an AT&T verkaufen, allerdings stoppten die US-Wettbewerbsbehörden das Vorhaben.

Sollte die neue Fusion gelingen, muss T-Mobile USA schnell an Größe gewinnen. "Man braucht in den USA mindestens 15 bis 18 Prozent Marktanteil", heißt es aus dem Telekom-Vorstand. Derzeit kommt die Telekom gerade einmal auf 10,5 Prozent. Mit dem iPhone bekommt T-Mobile USA nun wieder die Möglichkeit, zu wachsen.

In der Vergangenheit lag das Problem vor allem an den von T-Mobile USA genutzten Frequenzen. Das iPhone konnte im Telekom-Netz nur mit langsamer Geschwindigkeit funken. Durch eine Umwidmung des Funkspektrums und mit dem Ausbau des LTE-Netzes verschwindet dieser Nachteil.

Bislang verlangte Apple hohe Abnahme-Garantien für sein Smartphone. Sprint beispielsweise musste sich über mehrere Jahre verpflichten, iPhones im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar abzunehmen. Solche Volumenzusagen hätte die Telekom nicht machen müssen, versicherte Legere.

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