07.12.12

Deutschlandtrend

Die einzige Waffe der CDU heißt Angela Merkel

Könnten die Bürger den Kanzler direkt wählen, würden sie sich für Angela Merkel entscheiden – nicht für Peer Steinbrück. Doch ihrer Partei trauen sie auf fast allen Feldern weniger zu als der SPD.

Von Thomas Vitzthum
Foto: Infratest dimap

Der Deutschlandtrend im Dezember 2012

18 Bilder

Die Union kann von Glück sagen, wenn die Euro-Krise bis zum Tag der Bundestagswahl weder ausgestanden ist noch den Schein erweckt, es zu sein. Und sie sich darum kümmern kann. Denn, überspitzt formuliert, mehr kann die Partei nicht. Zumindest in den Augen der wahlberechtigten Bürger, die ihre Stimme für den Deutschlandtrend von Infratest Dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen und der "Welt" abgegeben haben.

Die Euro- und Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, ist aus Sicht der Wähler die wichtigste politische Aufgabe. Und hier erhält die Union höchste Kompetenzwerte. 45 Prozent vertrauen ihr. Die SPD erreicht dagegen nur 23 Prozent.

Doch bei anderen Themen, die die Bürger noch als besonders wichtig erachten, sind es die Sozialdemokraten und in einem Fall sogar die Grünen, die die Union teils weit hinter sich lassen. Die SPD sei eher dazu in der Lage, die Altersversorgung langfristig zu sichern, für eine gute Familienpolitik und Kinderbetreuung zu sorgen, die Chancen für Frauen zu verbessern, das Steuersystem gerecht zu machen. Schließlich traut man ihr auch eher zu, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen und soziale Gerechtigkeit herzustellen.

Genauso wichtig wie ein stabiler Euro ist den Bürgern übrigens sichere und bezahlbare Energie (62 Prozent). Und obwohl oder gerade weil die Union die Energiewende nun vorantreibt, muss sie es hinnehmen, hinter die SPD und vor allem die Grünen zurückzufallen. 32 Prozent glauben, dass die Grünen am ehesten in der Lage sind, den Wunsch nach billigem Strom zu erfüllen.

Offenbar verfängt der Versuch vieler Unionspolitiker, die Ökopartei als Bremser in der Energiewende und sich selbst als eigentliche Protagonisten des ökologischen Umbaus darzustellen, überhaupt nicht. Vielmehr sind die Werte der Grünen seit September 2009 sogar noch gestiegen (um drei Prozentpunkte). Sie profitieren weiter von der Dauerpräsenz des Themas, ohne viel dafür tun zu müssen.

Merkel allein füllt die inhaltliche Leere

Trotz des geringen Reservoirs an Inhalten erreicht die Union in der Sonntagsfrage dennoch weiterhin hohe Werte. 39 Prozent würden sie derzeit wählen. Die SPD verharrt bei 30 Prozent. Die Union profitiert weiterhin enorm vom Kanzlerinnenbonus. Doch darin liegt für sie gleichzeitig die größte Gefahr.

Auf die Frage, warum CDU und CSU bei der nächsten Bundestagswahl wohl gewählt würden, antworten 44 Prozent, "wegen Angela Merkel". Nur sieben Prozent sehen in den politischen Inhalten den Grund. Bei der SPD das umgekehrte Bild: Nur zehn Prozent glauben, Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bringe die Menschen dazu, ihr Kreuz bei der Partei zu machen. 43 hingegen sind der Überzeugung, die politischen Inhalte passen.

Es ist also Angela Merkel allein, die die inhaltliche Leere der Union substituiert. Dabei haben die vergangenen beiden Jahre dafür gesorgt, dass sie fast ausschließlich für eine in den Augen der Bürger offenbar überzeugende Euro-Rettungspolitik steht. Nur in diesem Feld können die hohen Zufriedenheitswerte der Kanzlerin – 60 Prozent sind mir ihr zufrieden (minus acht im Vergleich zu November) – auf die Partei ausstrahlen.

Aber was passiert, wenn das Thema aus dem Blickfeld gerät? Was bleibt dann? "Aus Dankbarkeit wählt einen keiner", sagte Merkel selbst gerade auf dem Parteitag in Hannover. Alles hängt an ihr.

Der Befund der Wählerbefragung findet seine Entsprechung im Handeln der CDU. Trotz aller Klagen über die inhaltliche Unschärfe, die Politiker etwa des konservativen Berliner Kreises immer wieder äußern und die auch bei einigen Rednern mehr als deutlich durchschien, wurde die Kanzlerin in Hannover mit fast 98 Prozent als Vorsitzende bestätigt.

Dass die CDU sich dabei eines Tricks bedient und die Enthaltungen nicht wertet, tut wenig bis nichts zur Sache. Lediglich neun Delegierte enthielten sich. Wären sie gezählt worden, hätte Merkel mit knapp 97 Prozent dennoch ein triumphales Ergebnis eingefahren.

Schwarz-Gelb ist abgeschrieben

Auch an Beliebtheit über die Parteigrenzen hinaus kann es Peer Steinbrück noch nicht mit Merkel aufnehmen. Aber er nähert sich ihr langsam. Könnte man den Bundeskanzler direkt wählen, würden sich 39 Prozent und damit drei Prozent mehr als im November für ihn entscheiden. Angela Merkel verliert vier Prozentpunkte und erreicht 49 Prozent.

Ein bemerkenswertes Detail ist, dass sich unter den Unionsanhängern nur sechs Prozent für Steinbrück aussprechen, aber 26 Prozent der SPD-Wähler lieber Merkel wählen würden. Da verwundert es nicht, dass eine Koalition aus Union und SPD für jeden dritten Deutschen die wahrscheinlichste Konstellation nach der kommenden Bundestagswahl darstellt.

Schon an zweiter Stelle steht Rot-Grün (28 Prozent). Die regierende Koalition aus Union und FDP ist dagegen vollends abgeschrieben. Nur neun Prozent glauben, dass es 2013 wieder zu diesem Bündnis kommt. Da erscheint einigen Schwarz-Grün sogar noch wahrscheinlicher (13 Prozent).

Westerwelles Strategie geht auf

Der FDP wird gar nichts mehr zugetraut. Sie erreicht weder bei der Kompetenzzuschreibung noch in der Sonntagsfrage (vier Prozent) erstrebenswerte Ergebnisse. Ihr einstiges Schlüsselthema hat sich quasi in Luft aufgelöst. Nur vier Prozent glauben, dass es den Liberalen gelingen könnte, für ein gerechtes Steuersystem zu sorgen.

Das Drama der FDP hat aus Sicht der Wähler wohl vor allem mit ihrem derzeitigem Vorsitzenden Philipp Rösler zu tun. Er ist der unbeliebteste Politiker. Nur noch 19 Prozent sind mit ihm zufrieden (minus drei Prozent).

Dagegen steigt sein Vorgänger immer höher in der Liste der Spitzenpolitiker. Guido Westerwelles Strategie, in der FDP den Unsichtbaren und in der Außenpolitik den geräuschlos Zuverlässigen zu geben, geht offensichtlich langsam auf. 42 Prozent erklären sich mittlerweile mit seiner Arbeit zufrieden; ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber November. Damit erreicht Außenminister Guido Westerwelle fast die Beliebtheitswerte von Sozialministerin Ursula von der Leyen (44 Prozent) und positioniert sich deutlich vor CSU-Chef Horst Seehofer (38 Prozent).

Dass Rösler die FDP noch retten kann, glauben nur noch wenige. Auf die Frage, mit welchem Spitzenkandidaten die Partei bei der Bundestagswahl die besseren Chancen habe, nennen 17 Prozent Rösler, 57 Prozent aber den Fraktionschef im Bundestag, Rainer Brüderle.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Sydney Kricketstar wird von Ball getroffen und stirbt
Kasachstan Zwei Züge kollidieren mit Lkw - Fahrer sofort tot
Nordkorea Neuer Job für Kims kleine Schwester
TV-Interview Vater des getöteten Michael Brown am Boden zerstör…
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Transport mal anders

Unterwegs per Elektro-Einrad oder schwimmendem Bus

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote