30.11.12

Mediensoftware

Apple lockt User mit iTunes 11 in die Konsumfalle

Mit einem Monat Verspätung hat Apple die neue Version seiner Mediaplayer-Software iTunes vorgestellt. Sie ist aufgeräumter und einfacher zu bedienen als ihr Vorgänger – aber sie nervt auch.

Foto: Apple

Die Startseite von iTunes. Sie wirkt übersichtlicher, die Bedienung ist ziemlich eingängig.

6 Bilder

Der IT-Gigant Apple hat die neueste Version seiner Mediaplayer-Software iTunes zum Download bereitgestellt. Die neue Version Nummer 11 bricht deutlich mit dem in seinen Ursprüngen inzwischen elf Jahre alten iTunes-Design, schneidet alte Zöpfe ab und bringt diverse neue Funktionen mit.

In den vorangegangenen Versionen hatten die Apple-Ingenieure der ursprünglich aufgeräumten Oberfläche immer neue Schaltflächen und Fenster angedockt, um der wachsenden Funktionsumfang Herr zu werden.

Damit ist jetzt Schluss, die neue Oberfläche präsentiert sich aufgeräumt und erinnert eher an Apples aktuelles Mobilbetriebssystem iOS6. Der vor Jahren eingeführte Albumbrowser Coverflow flog ebenso über Bord wie Apples völlig gescheiterter Versuch eines sozialen Netzwerks auf Basis von Musikpräferenzen namens Ping.

Auffällig dabei: Ein Ersatz etwa über Schaltflächen für Facebook fehlt völlig – das neue iTunes ist wenig Social-Web-freundlich.

Die Oberfläche wird von Album-Covern bestimmt

Dafür integrieren die Kalifornier nun ihren Online-Store viel stärker in das Programm und bringen überall eine "im Store"-Schaltfläche unter, um den Nutzern mit einem Klick neue Inhalte anzudienen. Vorbei die strenge Unterscheidung zwischen Store und eigener Mediathek, auch die Liste der zuletzt gehörten Titel umfasst nun Vorschau-Elemente aus dem Store.

Die Bedienung wurde stark vereinfacht: Wo vorher lange Textlisten und eine Seitenleiste wie aus dem Windows-Explorer dominierte, steht nun eine von Album-Covern bestimmte Oberfläche. Bedienelemente klappen bei Bedarf aus, eine spartanische horizontale Navigationsleiste liefert Orientierung über verfügbare Inhalte und Quellen. Die Playlisten lassen sich nun einfacher überblicken, eine Vorschau zeigt an, welcher Titel als nächstes wiedergegeben wird.

iTunes merkt sich besser, was gespielt wurde

Neu ist auch die verbesserte Einbindung in Apples Online-Speicher iCloud. iTunes merkt sich nun über mehrere Geräte hinweg, welche Playlisten und Titel abgespielt wurden, setzt angespielte Titel oder Videos vom Rechner nahtlos auf dem Smartphone fort und umgekehrt.

Mit dem Update wurde Apples Fernbedienungsapp Remote überarbeitet: Sie wird nicht nur dem neuen Look angepasst, mit ihr können Nutzer nun auch deutlich mehr Funktionen von iTunes oder Apples Mediaplayer-Box AppleTV via Funknetz vom Smartphone aus fernsteuern, einfacher Musiksammlungen durchsuchen oder Musik auf mehreren Geräten gleichzeitig wiedergeben.

Die Seitenleiste wird vielen Nutzern fehlen

Im ersten Selbstversuch arbeitet das neue iTunes flüssiger und intuitiver als die vorangegangenen Versionen. Allerdings suchen altgediente Nutzer zunächst oft nach gewohnten Funktionen. Die fehlende Seitenleiste erschwert zudem schnelle Zugriffe und Änderungen auf Playlisten, oder den Abgleich von Titeln auf mehreren Geräten.

Die für Apple wohl wichtigste Änderung, die Integration des Stores, nervt dagegen ein wenig: Ständig lockt iTunes seine Nutzer mit Miniaturvorschauen nun, noch mehr Geld für neue Musik auszugeben.

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Apple-Spitze
  • Tim Cook

    Jobs holte den Computermanager 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs' kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Mit dem Umbau der Chefetage zeigt, Cook, dass er auch hart durchgreifen kann.

  • Jonathan „Jony“ Ive

    Der britische Designer stieß schon Anfang der 90er Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. Mit seiner neuen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten und jetzt auch der Software kommt der 45-Jährige dieser Führungsrolle näher.

  • Eddy Cue

    Der Manager wird seinem Ruf als „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten gerecht. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Nun soll er die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüssel-Bereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

  • Phil Schiller

    Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Auch nach über einem Jahr auf dem Chefposten tritt Tim Cook bei Produktvorstellungen weiterhin in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

  • Scott Forstall

    Der Stanford-Absolvent hat praktisch sein gesamtes Berufsleben mit Jobs zusammengearbeitet, erst bei dessen Firma Next und dann bei Apple. Forstall zählte zu den Architekten des Computer-Betriebssystems OS X, das Apples Macs antreibt, und entwickelte daraus auch federführend die iOS-Software, mit der die iPhones und iPads laufen. Das machte ihn zur logischen Besetzung für den iOS-Chefposten. Allerdings soll es laut US-Medienberichten Spannungen zwischen Ive und Forstall gegeben haben, dem auch Ambitionen für den Chefposten nachgesagt wurden. Jetzt scheint Forstall diesen Kampf verloren zu haben. Er gibt nach dem Debakel mit dem neuen Kartendienst seinen Posten auf. dpa

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