29.11.12

Altkanzler Schmidt

"China ist das friedlichste Land der Weltgeschichte"

Seit Jahren rüstet China seine Armee kräftig auf. Doch Altkanzler Helmut Schmidt macht sich keine Sorgen über den Konflikt mit Japan. Beunruhigt sei er wegen anderer Tendenzen.

Foto: dapd

Vertritt beim Thema China gelegentlich umstrittene Meinungen: Altkanzler Helmut Schmidt beim Treffen "Hamburg Summit: China Meets Europe"
Vertritt beim Thema China gelegentlich umstrittene Meinungen: Altkanzler Helmut Schmidt beim Treffen "Hamburg Summit: China Meets Europe"

Altbundeskanzler Helmut Schmidt sieht keine kriegerischen Ambitionen hinter der massiven Aufrüstung Chinas. "China ist das friedlichste große Land in der Weltgeschichte. Von dieser Tradition wird es sich nicht lösen", sagte Schmidt am Donnerstag auf der deutsch-chinesischen Wirtschaftskonferenz Hamburg Summit.

China rüstet seit Jahren seine Armee kräftig auf und hat erst vor Kurzem etwa seinen ersten Flugzeugträger in Betrieb genommen.

Schmidt sagte, China habe praktisch keine Tradition, andere Staaten zu unterwerfen. "Die Chinesen haben niemals ein fremdes Land kolonialisiert", sagte er. Er nannte als Einschränkung Tibet und die chinesische Provinz Xinjiang, wo eine ethnische Minderheit unterdrückt wird.

Nicht beunruhigt

Der Altbundeskanzler, der auch einst Bundesverteidigungsminister war, sagte, er sei nicht beunruhigt über den Konflikt zwischen China und Japan über mehrere einsame Inseln im Südchinesischen Meer. "Ich sorge mich mehr über den wachsenden Nationalismus, der in China und Japan möglicherweise noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat."

Ähnlich äußerte sich der frühere US-Außenminister Henry Kissinger. "In den USA analysieren manche China unter militärischen Gesichtspunkten", sagte er. "Es gibt aber kein militärisches Problem." Die Konsequenzen militärischer Konflikte zwischen großen Mächten seien mittlerweile bekannt.

Der Erste Weltkrieg wäre nicht begonnen worden, wenn das Ergebnis zuvor absehbar gewesen wäre. "China ist keine Eroberungsnation im klassischen Sinne, wird aber seine Interessen verteidigen." Sowohl die USA wie auch China müssten stark sein, aber auch kooperativ zusammenarbeiten.

Chinas Politik unabhängig von Personen

Die aktuellen Veränderungen in der chinesischen Führung wollten weder Schmidt noch Kissinger allzu hoch bewerten. Die Grundsatzentscheidungen der chinesischen Politik seien getroffen und nicht abhängig von Personen. Gleichwohl werde es zu Reformen kommen, die jedoch vor allem auf veränderte Bedingungen zurückzuführen seien, wie zum Beispiel den Einfluss der neuen Mittelklasse.

Schmidt meinte zudem, dass Einflüsse von außen wie der Nahost-Konflikt zu Veränderungen der chinesischen Außen- und Sicherheitspolitik führen könnten. Ihn besorge der wachsende Nationalismus, der im Konflikt mit Japan um eine unbewohnte Inselgruppe sichtbar geworden sei.

Schmidt gilt seit seiner Regierungszeit als guter Kenner Chinas. Er bereitet derzeit ein neues Buch über das asiatische Land vor.

Schmidt sprach in der Hamburger Handelskammer vor mehreren Hundert Managern, Politikern und Funktionären. Während seiner Diskussion mit dem Autor Theo Sommer rauchte er auf offener Bühne mehrere Zigaretten.

"Tian'anmen"-Massaker verteidigt

Erst vor einigen Monaten hatte Schmidt für Aufsehen gesorgt, als er das Verhalten der chinesischen Regierung während des Volksaufstandes auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" ("Tian'anmen") in Peking verteidigte.

Das Militär sei mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen worden und habe sich mit Waffen gewehrt, sagte Schmidt seinerzeit dem "Zeit"-Magazin. Die vom Roten Kreuz geschätzte Zahl der Toten von 2600 halte er für "weit übertrieben". Botschafter in Peking hätten die Zahl viel niedriger eingeschätzt.

Quelle: dapd/dpa/epd/fp
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