25.11.12

SPD-Kanzlerkandidat

Steinbrück sieht die Grünen nur als Juniorpartner

Im Fall eines Bundestagswahlsiegs fordern die Grünen ein Bündnis auf Augenhöhe mit den Sozialdemokraten. SPD-Chef Sigmar Gabriel wäre einverstanden. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht das anders.

Foto: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an die Grünen: „Es wird auch um politische Gewichte gehen“
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an die Grünen: "Es wird auch um politische Gewichte gehen"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht die Forderung der Grünen nach einem Bündnis auf Augenhöhe im Falle eines gemeinsamen Wahlsiegs skeptisch.

"Natürlich soll man in einer Koalition fair miteinander umgehen, aber es wird auch um politische Gewichte gehen", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag".

"Eine Partei, die doppelt so viele Stimmen oder noch mehr als der kleinere Partner erzielt, wird es nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen." SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte den Grünen eine gleichberechtigte Behandlung zugesagt.

Steinbrück sieht Bürger hinter sich

Mit deren Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt will sich Steinbrück bald zusammensetzen, um den Wahlkampf zu planen. "Ich halte gemeinsame Gespräche für politisch geboten, da beide Parteien gemeinsam regieren wollen", sagte er.

Überzeugt zeigte sich Steinbrück, dass die Menschen trotz seines holperigen Starts nicht vergessen hätten, dass er in der großen Koalition als Finanzminister erfolgreiches Krisenmanagement betrieben habe.

"Ich bin sicher, dass die Bürger meine Leistungen als Politiker in eine angemessene Relation zum Thema Vortragshonorare oder zum Einsatz meiner Bahncard als Abgeordneter zu stellen wissen." Seinen Stil will er – etwa mit Blick auf schwache Umfragewerte bei Frauen – nicht ändern. Möglicherweise wirke er zu kopfgesteuert und wenig emotional. "Ich werde jetzt nicht zum Kuschel-Peer, in der Rolle wäre ich doch völlig unglaubwürdig", sagte er.

An die Medien appellierte Steinbrück, bei der Berichterstattung an die Belastungen für seine Familie zu denken. "Meine Familie wird sich sehr rar machen und ihre Privatheit schützen", kündigte er an.

Wagenknecht attackiert Kanzlerkandidat

Die Partei- und Fraktionsvize der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, attackierte Steinbrück hart, weil dieser in der Schuldenkrise Hilfskredite an Griechenland befürworte und damit den Interessen der deutschen Steuerzahler zu schaden.

"Alle wussten, dass im Kern der Staat an die Stelle der Banken als Gläubiger tritt", sagte sie. Nichts sei damit gelöst worden. Vielmehr hätten sie so getan, "als ob das Schicksal Europas davon abhängen würde, dass wir den europäischen Großbanken ihre Griechenland-Risiken abkaufen. Das war Konkursverschleppung".

Wagenknecht hielt dem Steinbrück vor, er habe vor einem Jahr im Bundestag um Ja-Stimmen für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes EFSF geworben: "Das war sicher seine teuerste Rede. Der Mann ist ein echtes Risiko für die Steuerzahler."

Quelle: dapd/dpa/jw
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