24.11.12

Lothar Hagebölling

Auch Ex-Chef der Staatskanzlei widerspricht Wulff

Wulff will von Gratisreisen seines Ex-Sprechers Glaeseker nichts gewusst haben. Doch der frühere niedersächsische Staatskanzleichef Hagebölling widerspricht der Darstellung des Ex-Bundespräsidenten.

Foto: dpa

Januar 2012: Der damalige Bundespräsident Christian Wulff (l.) und der Chef des Bundespräsidialamts, Lothar Hagebölling
Januar 2012: Der damalige Bundespräsident Christian Wulff (l.) und der Chef des Bundespräsidialamts, Lothar Hagebölling

In der Affäre um Christian Wulff hat offenbar der ehemalige Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, Angaben des Ex-Bundespräsidenten angezweifelt.

In einer Zeugenaussage bei der Staatsanwaltschaft Hannover soll er Wulffs Auskünfte zu Gratisreisen seines Ex-Sprechers Olaf Glaeseker widersprochen haben, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete und sich dabei auf das Vernehmungsprotokoll berief.

Glaeseker belastet Wulff ebenfalls

Die Ermittler werfen Glaeseker Bestechlichkeit vor. Er habe von 2007 bis 2009 Sponsoren für den umstrittenen Nord-Süd-Dialog geworben, den der Unternehmer Manfred Schmidt veranstaltete. Als Gegenleistung soll Glaeseker kostenlos Urlaube bei Schmidt verbracht haben.

Wulff hatte erklärt, er habe von den Gratistrips kaum etwas gewusst und mit Glaeseker während dessen Urlauben nie Kontakt gehabt. Hagebölling, der unter Wulff auch Chef des Bundespräsidialamts war, sagte den Ermittlern hingegen laut "Focus", dass des Öfteren telefoniert worden sei, wenn er, Glaeseker oder Wulff im Urlaub gewesen seien.

Zuvor hatte Glaeseker seinen Ex-Chef bereits der Falschaussage bezichtigt.

Rücktritt als Doku-Drama?

Der Rücktritt Wulffs soll als Doku-Drama verfilmt werden. Produzent Nico Hofmann buhlt nach den Filmrechten am Buch der Wulff-Gattin Bettina nun auch um die Rechte am vergangene Woche erschienenen Sachbuch "Affäre Wulff", wie eine Sprecherin von Hofmanns Firma teamWorx bestätigte.

Ein Angebot liege zum einen dem Riva Verlag für die Veröffentlichung von Bettina Wulff vor. Eine weitere Offerte für die Verfilmung sei an den Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf gegangen, der das Buch "Affäre Wulff" der beiden "Bild"-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbuschherausbrachte.

Produzent Hofmann plane, ein "hochwertiges Doku-Drama" auf Grundlage beider Bücher zu schaffen, sagte seine Sprecherin. Sie betonte, die Geschichte Wulffs solle nicht als Satire verfilmt werden.

Bis Oktober hatte Hofmann für Sat.1 die Geschichte des Ex-Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg satirisch verfilmt. Der CSU-Politiker war zurückgetreten, weil er seine Doktorarbeit in großen Teilen abgeschrieben hatte.

Quelle: AFP/dapd/jw
Foto: pa/dpa/zuma

Wie verkauft man seinen Rückzug aus dem politischen Geschäft? CIA-Direktor David Petraeus (r. u.) verwies auf seine Affäre. Seitdem rätselt die Welt, was sich dahinter wohl verbirgt. Andere Politiker waren da fantasievoller.

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