23.11.12

Wahlkampf-Panne

Steinbrück stellt sich vor geschassten Berater

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat spielt das Debakel mit seinem geschassten Berater herunter – und nennt das 25.000-Euro-Honorar der Bochumer Stadtwerke einen "erheblichen Fehler".

Von Daniel Friedrich Sturm
Foto: dapd

Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück.
Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seinen umstrittenen früheren Online-Berater in Schutz genommen und sieht für seine Partei bei der Bundestagswahl eine Chance auf ein Ergebnis von bis zu 34 Prozent.

Trotz der schwierigen Umstände seiner ersten Kandidatenphase will Steinbrück sich am 9. Dezember offiziell von der SPD zum Kanzlerkandidaten nominieren lassen. "Sie können ja nicht lavieren", sagte Steinbrück auf eine entsprechende Frage am Donnerstagabend in Berlin.

Er wolle nicht agieren nach dem Motto: "Wenn das so ist, Herr Förster, lege ich das Reh wieder auf die Lichtung zurück."

Mit aller Energie für Rot-Grün

Auch ein Misserfolg von SPD und Grünen bei der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar 2013 werde ihn nicht von der Kandidatur abbringen. "Davon mache ich mich nicht abhängig", sagte Steinbrück: "Meinen Sie, ich bleibe dann morgens im Bett, ziehe mir die Decke über den Kopf und halte wieder Honorarvorträge?" Er kämpfe mit aller Energie für eine rot-grüne Bundesregierung.

"Lang anhaltende Depressionen können Sie sich im Wahlkampf nicht leisten", sagte Steinbrück. Die SPD liege in Umfragen derzeit bei 28 bis 30 Prozent. "Ich bin ziemlich überzeugt, dass man da drei, vier Prozent drauflegen kann", sagte Steinbrück. Zusammen mit den Grünen reiche es dann für eine Mehrheit.

Koidl hat sich "ehrenhaft verhalten"

Steinbrück würdigte seinen kurzzeitigen Berater Roman Maria Koidl, über dessen Tätigkeit die "Welt" am Montag exklusiv berichtet hatte und der am Mittwoch seinen Dienst quittierte. Koidl habe sich "ehrenhaft verhalten" und sei ein guter Ratgeber. Er wende sich nicht von Koidl ab, "weil er breite berufliche Erfahrungen besitzt".

Steinbrück sagte, es sei ihm gleich, wenn ein Mensch früher für Hedgefonds gearbeitet hätte – "so lange er sich rechtskonform und charakterlich korrekt verhalten hat". Steinbrück sagte, er breche wegen derlei Dingen über niemanden den Stab. "Dann müsste ich die Hälfte meiner Kontakte in den Bankensektor abbrechen", sagte er.

Kein Risiko elf Monate vor der Wahl

In der SPD-Führung indes wird ein früheres Engagement für Hedgefonds ("Heuschrecken") als unvereinbar mit einer Beratertätigkeit für den Kanzlerkandidaten verstanden. Der Unternehmer und Buchautor Koidl ("Scheißkerle") hatte zwei amerikanische Hedgefonds beraten, er führt ein Unternehmen mit Sitz in Luzern und lebt in Zürich.

Dass Koidl nicht weiter für ihn tätig sei begründete Steinbrück mit dessen Vorschlag, die Internetaktivitäten der SPD einer "ziemlich revolutionären Systemumstellung" zu unterziehen. "Dieses Risiko gehen wir elf Monate vor der Wahl nicht ein", sagte Steinbrück.

Steinbrück bezeichnete den Start seiner Kandidatur vor acht Wochen bezogen auf die Debatte über seine Honorare als "Panne". Er bleibe aber dabei, dass er "nichts Unrechtes getan" habe. Er habe transparent gemacht, was transparent habe gemacht werden müssen.

25.000-Euro-Honorar ein "erheblicher Fehler"

Gleichwohl sei die Annahme des 25.000-Euro-Honorars der Stadtwerke Bochum "ein erheblicher Fehler" gewesen. "Mein Antennenapparat hätte mir sagen müssen, dass das nicht hinhaut", sagte Steinbrück.

Die SPD verteidige ihn "auf sehr berührende Weise", sagte der Kanzerkandidat. Er wünsche sich, dass alsbald über "Themen" diskutiert werde. Steinbrück zufolge beginnt der Wahlkampf frühestens mit dem SPD-Programmparteitag im April oder Mai kommenden Jahres. Derzeit befinde sich die SPD "nicht im Wahlkampfmodus. Ich fühle mich auch nicht so."

Kein "elfmonatiger Beauty-Contest"

Deutschland brauche keinen "elfmonatigen Beauty-Contest". Die wichtigste Phase sei der "Endspurt" kurz vor der Wahl im September 2013, "wo man nicht erschöpft sein darf". Das Wahlverhalten entscheide sich in den "letzten sechs bis sieben Tagen" vor der Wahl.

Auf Nachfrage enthüllte Steinbrück die Summe für das Honorar des Baukonzerns Bilfiger Berger, das er für die schriftliche Beantwortung von Fragen für einen Geschäftsbericht bekommen hatte. "Es sind 15.000 Euro brutto", sagte er.

Bislang hatte Steinbrück allein die Summen seiner 89 Vorträge offengelegt, nicht aber die weiteren Einnahmen aus Aufsichtsratsposten, Buchverträgen und "publizistischer Tätigkeit". Mit diesem Etikett hatte er auch seine Antworten auf die Fragen von Bilfiger Berger versehen.

Foto: REUTERS

„Mit wem würden sie gern Abendessen gehen?“ – so lautete die Frage einer repräsentativen Infratest-dimap-Erhebung im Auftrag der „Welt am Sonntag“. Peer Steinbrück – hier mit Hannelore Kraft – schaffte es auf den vierten Platz. 35 Prozent der Frauen entschieden sich für ihn. Erster aber wurde...

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