20.11.12

SPD-Jugend

Jungsozialistin wirft Genossen Mobbing vor

Auf dem Kongress der SPD-Jugendorganisation ging man mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück harmonisch um. Dafür gab es untereinander Gemeinheiten. Eine Hamburger Delegierte hat das tief getroffen.

Foto: dapd

Knallige T-Shirts für linke Botschaften: Eine Delegierte beim Bundeskongress der Jusos am Wochenende in Magdeburg
Knallige T-Shirts für linke Botschaften: Eine Delegierte beim Bundeskongress der Jusos am Wochenende in Magdeburg

Auf dem Bundeskongress der Jungsozialisten am vergangenen Samstag sprach Peer Steinbrück. Der Kongress schien zwischen den Jusos und dem Kanzlerkandidaten harmonisch zu verlaufen. Unter den Jungsozialisten selbst herrschte allerdings eine ganz andere Stimmung – und ein sehr beleidigender Umgang.

Es wurde "systematisch gemobbt", klagte die Hamburger Jungsozialistin Yasmina Banaszczuk auf ihrem Blog. "Nie habe sie sich so verachtet gefühlt." Noch nie habe sie sich so "unakzeptiert, ausgeschlossen, unwillkommen gefühlt". Auf Twitter sprach sie von einem "unerträglichem Klima".

Auf dem Zettel stand "Stirb!"

So sei ihr etwa ein Zettel mit dem Wort "Stirb!" auf ihren Tisch im Kongresssaal gelegt worden. Den Zettel hat sie fotografiert und auf ihrem Blog veröffentlicht. Den Vorfall meldete die Jungsozialistin während des Kongresses zwar dem Präsidium, "die dann zwischen zwei Änderungsanträgen halbherzig darum baten, keine Beleidigungen zu verbreiten", viele hätten es aber nicht mitbekommen.

"So ein Verhalten ist der SPD unwürdig", bloggte Yasmina Banaszczuk. Ein Redner der Hamburger Delegation wurde demnach als "Faschist" und "Arschloch" ausgebuht, als er sich versprochen und "nationalistisch statt national" gesagt hatte.

Im Blog das Herz ausgeschüttet

"Wenn 300 Menschen im Raum dir und deiner Delegation fast gesammelt Hass entgegen brüllen und dich als Faschistin und Nationalistin bezeichnen, obwohl du, genauso wie sie, in der SPD bist und von Herzen aus gegen jegliche nationalistische Scheiße bist, dann ist das echt krass. Ich habe mich dann kurz gefragt, ob es da noch um inhaltliche Differenzen ging oder man in uns einfach nur die bösen Hamburgerinnen sehen wollte, die die SPD in die NPD eingliedern möchten", bloggte Yasmina Banaszczuk weiter.

Banaszczuk ist seit zwei Jahren Mitglied bei der SPD, promoviert an der Universität Flensburg und wohnt in Hamburg. Auf ihrem Blog "Klingt komisch. Ist aber so" berichtet sie in ihrem Artikel "Buko 12 – Wir sind gleich – aber andere sind gleicher" von ihren Erlebnissen als Hamburger Delegierte auf dem Juso-Kongress.

Hinten sitzen die ewigen Verlierer

Im Kongresssaal habe der Tisch der Hamburger Delegation ganz hinten gestanden, "was nicht schlimm ist, wenn es etwas Abstand zu den Gästen gibt, oder vernünftig sehen oder hören kann. Was leider nicht der Fall war. Geschenkt, Passiert, was solls." Die Äußerung eines anderen Delegierten("Wir sitzen immer hinten. Gewöhn dich dran."), machte sie allerdings "stutzig".

Die Ablehnung der Änderungsanträge der Hamburger Delegation wurden mit den Worten "großer", "überwältigender" und "großer großer" Mehrheit verkündet. Yasmina Banaszczuk empfand das als "demütigend", wie sie in ihrem Blogartikel schreibt.

Von den anderen geschnitten

Aber auch zwischen den inhaltlichen Diskussionen während des Bundeskongresses fühlte sich die Jungsozialistin unwohl: "Als ich irgendwann Essen hole, Leute mir erst zulächeln, dann auf meinen Ausweis gucken und Hamburg lesen, und sich dann wegdrehen, wiederholt, ständig, überall, ob auf Toilette, in der Schlange, zum Reden oder beim Essen, ja dann bin ich echt zwischendurch kurz den Tränen nahe."

Auf Twitter klagte sie nun über die Vorfälle: "Was ich persönlich den Leuten getan hab konnte mir niemand sagen, aber trotzdem bin ich es selber Schuld. Weil ich zufällig aus HH komme."

Parteiaustritt erwogen

So twitterte sie, dass sie sich mit einem Parteiaustritt zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage "ernsthaft" befasste. Juso-Chef Sacha Vogt sandte wenige Stunden später einen Tweet an sie: "Ich stehe für ein Gespräch wirklich sehr gerne zur Verfügung. Melde dich einfach." Prompt twitterte Yasmina Banaszczuk ihre Handynummer.

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost wollte sie sich aber nicht weiter äußern: "Wir wollen die Sache nicht über die Presse laufen lassen, sondern erst mal intern regeln." Auch online äußerte sie sich inzwischen ähnlich: "Ich glaub ich werde aber mit niemandem mehr darüber reden. Hab Angst, noch mehr Erde zu verbrennen, und das schadet uns dann allen :("

Vogt sagte, er habe von den Zwischenrufen nichts gehört. "Der Saal ist ziemlich groß", meinte er auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Da Yasmina Banaszczuk als neue Delegierte zum ersten Mal auf dem Bundeskongress anwesend war, "kann man das alles schon sehr krass finden".

Vogt verspricht ein klärendes Gespräch

Vogt sagte, er werde mit ihr telefonisch ein Gespräch führen und zusammen mit ihr überlegen, wie man das künftig verändern kann, was den Tonfall angehe. Über einen Austritt aus der SPD ihrerseits wüsste er nichts. "Ich würde es sehr bedauern, wenn sie austreten würde." Generell stellte Vogt fest: "Ich kann nur an alle Teile des Verbandes appellieren, dass man auch bei inhaltlichen Differenzen auf seinen Tonfall achtet und einen angemessenen Ton beibehält."

Ob es bei den Vorfällen innerhalb der Jusos mehr als nur um einen schlechten Tonfall gehe, sondern vielmehr um ein Mangel an demokratischem Verständnis von Meinungspluralismus innerhalb des Verbandes handelt, antwortete Vogt mit dem Worten: Er habe auch den Landesverbänden immer dazu geraten, zwischen den Bundeskongressen, "die ja immer sehr emotionale Angelegenheiten sind, miteinander im Gespräch zu bleiben". So würde sich "die eine oder andere Debatte dann so in der Schärfe nicht ergeben".

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
US-German investor Nicolas Berggruen add
20.05.13Karstadt
Nicolas Berggruen – der entzauberte Milliardär

Der Kaufhauskonzern hat wieder große Probleme. Nicolas Berggruen, der lange als Retter gefeiert wurde, ist nicht ganz schuldlos. Eine Zwischenbilanz. mehr...

Astronomie
20.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Dienstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Dienstag, den 21. Mai. mehr...


Ein Großaufgebot der Polizei suchte nach dem Mädchen.
20.05.13Hellersdorf
Vermisstes Mädchen wieder aufgetaucht – Sharlyn wohlauf

Mit einem Großaufgebot wurde die achtjährige Sharlyn aus Hellersdorf stundenlang gesucht. Am späten Abend gab es dann Entwarnung: Die Kleine tauchte kurz nach 22 Uhr plötzlich wieder zu Hause auf. mehr...


Die kilometerlangen Rohrleitungen gehören zur Brandschutzanlage des BER-Terminals. Erst wenn sie stabil funktioniert, darf der neue Flughafen eröffnet werden
20.05.13Sprinkleranlage
Am BER tut sich was – Erstes Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote