19.11.12

US-Südstaaten

Wie die US-Republikaner zu Sezessionisten wurden

Vor 150 Jahren führte die Republikanische Partei den Bürgerkrieg, um die USA zu erhalten und die Sklaven zu befreien. Heute repräsentiert sie den radikalen Süden, mit Ku-Klux-Klan und Neonazis.

Foto: pa/akg-images/akg
Emanzipations Proklamation 1862 /Litho. - Emancipation Proclamation 1862 /Litho. -
Es war ein Republikaner, Abraham Lincoln, der gegen den militärischen Widerstand der Demokraten 1862 die Befreiung der Sklaven in Amerika proklamierte

Wer besser verstehen will, wie aus der Anti-Sklaverei-Partei des ersten republikanischen Präsidenten Abraham Lincoln die moderne "Republican Party" werden konnte, die an ihrem rechten Rand Rassisten und Sezessionisten duldet, sollte im Januar Steven Spielbergs Film "Lincoln" sehen. Der Regisseur zeigt nicht nur einen grandiosen Daniel Day-Lewis in der Titelrolle. Sondern, mit dem ihm eigenen pädagogischen Eros, Redeschlachten im Kongress zwischen Abolitionisten der Republikaner und Verteidigern ewiger Diskriminierung bei den Demokraten. Und das mit herrlich blühenden Beleidigungen im Pathos der Zeit um 1865 in Washington.

Rund 150 Jahre danach ist die Sprache modern kodiert (den Präsidenten als "Nigger" zu diffamieren, wagen nicht einmal seine Hasser), die Rollen sind spiegelverkehrt. Doch die Wunden der Sklaverei aufzureißen, bedarf es wenig.

Die "Democratic Party" ist die ältere Partei. Barack Obama ist ihr 15. Präsident, die Republikaner, obwohl erst 1854 gegründet, führen nach Präsidenten, George W. Bush war ihr 18 Chef. Die Demokraten leiten sich aus den "Anti-Federaliststs" Thomas Jeffersons und James Madisons ab; die sich für die Rechte der Einzelstaaten gegen den Bund stark machten. Eben dieser Antagonismus, entzündet an der Sklaverei, führte später zur Rebellion des Südens und zum Bürgerkrieg.

Die radikale Gegenbewegung des Südens

In den 1850er-Jahren spalteten sich Gegner der Sklaverei aus der Demokratischen Partei ab; ihre Zersplitterung machte den Wahlsieg des Republikaners Abraham Lincoln 1860 möglich. Mit seiner Wiederwahl 1864 war die Feindschaft der Parteien zementiert. Die Republikaner setzten nach der Kapitulation der konföderierten Südstaaten die Politik der sogenannten "Rekonstruction" durch, die Schwarzen das Wahlrecht und Ämter gab.

Die Demokraten, im Kongress und im Wahlmänner-Gremium anteilig gestärkt auf paradoxe Weise durch die Vollwertigkeit der Stimmen von Schwarzen, setzten sich im verbitterten Süden an die Spitze einer radikalen Gegenbewegung. Sie drängte in den 1880er- und 1890er-Jahren die Schwarzen in allen Bereichen zurück in die Zweitklassigkeit und setzte Lynchgesetze durch. In jenen düsteren Jahrzehnten bildete sich der Abstimmungsblock des "Solid South" für die Demokraten. Republikaner brauchten sich nicht blicken zu lassen. Lincoln lebte als verhasster Diktator fort.

Erst die Weltwirtschaftskrise der späten 1920er- und 1930er-Jahre und der soziale "New Deal" Franklin D. Roosevelts, den unternehmerfreundliche Republikaner als "sozialistischen Klassenkampf" ächteten, brachte eine erste Wählerwanderung von Linken und Liberalen zu den Demokraten. Noch stand der Süden solide; Republikaner bekämpften Lynchjustiz.

Das Erbe der Bürgerrechtsbewegung

Als der demokratische Präsident Harry Truman (1945-1953) im Jahr 1948 begann, die Diskriminierung in den Streitkräften abzuschaffen, flammte erneut heftiger Widerstand im Süden auf. Mit der Bürgerrechtsbewegung radikalisierte sich die alte Nord-Süd-Spannung erneut. "Dixiecrats" und bekennende Rassisten wie der Gouverneur von Alabama George Wallace gewannen Zulauf und Stimmen für eine revisionistische "States' Rights"-Agenda.

Als Truppen des Bundes die Desegregation von Schulen und Hochschulen im Süden durchsetzten, stand der Kalte Krieg gegen den Norden kurz vor einer heißen Rebellion. Der "Solid South" zerbrach, als der Bund die Rechte der Schwarzen in der Verfassung endlich durchsetzte.

Lyndon Johnson, mächtiger Senator aus Texas, wurde 1960 als "Running mate" John F. Kennedys zum Schlüssel des Sieges eines klassischen "Yankees". Mit dem republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaft Barry Goldwater, dessen "Southern Strategy" der Partei frustrierte Konservative in Scharen zutrieb, begann 1964 die Hinwendung der Republikaner zum Süden. Präsident Johnson verzichtete auf seine Kandidatur 1968. So gewann Richard Nixon die Stimmen mit "States' Rights" und "Law and Order".

Vor dem Ende der "Southern Strategy"?

Einzig den beiden ehemaligen Südstaaten-Gouverneuren Jimmy Carter und Bill Clinton gelangen in den folgenden Jahrzehnten demokratische Wahlsiege mit Stimmen aus dem Süden. Meist blieb der Süden so solide republikanisch wie er 100 Jahre zuvor demokratisch gewesen war.

Einige Historiker sehen den Wahltriumph Barack Obamas auch als Sterben der "Southern Strategy". Dennoch gilt: Wer erzkonservative, fromme, auch frömmelnde Wähler ansprechen will, die Washington für den Feind halten und sich zur Not auch mit Rassisten und Sezessionisten gemein machen, sucht in Amerikas Süden. Und er wird fündig.

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