19.11.12

Sechs Tote auf A 5

Polizei will Leben des Geisterfahrers "durchleuchten"

Nach dem schweren Unfall auf der A 5 mit sechs Toten untersucht die Polizei das Leben des Geisterfahrers, der die Tragödie verursachte. Konsumierte er Drogen, gab es Motive für einen möglichen Suizid?

Quelle: Reuters
18.11.12 0:48 min.
Bei einem Unfall auf der Autobahn 5 in Südbaden kamen sechs Menschen ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Ursache war offenbar ein Falschfahrer. Wegen starken Nebels kam es auch zu Folgeunfällen.

Einen Tag nach dem Unfall eines Geisterfahrers mit sechs Toten konzentriert sich die Polizei auf das Umfeld des Unfallverursachers. Die Untersuchungen am Unfallort seien abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Polizei am Montag im badischen Offenburg.

Nun gehe es darum zu klären, warum der 20-Jährige auf der Autobahn in der falschen Richtung unterwegs war. Um dies herauszufinden, werde das Leben des Mannes durchleuchtet.

Daraus könnten dann Rückschlüsse auf ein mögliches Motiv, etwa bei einem Suizid, gezogen werden. Zudem werde nach Drogen- und Alkoholkonsum gefragt. "Es ist ein Puzzle, das wir zusammensetzen müssen", sagte der Polizeisprecher. Es müsse mit langwierigen Ermittlungen gerechnet werden.

Einen Abschiedsbrief habe der Falschfahrer nicht hinterlassen. "So einfach hat er es uns nicht gemacht." Er rechne damit, dass erst im kommenden Jahr ein Abschlussbericht vorgelegt werden könne. "In diesem Jahr wird das nichts mehr."

Tragödie am Sonntagmorgen

Der 20-Jährige aus dem badischen Ortenaukreis war am frühen Sonntagmorgen auf der Autobahn 5 bei Offenburg in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Er verursachte einen schweren Unfall, bei dem er einen voll besetzten Minivan mit hoher Geschwindigkeit frontal rammte.

Der Falschfahrer und alle fünf Insassen des Kleinbusses starben. Bei Folgeunfällen wurden Menschen verletzt, darunter eine 37-Jährige, die Erste Hilfe leisten wollte. Ein Autofahrer übersah sie im Nebel und überrollte sie. Ein weiteres Fahrzeug prallte daraufhin in die ungesicherte Unfallstelle.

Bundesweit gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Geisterfahrer-Kollisionen mit mehreren Toten. So starben allein im Oktober mindestens 13 Menschen durch Falschfahrer. Fünf Tote gab es vor vier Wochen, als ein 24-jähriger Selbstmörder auf der A 46 im Sauerland in ein Auto mit vier Insassen raste.

In Bayern kamen bei einem Geisterfahrer-Unfall Anfang Oktober fünf Menschen ums Leben. Damals hatte eine vermutlich psychisch kranke Frau den Unfall verursacht.

Weiterer Geisterfahrer in Lkw

Der jüngste Fall geschah am frühen Montagmorgen auf der Bundesstraße 464 bei Böblingen in Baden-Württemberg, wo ein Lkw-Geisterfahrer beinahe einen Unfall verursachte:

Ein 55 Jahre alter Autofahrer konnte noch rechtzeitig ausweichen, als ihm auf der vierspurigen Bundesstraße der Lkw entgegen kam, wie die Polizei mitteile.

Der Mann setzte mehrfach die Lichthupe, woraufhin der Lastwagenfahrer seinen Fehler bemerkte. Allerdings hielt er nicht an, sondern schaltete lediglich die Warnblinkanlage an und fuhr weiter.

Bei der ersten Wendemöglichkeit drehte der 51 Jahre alte Lastwagenfahrer sein Fahrzeug dann um. Kurz darauf wurde er von der Polizei gestoppt. Wie der Mann auf die Gegenfahrbahn geriet, ist unklar. Eine mögliche Ursache könnte laut Polizei starker Nebel gewesen sein.

Warum geraten Autos auf die falsche Bahn?

Purer Leichtsinn ist nach einer Einschätzung des Auto- und Reiseclubs Deutschland (ARCD) ein häufiger Grund, warum Autofahrer zu Geisterfahrern werden. "In den meisten Fällen wenden sie oder setzen zurück, wenn sie eine Ausfahrt verpasst haben", erklärt ARCD-Sprecher Joseph Harrer.

Dass Autofahrer aus Versehen die falsche Auffahrt nehmen und so zum Geisterfahrer werden, sei eher die Ausnahme. In der Regel sind Fahrer laut Harrer in so einem Fall orientierungslos, entweder weil sie gestresst sind oder unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stehen. Auch schlechte Sicht könne eine Rolle spielen. Oder es stecken Selbstmordabsichten dahinter.

Dem ARCD zufolge stammt die aktuellste Statistik zum Thema Falschfahrer von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST). Sie wurde für sechs Bundesländer erhoben und 2006 veröffentlicht. "Demnach waren Geisterfahrer an 0,3 Prozent der Unfälle mit Personenschaden auf Autobahnen beteiligt", sagt Harrer.

Rechts halten, Tempo drosseln, auf Seitenstreifen

Sobald Autofahrer bemerken, dass sie in der falschen Richtung unterwegs sind, heißt es: Das Auto weit am Rand abstellen und dabei keinesfalls noch einmal die Fahrbahn queren, rät Harrer.

Weil in den meisten Fällen Gefahr für Leib und Leben bestehe, sollten Betroffene darauf verzichten, ein Warndreieck aufzustellen. "Besser sie bringen sich sofort in Sicherheit", so der ARCD-Sprecher. "Meistens bietet der Bereich zwischen den Leitplanken auf dem mittleren Grünstreifen den besten Schutz."

Sobald andere Autofahrer von einem Geisterfahrer über den Verkehrsfunk erfahren, sollten sie sich den Automobilclubs ADAC und Auto Club Europa (ACE) zufolge rechts halten und das Tempo drosseln, um auf den Seitenstreifen ausweichen zu können. "Wer die Möglichkeit hat, auf einen Parkplatz zu fahren, geht den sichersten Weg", sagt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving.

Quelle: dpa/mak
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