18.11.12

Russland spekuliert

Korsett-Gerücht und Ausreden – hat Putin Rücken?

Weil Wladimir Putin und Angela Merkel ihre Moskauer Pressekonferenz im Sitzen abhielten, zweifeln Beobachter an der Fitness des Präsidenten. Eine Reihe von Beobachtungen würde ins Bild passen.

Foto: dpa

Strebt dem Sessel zu, humpelt er gar? Der Auftritt des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gab Spekulationen über den Gesundheitszustand des Kremlherrn neue Nahrung
Strebt dem Sessel zu, humpelt er gar? Der Auftritt des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gab Spekulationen über den Gesundheitszustand des Kremlherrn neue Nahrung

Nach den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Moskau wird über die Gesundheit des russischen Präsidenten gerätselt. Der Grund: Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel gaben ihre Pressekonferenz im Sitzen und nicht wie üblich im Stehen. Das mag ein Zufall gewesen sein, doch in letzter Zeit gab es mehrere Zufälle, die darauf hindeuten könnten, dass der russische Präsident nicht so fit ist, wie er es gern darstellt.

Seit Anfang Oktober hat Putin seine Residenz in Nowo-Ogarjowo selten verlassen. Dort arbeitete er und empfing seine Besucher. Die offizielle Erklärung lautete, Putin wolle den Verkehr in Moskau nicht dadurch stören, dass die Straßen auf dem Weg zum Kreml für ihn gesperrt werden. Aber auch alle Auslandsreisen, etwa nach Indien, in die Türkei und nach Bulgarien, wurden aus unterschiedlichen Anlässen von Oktober und November auf Dezember verschoben.

Am 5. Oktober war Putin in Tadschikistan, zwei Tage später feierte er seinen 60. Geburtstag in seiner Heimatstadt Sankt-Petersburg. Seitdem blieb er in Moskau. Der Erschließung eines riesigen Gasvorkommens auf der Halbinsel Jamal am 23. Oktober hat er lediglich per Videokonferenz zugeschaut, obwohl er früher geplant hatte, selbst daran teilzunehmen. Auch seine jährliche Videokonferenz mit den russischen Bürgern, die in der Regel mehrere Stunden dauert, wurde abgesagt. Offiziell hieß es, Putin habe Mitleid mit den Menschen, die in der Kälte ausharren müssten, um ihm eine Frage zu stellen.

Der Flug mit den Kranichen

Die Medien fingen an zu spekulieren, dass der Kremlchef ernsthafte Probleme mit dem Rücken hat. Ein Informant der Nachrichtenagentur Reuters will Putin im Oktober in einem orthopädischen Korsett gesehen haben, einer anderen anonymen Quelle zufolge brauche Putin womöglich eine Operation. Die russische Zeitung "Wedomosti" schrieb – ebenfalls unter Berufung auf anonyme Quellen –, dass sich Putins alte Verletzung nach seinem Flug mit den Kranichen im September verschlimmert habe.

Während des Apec-Gipfeltreffens in Wladiwostok, kurz nach dem berühmten Drachenflug, merkten mehrere Journalisten, dass er humpelte. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow reagierte sofort. "Der Flug mit den Kranichen hat nichts verschlimmert. Es gab eine alte Verletzung, wir haben darüber bereits in Wladiwostok gesprochen. Aber das ist keine alte Verletzung, das ist eine normale Sportverletzung, damals hat sich Putin einen Muskel gezerrt. In Wladiwostok haben wir das nicht verschwiegen", sagte er dem Radiosender "Kommersant FM".

Das Schweigen erinnert an Sowjetzeiten

Alle anderen Spekulationen der Medien entsprächen nicht der Wahrheit, eine Operation brauche Putin nicht. Auch der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedjew sagte Anfang dieser Woche, dass es seinem "Tandempartner" gut gehe. "Nichts Ernsthaftes. Jeder von uns hat seine Wehwehchen", sagte Medwedjew. Putin müsse viel Sport treiben, um in guter Form zu bleiben.

Der 60-jährige Putin kultiviert gern das Image des starken Landesvaters, er ließ sich mehrfach mit nacktem Oberkörper fotografieren. Mit seinen Stunts wurde er im Fernsehen als ein "Superman" dargestellt. Er fuhr Ski, machte Judo, saß selbst am Steuer eines Fliegers und tauchte im Schwarzen Meer. Auch deshalb sind jetzt viele Russen misstrauisch: Das Schweigen erinnert sie an die Sowjetzeiten, als das Volk über die Krankheiten von Parteifunktionären nichts erfahren durfte.

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