Bericht zur Deutschen Einheit
Osten verkraftet Krise besser als Westen
Wolfgang Tiefensee, Ostbeauftragter der Regierung, sieht die neuen Bundesländer in der Wirtschaftskrise vergleichsweise gut gerüstet. Sie seien weniger exportabhängig als der Westen. In dem Bericht zum Stand der Deutschen Einheit, den Tiefensee heute vorstellt, geht es aber auch um das größte wirtschaftliche Problem des Ostens.
Ostdeutschland ist vom Wirtschaftsabschwung weniger betroffen als die alten Bundesländer. Zu dieser Einschätzung kommt die Bundesregierung in ihrem Jahresbericht zur Deutschen Einheit, den der Ost-Beauftragte, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), heute dem Kabinett vorstellt.
In den östlichen Bundesländern gebe es mehr kleine bis mittlere Unternehmen, die nicht so exportabhängig seien, sagte Tiefensee dazu im RBB-Inforadio. Hinzu komme, dass der Osten auf den Zukunftsfeldern Solar-, Bio- und Mikrotechnologie stark zulege.
Dennoch blieben in Ostdeutschland große Herausforderungen, betonte der SPD-Politiker. Er verwies auf die insgesamt zu schwache Wirtschaftsleistung und den anhaltenden Bevölkerungsschwund.
In zehn Jahren könnte Ostdeutschland nach Einschätzung der Regierung wirtschaftlich Anschluss an den Westen finden, berichtete die "Berliner Zeitung". Wenn 2019 der Solidarpakt II auslaufe, dürften sie fast die Leistungsfähigkeit strukturschwacher Flächenländer wie Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz erreichen.
In dem Bericht wird aber nach Angaben der "Sächsischen Zeitung" auch darauf verwiesen, dass der Aufholprozess Ostdeutschlands zum Westen auch im kommenden Jahrzehnt schwierig bleibe.
Es sei "bereits ein großer Erfolg", wenn es nach 30 Jahren Aufbau Ost gelänge, die ostdeutschen Länder auch wirtschaftlich an die westdeutschen Länder heranzuführen, zitierte die Zeitung aus dem Bericht. Sorgenkind bleibe die hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland.
In dem Bericht wird offenbar auch Kritik am Zustand der inneren Einheit Deutschlands geübt. "Die gegenseitige Anerkennung der Bürger in Ost- und Westdeutschland ist trotz aller Fortschritte noch immer nicht ausreichend", zitierte die "Thüringer Allgemeine" aus dem Papier. In Ost und West hätten viele Bürger das Gefühl, "dass die Menschen des jeweils anderen Landesteils ihre Leistungen nicht genügend anerkennen".
Ost- und Westdeutsche empfänden sich immer noch gegenseitig als fremd, im Osten gebe es ein Gefühl der Benachteiligung. "Fremdheiten zu überwinden und Gemeinsamkeiten zu schaffen, bleibt ein wichtiges Ziel im weiteren Prozess der Vereinigung Deutschlands. Vorurteilen muss begegnet, Klischees müssen überwunden werden", zitierte die Zeitung weiter den Bericht.
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