12.11.12

Grünen-Chefin

Claudia Roth bleibt – dem Candystorm sei Dank

Trotz der "herben Klatsche" bei der Urwahl und persönlicher Verletzung will Claudia Roth am kommenden Wochenende erneut für den Grünen-Vorsitz kandidieren: "Die Partei hat jetzt das Wort."

Quelle: Reuters
12.11.12 2:25 min.
Als Grünen-Chefin Roth in Berlin vor die Presse trat, war ihr die Enttäuschung über das schlechte Ergebnis der Urwahl noch anzumerken. Trotzdem will sie weitermachen. Die Partei ist erleichtert.

Nur in besonderen Fällen stehen vor der Grünen-Parteizentrale in Berlin so viele Satellitenschüsseln, ist der kleine Pressesaal so voll besetzt. Um acht Uhr wurde es ganz still, um 8.01 Uhr trat Partei-Chefin Claudia Roth durch die Tür. Sie machte ein sehr ernstes Gesicht, war ganz in Schwarz gekleidet. Sie wirkte, als fiele es ihr schwer, ans Mikrofon zu treten.

Nach ihrer herben Niederlage bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten war spekuliert worden, ob sich Roth am kommenden Wochenende beim Bundesparteitag in Hannover erneut als Parteivorsitzende zur Wahl stellen würde. Mit nur 26,18 Prozent hatte sie von den vier prominenten Bewerben mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten.

Nach zwei Tagen des Schweigens wollte sich Roth nun endlich erklären.

"Es jetzt jetzt um etwas Wichtigeres"

"Das war eine herbe Klatsche", gestand Roth, und es lag ein leichtes Zittern in ihrer Stimme. Das desaströse Ergebnis habe sie in Zweifel und große Zerrissenheit gestürzt. Sie habe am Wochenende "schwere Stunden" durchlebt. Wenn man mit einem so unerwartet schlechten Ergebnis konfrontiert werde, "vermischt sich die intellektuelle Analyse mit Betroffenheit."

Und doch erklärt Roth dann kurz darauf: "Ich werde meine Kandidatur für den Parteivorsitz nicht zurückzuziehen". Etwas anderes hat eigentlich auch niemand erwartet. So schnell geht eine Polit-Karriere eben doch nicht in "Ton, Steine, Scherben", wie im Internet in Anspielung auf Roth frühere Tätigkeit als Managerin der linken Rock-Band schon spekuliert worden war.

"Es geht jetzt in erster Linie nicht um mich und meine Enttäuschung, sondern um etwas Wichtigeres", sagte Roth.

Die Grünen ziehen mit dem erklärten Ziel in den Bundestagswahlkampf, Schwarz-Gelb abzulösen und eine rot-grüne Regierung "mit starken Grünen" zu bilden. Personalquerelen um den Parteivorsitz kämen da ungelegen. Und es gibt bislang auch niemanden, der an der Seite des Co-Vorsitzenden Cem Özdemir die Grünen führen könnte.

Urwahl als Musterbeispiel innerparteilicher Demokratie

Trotz ihrer Niederlage wertet Roth die Urwahl als einen Erfolg und als ein Musterbeispiel innerparteilicher Demokratie. Die knapp 60.000 Parteimitglieder waren aufgerufen gewesen, das Spitzenduo für die Bundestagswahl zu bestimmen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin holte 71,9 Prozent der Stimmen. Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt kam überraschend mit 47,3 Prozent auf Platz zwei. Co-Fraktionschefin Renate Künast hatte 38,6 Prozent erhalten.

Steffi Lemke, Bundesgeschäftsführerin der Grünen, hatte das Ergebnis der Urwahl am Samstag um Punkt zehn Uhr bekannt gegeben - und nur wenige Minuten zuvor auch die vier Spitzen-Grünen informiert. Die elf Kandidaten der grünen Basis hatten bei Urwahl keine entscheidende Rolle gespielt.

Roth sprach anerkennend von einem "klaren Votum" für Trittin und Göring-Eckardt. Sie selbst habe sich jedoch die Frage gestellt, "ob das nötige Vertrauen für mich noch da ist". Das Wochenende verbrachte Roth in Berlin. Sie traf sich mit ihren engsten Mitarbeitern, telefonierte viel. Sie habe lange und intensiv nachgedacht.

"Candystorm" gibt den Ausschlag

Den Ausschlag, sich wieder zur Wahl zu stellen, habe am am Ende der breite Unterstützung aus der gesamten Partei gegeben. Hunderte von Emails hätten sie erreicht, berichtete Roth. Auf Twitter organisierten ihre Unterstützer einen "Candystorm" und forderten sie auf, den Kopf nicht hängen zulassen: Weitermachen! Kämpfen!

"So viel Zuspruch habe ich noch nie erlebt", sagte Roth. Und da klang ihre Stimme schon wieder ganz fest. Aber auch ohne die vielen Mutmacher aus den eigenen Reihen wäre Roth wohl wieder angetreten, dafür liegen ihr die Grünen viel zu sehr am Herzen.

Sie werde sich auf dem Bundesparteitag in Hannover auf jeden Fall zur Wahl stellen, auch wenn sich bis dahin noch eine Gegenkandidatin melden sollte. "Die Partei hat jetzt das Wort", sagte Roth - und verschwand. Gerade einmal 15 Minuten hatte sie gebraucht, um sich zurückmelden.

Quelle: dapd
12.11.12 1:51 min.
In Berlin hat Grünen-Chefin Claudia Roth angekündigt, dass sie auch nach der Schlappe bei der Urwahl erneut für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidieren will.
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