12.11.12

"Nachspielzeit"

Allofs' Gebaren wird immer einen Makel behalten

Werders Manager Klaus Allofs verhandelte hinter dem Rücken seines Klubs mit dem VfL Wolfsburg. Das kostete ihn viel Vertrauen. Auch deshalb ist ein Wechsel zu den Niedersachsen nun endgültig sinnvoll

Von Lars Wallrodt
Foto: dpa
Allofs und Schaaf
Klaus Allofs (vorn) ist seit 1999 Manager des Bundesligaklubs Werder Bremen. Seitdem immer an seiner Seite: Trainer Thomas Schaaf (hinten)

Manchmal ist es besser, zu schweigen, aber das ist im Bundesliga-Business nicht immer möglich. Klaus Allofs jedenfalls wäre wohl lieber zu einer Wurzelbehandlung erschienen als zum Fernsehinterview vor dem Spiel seiner Bremer gegen Schalke 04. Natürlich wusste er, dass "Sky"-Reporter Jens Westen nur über ein Thema mit Allofs sprechen würde: sein bevorstehender Wechsel zum VfL Wolfsburg.

Doch der Manager des SV Werder hatte auch selbst Schuld. Am Donnerstag hatte die "Welt" über das Interesse der Niedersachsen am 55-Jährigen berichtet. Die Meldung machte schnell die Runde, auch andere Zeitungen kamen bei ihren Recherchen zu gleichen Erkenntnissen. Allofs hatte zuvor "Welt"-Reporter Kai Niels Bogena angeblafft, als er ihn auf das Thema ansprach: "Kein Kommentar."

Das ist vollkommen in Ordnung. Wenn jemand nichts sagen will, um gewisse Vorgänge hinter den Kulissen nicht zu gefährden, ist "Kein Kommentar" sogar die beste Antwort. Am selben Nachmittag allerdings fühlte sich Allofs bemüßigt, sich angesichts des zunehmenden Mediendrucks zu äußern. "Mir liegt kein Angebot des VfL Wolfsburg vor. Es hat auch keine Gespräche gegeben. Also muss ich mich mit dem Thema nicht beschäftigen", gab Allofs bekannt.

Allofs ging unklug vor

Das war unklug. Denn an diese Aussage wird er erinnert werden, sollte er in den kommenden Tagen oder Wochen doch beim VfL Wolfsburg unterschreiben. Und angesichts dieser Aussage hat er sich auch wie ein Aal gewunden, als er bei "Sky" nur zu dem einen Thema befragt wurde. "Es bringt jetzt nichts, zu sagen: Was wäre wenn? Wenn irgendetwas passiert, wird es eine Reaktion geben. Aber das ist nicht heute der Fall", sagte Allofs, und: "Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell. Man muss nicht irgendeine Behauptung aufstellen, die man in einigen Wochen wieder zurückdrehen muss. Es gibt im Moment keinen Anlass dafür, so eine Erklärung zu machen."

Natürlich wusste er am Donnerstag wie auch am Samstag längst, dass die Wolfsburger ihn als Nachfolger von Felix Magath auf dem Managersessel sehen wollen. Und vermutlich hatte er sich längst entschlossen zu gehen. Warum er nicht bei seinem "Kein Kommentar" geblieben ist? Weil er von der Entwicklung überrumpelt wurde.

Er hatte in Bremen niemanden ins Vertrauen gezogen – jedenfalls niemand aus dem Aufsichtsrat. Dessen Mitglieder fielen jedenfalls aus allen Wolken. "Wir hoffen, dass Allofs seinen langfristigen Vertrag bei uns erfüllt. Davon gehen wir auch aus, da wir keinen anderen Stand haben", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke am Sonntagabend zu "Sport Bild plus".

Den Makel, hintenherum mit dem Nordrivalen verhandelt zu haben, wird er in Bremen nicht mehr los werden. Auch deshalb ist ein Wechsel zum VfL nun endgültig sinnvoll. Etwas mehr Respekt hätte Werder nach 13 Jahren Zusammenarbeit allerdings verdient gehabt.

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    Nein, denn durch seinen Wechsel werden die verkrusteten Strukturen bei Werder aufgebrochen

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