10.11.12

Spitzenkandidaten

"Grün oder Merkel" mit Mutter Teresa und Darth Vader

Es war der erste Auftritt des grünen Spitzenduos: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin skizzierten die Strategie bis zur Wahl 2013. Doch vor allem wurde über zwei gesprochen, die nicht da waren.

Von Claudia Ehrenstein
Foto: Reuters

Die erste gemeinsame Pressekonferenz: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt
Die erste gemeinsame Pressekonferenz: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt

Es war der erste Auftritt des neuen Grünen-Spitzenduos: Fraktionschef Jürgen Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt kamen zur gemeinsamen Pressekonferenz in die Uferhalle 1 im Berliner Wedding. Dort, wo drei Stunden zuvor das Ergebnis der Urwahl verkündet worden war, wurden sie nun mit wohlwollendem Applaus begrüßt, erhielten jeder einen Blumenstrauß – mit Sonnenblumen selbstverständlich. Souverän lächelnd traten sie ans Rednerpult. "Mutter Teresa und Darth Vader", wie böse Zungen im Internet schon gespottet haben sollen.

Göring-Eckardt bedankte sich eher höflich bei der Basis für die Wahl und den Vertrauensvorschuss. Eine Freude, die aber auch mit hoher Verantwortung verbunden sei. Göring-Eckardts Wahl zur Spitzenkandidatin kam für viele in der Partei völlig überraschend. "Es geht jetzt um Grün oder Merkel", sagte sie.

Damit haben die Grünen ihren Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013 eröffnet. Sie wollen eine gerechtere, eine menschlichere Gesellschaft. Gerechtigkeit, Mindestlohn, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gleichberechtigung von Mann und Frau. Göring-Eckardt wollte gar nicht wieder aufhören. Und Trittin wirkte schon ganz unruhig, weil er nicht zu Wort kam.

Zwei Personen fehlten

Die beiden Spitzenkandidaten hatten erst am Morgen von ihrem Sieg erfahren, nur kurz bevor bevor die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, das Ergebnis der Urwahl bekannt gegeben hatte. "Wir haben uns eine Stunde gefreut, und hatten dann zwei Stunden Zeit, uns auf die Pressekonferenz vorzubereiten", scherzte Göring-Eckardt.

Zwei Personen jedoch fehlten bei dieser Pressekonferenz: Fraktionschefin Renate Künast und Parteichefin Claudia Roth. Sie waren bei der Urwahl unterlegen und hatten es nicht ins Spitzenteam geschafft. Erst auf Nachfrage der Journalisten versicherte Göring-Eckardt, dass beide selbstverständlich für den Wahlkampf gebraucht würden.

Und Trittin sagte, dass er mit Künast bereits telefoniert habe. Er habe mit Künast gerade deshalb stets so gut zusammengearbeitet, "weil wir miteinander reden, aber nicht mit anderen darüber reden, was wir besprochen hätten". Auch der Frage, ob er Roth auffordere, trotz der Niederlage bei der Urwahl am kommenden Wochenende wieder zur Wahl als Parteivorsitzende anzutreten, wich Trittin aus: "Ich wünsche, dass es klare und gute Ergebnisse für diejenigen gibt, die kandidieren."

Ziel: Merkel ablösen

Viel lieber verwies Trittin auf die Erfolge der Grünen: "Mit der Urwahl haben wir Parteigeschichte geschrieben." Jetzt erwarteten die Wähler, dass es den Grünen gelinge, die schlechteste Regierung aller Zeiten abzulösen. Die Zielmarke laute: eine besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl 2009 und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ablösen.

Kurz vor 14 Uhr hatten Göring-Eckardt und Trittin die Uferhalle dann schon wieder verlassen. Am Nachmittag wollten sie sich noch besprechen, wie es nun in den kommenden Tagen weitergehen soll. Für den Abend plant Trittin einen Besuch im Deutschen Theater, wo er sich das Stück "Demokratie" anschauen will. Göring-Eckardt will sich im Fernsehen einen James-Bond-Film anschauen.

Jürgen Trittin hatte bei der Urwahl zur Spitzenkandidatur 71,93 Prozent erhalten, Katrin Göring-Eckardt kam auf 47,31 Prozent. Renate Künast erreichte 38,56 und Claudia Roth 26,18 Prozent. Von den elf grünen Basis-Männern, die sich zur Wahl gestellt hatten, schnitt der Student Patrick Held mit 2,4 Prozent am besten ab.

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