10.11.12

Kindle Fire und iPad

Was die Herstellung eines Tablets wirklich kostet

Die Produktion von Amazons Kindle Fire HD und Apples iPad mini ist laut Studie ungefähr gleich teuer. Beim Verkaufspreis schlägt Apple dagegen richtig zu – möglich, dass sich das bald rächt.

Foto: INFOGRAFIK WELT AM SONNTAG

Die Kosten in der Herstellung verschiedener Tablet-PCs
Die Kosten in der Herstellung verschiedener Tablet-PCs

Der Umstand als solcher ist Branchen-Beobachtern nicht neu: Das Onlineversandhaus Amazon verfolgt beim Verkauf seiner Tablet-Computer eine ganz andere Strategie als die Konkurrenz. Während Apple und Co. versuchen, beim Verkauf der Hardware ihre Gewinnspanne zu maximieren, setzt Amazon auf Masse.

Das neue Modell Kindle Fire HD soll möglichst häufig verkauft werden, darum wird es günstig angeboten; im Gegenzug, so das Kalkül von Konzernchef Jeff Bezos, werden umso mehr Menschen das Gerät als Einkaufswagen nutzen und bei Amazon shoppen.

Radikal unterschiedliche Strategien

Wie radikal unterschiedlich die Strategien sind, zeigen nun Berechnungen der amerikanischen Marktforschungsfirma IHS iSupply. Danach kosten das Kindle Fire HD und das neueste Apple-Produkt, der iPad mini, in der Herstellung etwa gleich viel: Apple verbaut Komponenten im Wert von 188 Dollar, hinzu kommen Herstellungskosten von zehn Dollar.

Verkauft wird das Gerät in den USA für 329 Dollar (plus Mehrwertsteuer) und hierzulande für 329 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) – mindestens. Amazon gibt pro Gerät 165 Dollar für Material aus sowie neun Dollar für die Herstellung – und verlangt 199 Dollar beziehungsweise 199 Euro.

Während bei Amazon das Material 83 Prozent des Endverkaufspreises ausmacht, liegt der Anteil bei Apple nur bei 57 Prozent – und beim Surface RT von Microsoft nur bei 45 Prozent.

Schleppender Verkauf der neuen Tablets

Wie sehr Apple die Premiumstrategie ausreizt, zeigt sich bei Speichern. Wenn ein Gerät nicht mit einem 16-Gigabyte-Speicher ausgerüstet wird, sondern mit 32 oder 64 Gigabyte, dann kostet das Apple im Einkauf 9,60 beziehungsweise 19,20 Dollar zusätzlich; im Laden aber werden für aufgerüstete Geräte 100 beziehungsweise 200 Euro mehr verlangt.

Möglich, dass Apple langsam überzieht. Der Verkauf der neuen Tablets läuft schleppender an als erwartet. Und der Euro-Kurs der Apple-Aktie fiel seit Mitte September um mehr als 20 Prozent.

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Jeff Bezos und Amazon
  • Der Unternehmer

    Jeff Bezos, 1964 in Albuquerque im amerikanischen Bundesstaat New Mexico geboren, studierte an der Princeton University Computerwissenschaften und Elektrotechnik. Er arbeitete als Programmierer bei einem Mobilfunkbetreiber, bevor er beim Hightech-Investment-Unternehmen D. E. Shaw zusammen mit Gründer David Shaw die Idee für den Onlinehändler Amazon entwickelte. Für diese Idee kürte ihn „Time“ 1999 zum „Mann des Jahres“. Heute wird sein Vermögen auf gut 23 Milliarden Dollar geschätzt. Einen Teil davon investierte Bezos in sein eigenes Raumfahrtunternehmen, Blue Origin, das an einem bemannten Raumschiff arbeitet. Auch ein weiteres Investment ist eher nicht auf kurzfristige Gewinne ausgelegt: 2007 steckte Bezos 42 Millionen Dollar in die „Clock of the Long Now“ – ein gigantisches Uhrenkunstwerk, das in einer Höhle in Texas gebaut wird und die nächsten zehntausend Jahre exakt messen soll. Bezos ist verheiratet und hat zwei Söhne.

  • Die Offensive

    Bezos will Amazon zum weltgrößten Dienstleister für Inhalte und Netzarchitektur machen – Produzenten und Konsumenten von Medien und digitalen Gütern sollen über seine Server, seine Website, seine Hardware zusammenfinden. Dafür lässt Bezos nicht nur Geräte wie den Kindle entwerfen, er hat auch die Infrastruktur für das Web 2.0 geschaffen: Autoren können über Amazon E-Books publizieren, Filmemacher und Musiker Werke über die Server Streams veröffentlichen. Unternehmen können über Amazons Webservices Rechenleistung und Speicherplatz mieten. Inzwischen verkauft Amazon mehr E-Books als gedruckte Bücher, seine Tablets haben sich im Schatten von Apples iPad einen US-Marktanteil von 22 Prozent erobert.

  • Die Defensive

    Mit der Online-Expansion will Bezos nicht zuletzt auch die sinkenden Margen im angestammten Versandgeschäft kompensieren. Hier wird der Wettbewerb mit dem Einzelhandel immer härter. Amazon bietet daher inzwischen sogar Lieferungen am Tag der Bestellung an. Außerdem integrierte das Unternehmen einen Barcode-Scanner in seine Mobilfunk-App. Damit können die Kunden direkt im Laden Preise vergleichen. Gleichzeitig versuchen zum Beispiel die deutschen Buchhändler, mit Buy-local-Aufrufen die Kunden zur Loyalität mit ihren Geschäften aufzurufen. In Deutschland steht Amazon zudem wegen der Arbeitsbedingungen und der Löhne seiner Mitarbeiter in seinen Versandzentren in der Kritik der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

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