10.11.12

Bernd Buchholz

"Die FDP hat viel Positives bewirkt"

Der ehemalige Vorstandschef von Gruner und Jahr, Bernd Buchholz, will in den Bundestag – für die FDP. Ein Gespräch über Abfindungen, Honorare, Neid und seine Zukunft bei den gebeutelten Liberalen.

Foto: picture alliance / dpa

Bernd Buchholz war bis September 2012 Vorstandschef des Verlagshauses Gruner und Jahr
Bernd Buchholz war bis September 2012 Vorstandschef des Verlagshauses Gruner und Jahr

Das ging zügig. Acht Wochen hat Bernd Buchholz benötigt, um seinen erzwungenen Abschied von der Spitze des Verlagshauses Gruner + Jahr zu verkraften. Dann waren die neuen Pläne fertig. Buchholz will für den Bundestag kandidieren, im März soll ihn die schleswig-holsteinische FDP für Platz zwei der Landesliste nominieren, gleich hinter Wolfgang Kubicki.

Berliner Morgenpost: Warum tun Sie sich das an, Herr Buchholz?

Bernd Buchholz: Weil ich Lust dazu habe. Ich möchte nach einer langen und sehr schönen Zeit bei Gruner und Jahr wieder zurück ins politische Geschäft, um Einfluss zu nehmen.

Berliner Morgenpost: Und dazu steigen Sie ausgerechnet auf ein totes Pferd?

Buchholz: Na, hören Sie mal. Die FDP ist quicklebendig. Dafür stehe ich auch mit meiner Kandidatur. Auf der Zuschauertribüne zu hocken und sich das politische Geschehen mehr oder weniger gelangweilt anzuschauen, ist jedenfalls keine gute Alternative. Und der Liberalismus ist eine Grundidee, mit der ich mich seit meinem 18. Lebensjahr identifiziere.

Berliner Morgenpost: Liberale Positionen gibt es auch in der CDU.

Buchholz: Und in der SPD. Und bei den Grünen. Aber die Grundidee von Freiheit und Verantwortung wird eben nicht von den Sozialdemokraten oder der Union oder den Grünen verkörpert oder gar gelebt. Sondern von der FDP. Es lohnt sich dafür zu kämpfen, dass diese liberale Partei auch im nächsten Bundestag vertreten sein wird.

Berliner Morgenpost: Finden Sie, dass die FDP die liberalen Positionen in der laufenden Legislaturperiode gut vertreten hat?

Buchholz: Jedenfalls hat Sie viel Positives bewirkt. Schauen Sie sich doch in Europa um. Schauen Sie sich Frankreich an. Dann muss man sagen, dass die Bundesregierung offenbar deutlich besser mit der Finanzkrise umgegangen ist, dass unsere Wirtschaft sich besser auf die Globalisierung eingestellt hat. Und das beruht nicht nur, aber auch auf den Rahmenbedingungen, die die schwarz-gelbe Koalition gesetzt hat. Und auf die die FDP maßgeblich Einfluss genommen hat.

Berliner Morgenpost: Genutzt hat das wenig. Wie muss sich die FDP inhaltlich aufstellen, um aus Ihrem Vierprozentloch herauszukommen?

Buchholz: Sie muss sich breiter aufstellen. Die FDP hat sich zuletzt programmatisch zu sehr verengt. Wir haben uns zu lange auf Wirtschafts- und Steuerfragen beschränkt, auf ein paar holzschnittartige Botschaften, auf die wir dann prompt reduziert worden sind. Zum Liberalismus gehört mehr. Auch die Erkenntnis, dass einfache Botschaften häufig nicht dazu geeignet sind, komplexe Zukunftsfragen zu beantworten.

Berliner Morgenpost: Hört sich nach Öffnung zu den Sozialdemokraten an.

Buchholz: Das sind Farbenspiele, die Journalisten mögen. Mache ich nicht mit.

Berliner Morgenpost: Aber mit Herrn Steinbrück kommen Sie schon hin, oder?

Buchholz: Ich kenne Peer Steinbrück noch aus dem Kieler Landtag. Das ist ein guter Mann.

Berliner Morgenpost: Der im Moment vor allem mit seinen Honoraren zu kämpfen hat.

Buchholz: Das ist in der Tat eine abenteuerliche Diskussion. Dass ein Mann wie Steinbrück sich jetzt über fünf Wochen für seine Nebeneinkünfte rechtfertigen muss, statt sich mit politischen Inhalten zu befassen! Das steht exemplarisch für die teilweise absurden Politik-Ersatzdebatten, die wir führen. Und es ist Ausdruck einer Neidkultur, die ich völlig daneben finde.

Berliner Morgenpost: Und dieser Unkultur setzen Sie sich jetzt freiwillig wieder aus? Sie haben doch mit einem Ausstieg bei Gruner und Jahr mehr verdient als Steinbrück mit Dutzenden Vorträgen und sämtlichen Büchern.

Buchholz: Ja. Ich bin erfolgreich gewesen und habe dabei sehr ordentlich verdient. Das verschafft mir die persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit, die man manchmal benötigt, um genau das zu sagen, was man denkt.

Berliner Morgenpost: Wenn Sie so erfolgreich waren, warum mussten Sie dann gehen?

Buchholz: Darüber kann und will ich hier nicht reden. Ich habe schließlich eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben. Und daran halte ich mich.

Berliner Morgenpost: Andernfalls wäre das schöne Geld ja auch wieder futsch.

Buchholz: Es gibt nun mal Situationen, in denen Gesellschafter und Vorstandschef eines Unternehmens zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, sich zu trennen.

Berliner Morgenpost: Hat Sie die zuweilen extrem FDP-kritische Haltung des Verlagsflaggschiffs "Stern" sehr genervt"?

Buchholz: Ich habe es nie als meine verlegerische Aufgabe empfunden, unseren Redaktionen diese oder jene Meinung vorzuschreiben, sondern die Meinungsfreiheit unserer Journalisten zu gewährleisten. Ich gebe aber zu, dass ich mich gelegentlich maßlos geärgert habe.

Berliner Morgenpost: Jedenfalls passt ihre Kandidatur zum alten Klischee: FDP gleich Partei der Besserverdiener.

Buchholz: Es mag sein, dass ich dieses Klischee vordergründig bediene. Aber ich werde mich als ehemaliger Wirtschafts-Manager auf keinen Fall darauf beschränken, ausschließlich Wirtschaftsfragen zu debattieren. Das läge auch nicht im Interesse der FDP. Wenn es in Deutschland eine Gerechtigkeitsdebatte gibt – und die gibt es – dann müssen wir als Liberale dafür auch Antworten geben.

Berliner Morgenpost: Zum Beispiel die Abschaffung der Praxisgebühr. Ein großer Coup?

Buchholz: Natürlich ist es gut, eine Maßnahme, die den gewünschten Steuerungseffekt nicht gebracht hat, sondern nur zusätzliche Bürokratie, wieder abzuschaffen. Aber das ist es natürlich nicht alleine. Liberale müssen auch Bürgerrechte und Grundfreiheiten verteidigen. Und sie stehen natürlich auch für eine liberale Wirtschaftsordnung.

Berliner Morgenpost: Wo ist es eigentlich ungemütlicher: In der Wirtschaft oder in der Politik?

Buchholz: Das nimmt sich nicht viel. Der Unterschied ist vielleicht, dass die Politik zu jedem Zeitpunkt und aus jeder denkbaren Richtung ausgeleuchtet wird. Jede noch so kleine Idee, jede interne Diskussion steht gleich in der Zeitung. In einem Unternehmen hat man dagegen tatsächlich noch die Chance, interne Dinge erst einmal im Hinterzimmer zu diskutieren. In der Politik ist alles öffentlich.

Berliner Morgenpost: Aber das gefällt Ihnen ja ganz gut, oder?

Buchholz: Ich scheue das Rampenlicht nicht.

Berliner Morgenpost: Philipp Rösler findet es vermutlich gerade in der Politik ungemütlicher. Was macht er falsch?

Buchholz: Glauben Sie, dass ich hier jetzt Noten verteile? Das werde ich nicht tun. Das steht mir auch nicht zu.

Berliner Morgenpost: Was passiert, wenn die Niedersachsen-Wahl im Januar für die FDP verloren geht?

Buchholz: Das wäre nicht schön für die FDP.

Berliner Morgenpost: Es gibt Menschen in Ihrer Partei, die sehen Sie dann schon als Aushilfswirtschaftsminister für den Rest der Legislaturperiode. Könnten Sie das?

Buchholz: Um Gottes Willen. Ich habe erklärt, dass ich mich um ein Bundestagsmandat bewerben will. Alles andere ist Unfug.

Berliner Morgenpost: Meine Frau sagt, Sie wollen mit Sicherheit irgendwann FDP-Chef werden?

Buchholz: Es steht doch noch nicht einmal fest, ob mich die schleswig-holsteinische FDP als Bundestagskandidaten nominiert. Das ist völlig ungewiss. Aber wenn ich irgendwo antrete, will ich natürlich gewinnen. Das ist auch klar.

Berliner Morgenpost: Sollte besser Christian Lindner den Parteivorsitz übernehmen?

Buchholz: Das Personalkarussell zu befeuern, ist zwar manchmal nötig, aber ich bin dafür erst einmal nicht die geeignete Person.

Berliner Morgenpost: Und wenn es am Ende nicht klappt mit dem Bundestag?

Buchholz: Dann bricht die Welt auch nicht zusammen.

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