09.11.12

SPD-Chef Gabriel

"Steinbrück mit möglichst viel Schmutz beworfen"

Sigmar Gabriel platzt der Kragen: Der SPD-Vorsitzende beklagt die Angriffe auf Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – und sieht in Deutschland bereits "amerikanische Verhältnisse" aufziehen.

Von Karsten Kammholz und Jochen Gaugele
Foto: dapd

Der SPD-Chef: Sigmar Gabriel beklagt die „heuchlerische Debatte“ um die Nebeneinkünfte Peer Steinbrücks
Der SPD-Chef: Sigmar Gabriel beklagt die "heuchlerische Debatte" um die Nebeneinkünfte Peer Steinbrücks

Vor dem Hintergrund sinkender Umfragewerte hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel vermeintlich unfaire Angriffe auf den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück beklagt. Die Gegner der SPD versuchten, "mit möglichst viel Schmutz auf Steinbrück zu werfen, in der Hoffnung, dass möglichst viel davon hängen bleibt", sagte Gabriel der "Welt".

Dies sei "ein Zeichen, dass langsam amerikanische Verhältnisse auch in deutschen Wahlkämpfen Einzug halten".

Die SPD ist in Aufregung, weil der "Deutschlandtrend" alarmierende Zahlen ergeben hatte. In der Umfrage verlor Steinbrück dramatisch an Ansehen. Während Merkel weiterhin die beliebteste Politikerin ist, stürzte Steinbrück auf den sechsten Platz ab. In dieser Rangliste trennen Steinbrück und Merkel inzwischen 18 Punkte.

Und auch die Partei bekommt das spüren. Die Debatte um die Nebentätigkeiten hat den Nominierungseffekt komplett verpuffen lassen. In der Sonntagsfrage erreicht die SPD nur noch 30 Prozent und liegt damit zehn Prozentpunkte hinter CDU/CSU.

Steinbrück spricht von "Neidkomplexdebatte"

Steinbrück selbst gibt die Schuld am Abrutschen den Medien und warf Journalisten eine "Neidkomplexdebatte" vor. "Einige Medienvertreter" hätten versucht, "einen Geruch zu legen auch über die Tatsache dass ich erfolgreich Bücher geschrieben habe", sagte Steinbrück im Deutschlandfunk.

Man habe ganz gezielt seine Integrität treffen wollen. "Das kann ich nicht akzeptieren", betonte Steinbrück. "Das war eine Welle", sagte er weiter, von der er den "Eindruck habe, da kippt etwas".

Gabriel nannte die Nominierung Steinbrücks eine "gute Entscheidung". "Niemand kämpft so engagiert für die Bändigung der Finanzmärkte wie Peer Steinbrück. Deshalb ist er der richtige Kanzler", sagte er. Gabriel betonte, dass es die Troika aus Steinbrück, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und ihm selbst weiter gebe. Wo es passe, würden die drei auch im Bundestagswahlkampf gemeinsam auftreten. "Vor allem aber bleibt die Troika das strategische Zentrum der SPD", sagte er.

Debatte "sehr heuchlerisch geführt"

Die Debatte um Steinbrücks Nebeneinkünfte werde von CDU/CSU und FDP "sehr heuchlerisch geführt", beklagte Gabriel. Erst werde die Offenlegung der Vortragshonorare von Steinbrück gefordert. "Und als er das tut und die SPD beantragt, dass dies in Zukunft bei allen Abgeordneten passieren muss, lehnt die Koalition das im Bundestag ab", kritisierte er.

"Wer das so vehement verweigert, darf sich nicht wundern, wenn der Verdacht in der Bevölkerung keimt, dass der Lobbyisteneinfluss bei Union und FDP so groß ist, dass dort das Licht der Öffentlichkeit gescheut wird." Für die SPD sei klar, dass jeder Bürger ein Anrecht darauf habe "zu wissen, von wem Abgeordnete Geld bekommen und wofür".

Gabriel bekräftigte seine Zusage, dass das Regierungsteam der SPD mindestens zur Hälfte aus Frauen bestehen werde. "Peer Steinbrück sieht das genauso", betonte der Parteichef. "Wir haben eine Menge kluger und engagierter Frauen, denken Sie nur an Manuela Schwesig im Bereich der Familien- und Sozialpolitik."

Lesen Sie morgen das große Interview mit SPD-Chef Gabriel in der "Welt"

Quelle: mit dpa/dapd/ecb
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