09.11.12

5 Jahre Apple-Handy

Wie das iPhone die Smartphone-Revolution auslöste

Am 9. November 2007 erschien das iPhone in Deutschland und krempelte den Handy-Markt um. Mittlerweile ist der große Zauber verflogen. Die Konkurrenz hat sich berappelt. Ein Rück- und Ausblick.

Foto: Computer Bild

2007: iPhone 1:
Das erste iPhone besaß ein Gehäuse mit Alu-Rückseite, weshalb Fans ihm den Namen „Silberrücken“ verliehen. An Bord: eine Zwei-Megapixel-Kamera und ein 3,5-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 480x320 Pixel. Technisch blieb das iPhone 1 ansonsten hinter der Konkurrenz zurück. Zwar gab es einen Touchscreen und viele Apps, doch auf UMTS mussten die Kunden verzichten.

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Im Vorfeld der IT-Messe "Macworld 2007" brodelte die Gerüchteküche. Würde Steve Jobs († 2011) im Rahmen der traditionellen Eröffnungsrede (Keynote) Großes verkünden? Und tatsächlich: Nachdem der damalige Apple-Boss das Auditorium mit ein paar eher unwichtigen Neuigkeiten versorgt hatte, kam der Paukenschlag.

Jobs holte ein Smartphone aus der Hosentasche, das auf der Vorderseite nur eine Taste besaß und sich fast vollständig per Fingergesten bedienen ließ. Die Fans im Saal rasteten aus, den Bossen der Handy-Unternehmen dürfte in dem Moment mulmig geworden sein. Was Jobs zeigte, war ein Meilenstein in der Smartphone-Entwicklung; die Branche hatte zu dem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges auf der Pfanne.

Konkurrenz zunächst in Schockstarre

Das iPhone versetzte den Handymarkt in helle Aufregung. Praktisch über Nacht schwang sich Apple zum Trendsetter in einem Segment auf, in dem das Unternehmen bislang nicht präsent war. Die Konkurrenz musste reagieren, den von Apple klammheimlich herausgeholten Technologievorsprung aufholen.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Hersteller redeten entweder die Chancen für das iPhone klein oder versuchten krampfhaft, mit eigenen Touchscreen-Modellen aufzuholen. Das gelang in den Folgejahren nur bedingt, denn die etablierten Smartphone-Betriebssysteme wie "Symbian" oder "Windows Mobile" waren für die Touchscreen-Nutzung ungeeignet.

Folge: Marktanteile gingen flöten. Seit Jahren kämpfen ehemalige Platzhirsche wie Nokia, Motorola und RIM um einen Platz an der Sonne – bislang vergeblich.

Zweikampf: Apple vs. Samsung

Studien und Verkaufszahlen zeigen, dass vor allem ein Unternehmen es geschafft hat, Apple Paroli zu bieten: Samsung erkannte die Zeichen der Zeit und setzte nach dem Erscheinen des iPhones auf ähnlich gestylte Modelle und auf das von Google entwickelte "Android"-Betriebssystem.

Geräte wie der Bestseller "Galaxy S3" beweisen, dass Samsung seine Hausaufgaben gemacht hat. Dagegen kämpfen andere Hersteller wie Nokia, Motorola und RIM (Blackberry) weiterhin schlechte Absatzzahlen.

iPhone heute: Ein Smartphone unter vielen

So gut und faszinierend das iPhone auch in den ersten Jahren gewesen sein mag: Die Luft für Apple wird dünner. Die Konkurrenz (allen voran Samsung) hat sich vom 2007er-Schock erholt und bietet mittlerweile zum Teil bessere Geräte an.

Dazu kommt, dass die Android-Allianz mittlerweile den Markt beherrscht. Akutellen Zahlen zufolge sind 75 Prozent aller neu verkauften Smartphones Geräte mit Android. Und mit Geräten wie dem "Nexus 4" von LG dreht Google auch gewaltig an der Preisschraube – und setzt die Branche mit Dumpingpreisen unter Druck.

Fest steht auch: Der ganz große Zauber ist verflogen. Apple zeigt zwar jedes Jahr ein neues iPhone-Modell, aber so richtig vom Hocker haut das Gerät die Kunden nicht mehr. Vielmehr liefert Apple genau das, was der Markt vorgibt, zuletzt ein Smartphone mit größerem Display und LTE. Man darf gespannt sein, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickelt.

Sollte Apple es nicht schaffen, wieder ein Smartphone zu entwickeln, das die Welt in Erstaunen versetzt, dürften die besten Zeiten für das Unternehmen erst einmal vorbei sein.

Mehr zum Thema:

Diese Apps dürfen auf keinem iPhone fehlen

Quelle: Computer Bild. Mehr Tests bei computerbild.de.

Darum ist das iPhone so erfolgreich

Ergonomie

Anschaulich führte Steve Jobs vor, warum die bislang verfügbaren Smartphones nicht optimal konstruiert waren. Ein Drittel der nutzbaren Gehäuseoberfläche nahm damals immer die physische Tastatur ein, über der sich ein Mini-Bildschirm befand. Nachteil: Die statisch angeordneten Tasten passten sich nicht den Bedürfnissen der jeweils genutzten Software an. Deshalb setzte Apple auf den Touchscreen, auf dessen Oberfläche sich für jede App eine optimale Steuerung abbilden lässt.

Hardware

Neben der Touchscreen-Bedienung überzeugte das iPhone von Beginn an mit starker Hardware. So wachen im Innern des Apple-Smartphones mehrere Sensoren unter anderem darüber, ob Sie das Gerät hochkant oder quer halten und richten die Bildschirmansicht entsprechend aus. Annäherungssensoren sorgen dafür, dass Sie beim Telefonieren nicht versehentlich einen Befehl ausführen, Bewegungssensoren reagieren auf eine Drehung beziehungsweise auf die Neigung des iPhones – perfekt unter anderem für Spiele.

Software

Ein Kritikpunkt von Apple an den bis dato verkauften Smartphones: die Software. Bei den meisten Programmen handelte es sich zumeist um stark eingeschränkt nutzbare oder abgespeckte Applikationen; Steve Jobs bezeichnete sie im Rahmen der 2007er-Keynote als "Baby-Software". Das iPhone setzte von Beginn an auf ein vollwertiges Betriebssystem, nämlich eine auf die mobile Nutzung optimierte Version von "Mac OS X", die zunächst "iPhone OS" und später "iOS" getauft wurde. Vorteil: OS-X-Programme lassen sich vergleichsweise einfach auf die iOS-Plattform portieren und umgekehrt. Von Anbeginn war eine reibungslose Kommunikation des iPhones mit Desktop-Software (etwa iTunes) möglich.

Bedienung

Die Bedienung eines Geräts soll auch dem Laien intuitiv und ohne vorheriges Handbuch-Studium möglich sein. Das iPhone erfüllt diese Voraussetzung perfekt. Nach kurzer Zeit hat jeder Benutzer das Smartphone im Griff.

Apple-Faktor

Ein neues Produkt aus Cupertino sorgt stets für Aufmerksamkeit. Das war schon beim ersten Macintosh-Computer, beim iPod und beim All-in-One-PC iMac der Fall. So war es kein Wunder, dass auch das iPhone Aufsehen erregte. Apple-Produkte gelten als schick, hochwertig und elegant oder anders ausgedrückt: sexy. All diese Faktoren besaß und besitzt das iPhone.

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