08.11.12

Gerhard Tremmel

Ein deutscher Torwart macht in England Karriere

Lange Zeit saß Gerhard Tremmel bei Swansea City nur auf der Bank, doch nun hütet der 33-Jährige das Tor der Waliser und macht seine Sache blendend. Zuletzt trotzte er dem FC Chelsea ein Remis ab.

Von Mischa Karth
Foto: pa/Back Page Ima
Capital One Cup - FC Liverpool v Swansea City
Gerhard Tremmel pariert einen Schuss im Liga-Pokal-Spiel gegen den FC Liverpool

Ruhe und Gelassenheit: Diese Eigenschaften lobte Brendan Rodgers, ehemaliger Trainer von Swansea City, besonders an Gerhard Tremmel. Und dass er "mit präzisen Pässen das Spiel eröffnen kann." Keine schlechten Attribute für einen Torwart. Für Brendan Rodgers auf jeden Fall gut genug, um Tremmel im Sommer 2011 von seinem damaligen Verein RB Salzburg ablösefrei auf die Insel zu holen.

Unverhoffter Einsatz

Gelegenheit, seine Ruhe und Gelassenheit beim Premier-League-Klub aus Swansea unter Beweis zu stellen, hatte der Schlussmann seitdem zur Genüge – allerdings nur im Training. Stattdessen musste sich der 33-Jährige in Geduld üben, an Stammtorwart Michael Vorm gab es lange kein Vorbeikommen. Der Niederländer hielt stark, Tremmel blieb nur der Platz auf der Bank.

Doch dann kam sie, die Chance für den Routinier. Vorm musste im Spiel gegen Manchester City nach gut einer Stunde beim Stand von 0:1 mit einer Leistenverletzung ausgewechselt werden, Ersatzmann Tremmel blieb praktisch keine Zeit, sich in klirrender Kälte warmzumachen. Das Spiel ging zwar verloren, doch Tremmel hatte einen gelungenen Einstand: Er kassierte bis zum Abpfiff keinen Treffer.

Zwar sprach Tremmel hinterher von einem "schlechten Gefühl", aufgrund der Verletzung eines Mitspielers diese Chance erhalten zu haben, doch zugleich witterte er seine Gelegenheit: "Ich bin nach Swansea gekommen, um zu zeigen, was ich kann."

Gleich ein Sieg in Liverpool

Was folgte, waren zwei Einsätze über 90 Minuten, und zwar nicht gegen irgendwen: Titelverteidiger Liverpool wurde im Pokal mit einem 3:1 an der legendären Anfield Road aus dem Wettbewerb geworfen, anschließend trotze das walisische Team im heimischen Liberty Stadium dem FC Chelsea ein 1:1 ab.

Die Ereignisse überschlugen sich für Tremmel, so sehr, dass der Schlussmann erst dieser Tage ein wenig Zeit findet, um durchzuschnaufen. "Die letzte Woche war schon ziemlich anstrengend. Ich hatte überhaupt keine Zeit, mal darüber nachzudenken", sagte er der "Welt": "Aber das ist eben Teil des Geschäfts."

"Man muss sich immer wieder neu beweisen"

Tremmel hütete in der Bundesliga unter anderem für Energie Cottbus und Hertha BSC das Tor, zudem vermieste er Bayer Leverkusen 2000 mit Unterhaching im entscheidenden letzten Spiel mit guten Paraden die Meisterschaft. Angesprochen auf seine Stärken, sagt Tremmel: "Diese ruhige Art, das bin ich eben."

Dass ihm die Erfahrung aus 125 Bundesliga- und 63 Zweitligaspielen dabei hilft, mit der neuen Situation fertig zu werden, glaubt er nicht: "Man muss sich immer wieder neu beweisen." Dazu hat Tremmel nun weiterhin Gelegenheit – Vorm wird noch mehrere Wochen ausfallen.

Liverpool und Arsenal warten

Momentan liegt Swansea im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. "Das ist natürlich positiv, dass wir nicht hinten drinstehen." Doch Tremmel mahnt: "Man muss sich jeden Punkt verdienen und immer 100 Prozent geben, sonst ist man schnell hinten drin." Das macht der gebürtige Münchner auch am anderen Rhythmus der Premier League fest, die mit ihren 20 Teams größer ist als die Bundesliga.

"Wir haben keine Winterpause", sagt Tremmel, "es geht hier Schlag auf Schlag. In den ersten Spielen gab es teilweise noch kuriose Ergebnisse. Die Liga fängt jetzt an, an Qualität zu gewinnen." In den nächsten Wochen warten unter anderem erneut der FC Liverpool, der FC Arsenal und Newcastle United auf Swansea. Keine leichten Gegner und mit Sicherheit einiges an Arbeit für Tremmel.

"Ein Traum geht in Erfüllung"

Tremmel hat die Chance im Herbst seiner Karriere noch einmal bekommen, und das an ganz besonderer Stelle. "Ich hab immer mit einem Auge auf die Premier League geschaut. Es ist schade, dass es nicht früher geklappt hat", sagt er mit ein wenig Wehmut. "Aber ich bin super froh, jetzt hier sein zu dürfen. Das ist für mich ein Traum, der in Erfüllung geht."

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