25.10.12

Blutzucker

Diabetes-Diagnose bei Neugeborenen erleichtert

Eine Blutanalyse erkennt die Risiko-Gene für die erbliche Form der Zuckerkrankheit. Wenn sie eines Tages flächendeckend zum Einsatz kommen könnte, wäre eine rechtzeitige Impfung denkbar.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Kinder mit Diabetes lernen von Kleinauf den unvermeidlichen Pieks zur Blutzuckermessung kennen
Kinder mit Diabetes lernen von Kleinauf den unvermeidlichen Pieks zur Blutzuckermessung kennen

Mit einem neuen Test lässt sich Diabetes Typ 1 zukünftig schon bei Neugeborenen nachweisen. Die von deutschen Forschern entwickelte Methode erkennt anhand einer Blutprobe, wie viele Risiko-Gene der Säugling trägt. Daraus lässt sich ableiten, wie wahrscheinlich es ist, dass das Kind später einmal an dieser angeborenen Form der Zuckerkrankheit erkranken wird.

Der neue Test trage dazu bei, gefährdete Kinder zukünftig schon sehr frühzeitig erkennen und behandeln zu können, berichten Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung und ihre Kollegen im Fachmagazin "Genes and Immunity".

Bei Diabetes Typ 1 greift die Immunabwehr die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie nach und nach. In den letzten Jahren wurden zwölf Genvarianten entdeckt, die an der Entstehung dieser Autoimmunerkrankung beteiligt sind. "Jede einzelne Genvariante steigert das Erkrankungsrisiko jedoch nur um wenige Prozentpunkte", sagt Ziegler.

Höheres Risiko für Kinder und Geschwister

Weil diese Gene vererbt werden, haben Kinder, deren Eltern oder Geschwister an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, ein höheres Risiko. Eine konkrete Vorhersage, welches Kind aufgrund der erblichen Belastung tatsächlich erkrankt, sei bisher allerdings nicht möglich gewesen, sagen die Forscher.

Um die Genauigkeit der Vorhersage zu erhöhen, hat das Forscherteam nun alle zwölf bekannten Risiko-Gene in einem Test zusammengefasst. Dieser kann bereits im Neugeborenenalter durchgeführt werden. Die Experten benötigen dafür lediglich einen Blutstropfen aus der Ferse des Babys. Trägt ein Neugeborenes alle zwölf Gene, ergebe der Test einen Wert von 24 und damit eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Kind erkrankt.

Wie genau der Test ist, haben die Wissenschaftler mithilfe der sogenannten Babydiab-Studie überprüft. Bei dieser sind seit 1989 mehr als 1.650 Kinder von Eltern mit Typ-1-Diabetes von Geburt an über einen Zeitraum von inzwischen gut 20 Jahren beobachtet worden. Damals wurden jedem Kind kurz nach der Geburt Blutproben abgenommen und konserviert.

Impfung als langfristige Hoffnung

Die Forscher haben diese Proben nun nach der neuen Methode ausgewertet und verglichen, welche Kinder später tatsächlich an Diabetes erkrankten. Das Ergebnis: Jedes vierte Kind, das einen Testwert von 15 Punkten und mehr hatte, entwickelte vor dem 14. Lebensjahr einen Typ-1-Diabetes, wie die Forscher berichten. Von den Teilnehmern mit einem Risiko-Wert unter 12 Punkten sei dagegen kein einziger erkrankt.

"Der Test ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den Ausbruch eines Typ-1-Diabetes vielleicht künftig verhindern zu können", kommentiert Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) die Ergebnisse der Wissenschaftler.

Langfristig hofft das Team, eine Impfung gegen die Autoimmunerkrankung entwickeln zu können. "Ziel dieser Impfstrategie ist es, das kindliche Immunsystem ans Insulin zu gewöhnen, damit der zerstörerische Angriff auf die Beta-Zellen möglichst lange unterbleibt", erklärt Studienleiterin Ziegler. Der neue Test könnte helfen, gefährdete Kinder möglichst früh zu identifizieren, damit sie geimpft werden können, bevor die ersten Zellen zerstört wurden.

Noch ist die Forschung allerdings nicht soweit: Der Diabetes Typ 1 lässt sich bisher nicht heilen. Eine frühe Behandlung kann jedoch die Folgeschäden des Insulinmangels vermeiden.

Quelle: dapd
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