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28.05.09

Umfrage

West-Abiturienten wollen nicht im Osten studieren

Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt der Osten für viele westdeutsche Schüler unattraktiv. Nur fünf Prozent von ihnen würde gern in ostdeutschen Ländern studieren. Bei ihrer Ortswahl verkennen viele jedoch, welche Vorteile es haben kann, an einer ostdeutschen Uni zu studieren.

© dpa
Uni Leipzig
Der Saal ist voll, aber nur wenige Schüler wollen in Ostdeutschland studieren: Vorlesung im Anatomie-Hörsaal an der Uni Leipzig

Leipzig will schrill sein. Zwei Grufties kommen im buntbemalten VW-Bus an die Universität, um zum 600. Geburtstag zu gratulieren und sich dann versehentlich im Physiklabor zu schrumpfen. In Weimar tanzen die beiden in anderem Outfit Flamenco.


Die Kurzfilme im Rahmen der Kampagne "Studieren in Fernost" sollen aufräumen mit dem Vorurteil, das auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in den Köpfen vieler Westdeutschen fest verankert ist: Im Osten nichts Neues, unattraktiv für junge Leute.

62 Prozent der westdeutschen Schüler gehen davon aus, dass sie zum Studieren die Heimat verlassen. Doch nur fünf Prozent von ihnen würden auch gern in ostdeutschen Ländern studieren. Gut doppelt so viele wollen in die Hauptstadt, 27 Prozent ins Ausland. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Hochschulinitiative Neue Bundesländer, die heute veröffentlicht wird und Morgenpost Online exklusiv vorliegt. 500 Schüler aus ganz Deutschland zwischen 16 und 24 Jahren wurden befragt.

Obwohl nur 14 Prozent der westdeutschen Schüler angaben, dass sie am Osten grundsätzlich kein Interesse hätten und 65 Prozent der Befragten immerhin schon mindestens einmal eine Stadt im Osten besucht haben, halten sich Klischeevorstellungen: Die meisten beschreiben Ostdeutschland als "alt", "marode", "arm" oder "grau".

Unter den ostdeutschen Schülern sieht es anders aus. 18 Prozent möchten im Westen studieren, 54 im Osten. Damit ist die Heimatverbundenheit unter den ostdeutschen Jugendlichen größer als unter den westdeutschen, von denen nur 39 Prozent sicher sind, im Westen bleiben zu wollen.


Die ostdeutschen Hochschulen haben aus Sicht der Befragten ihre Stärken im persönlichen Kontakt zwischen Hochschullehrern und Studenten und bei der schnellen Zulassung.


Die Mehrheit der Schüler wissen, dass ein Studium in Ostdeutschland niedrigere Lebenshaltungskosten verursacht und keine Studiengebühren erhoben werden. Was die Lehre und den guten Ruf der Unis angeht, liegen in der Einschätzung aller Befragten jedoch die Westländer vorn. Dabei ist der Osten besser als gedacht.

Zwar sind dort bisher keine sogenannten Elite-Universitäten zu finden. Dresden und Jena sind im Bewerbungsverfahren knapp gescheitert. Doch Studien zeigen, dass die Universitäten und Fachhochschulen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen in manchen Bereichen längst vor der westdeutschen Konkurrenz liegen.

Eine Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) unter 30.000 Studenten im Jahr 2008 ergab, dass die Zufriedenheit an ostdeutschen Universitäten deutlich höher ist. 66 Prozent sind demnach zufrieden oder sehr zufrieden, im Westen dagegen nur 52 Prozent. Auch die didaktische Vermittlung des Lernstoffes und die Ausstattung der Bibliotheken und Labore seien, so die Studie, im Osten besser, die Hörsäle seltener überfüllt.

Informationen zum Thema Studium in den Neuen Bundesländern: www.studieren-in-fernost.de .

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