20.10.12

CDU-Feier in Mainz

Als Kohl hereinrollt, verlässt Geißler den Saal

In Mainz feiert die Landes-CDU ihren 65. Geburtstag – und hat ihr prominentestes Mitglied eingeladen. Altkanzler Helmut Kohl ist sichtlich gut gelaunt. Doch einer hat ihm offenbar nicht verziehen.

Foto: dapd

Drei prominente Mitglieder der rheinland-pfälzischen CDU: Julia Klöckner, Helmut Kohl und Bernhard Vogel
Drei prominente Mitglieder der rheinland-pfälzischen CDU: Julia Klöckner, Helmut Kohl und Bernhard Vogel

Kürzlich drängelten sich mal wieder die Kameras, Ü-Wagen und Reporter vor einem Bungalow in Ludwigshafen-Oggersheim. Für den Fall des Falles eben, schließlich galt Helmut Kohl wieder einmal als Anwärter auf den Friedensnobelpreis. Bekanntlich wurde es dann ja nicht der Baumeister der Einheit, sondern gleich die ganze EU.

Kohls Chancen auf den Preis dürften nun endgültig begraben sein. Aber Europäer ist der Bundeskanzler a. D. schließlich auch, ein besonders überzeugter und ambitionierter zumal. Daher gehe die Ehrung "auch ein Stück weit" an Helmut Kohl, einer der "großen Männer Europas". So sagte es die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner beim Landesparteitag zu dem Patriarchen im Rollstuhl vor ihr. Es klang fast ebenso nach Trost wie nach Lob.

Mit 17 trat er in die CDU ein

Vielleicht wäre es ja aber auch zu viel der Ehrungen gewesen. Kohl hatte zuletzt ohnehin genug zu feiern. Nach seinem anstrengenden Achtzigsten vor zweieinhalb Jahren nun also 30 Jahre Kanzlervereidigung in Berlin. Sogar eine Briefmarke mit seinem Konterfei hat Kohl verpasst bekommen, und das passiert normalerweise nun wirklich nur Verstorbenen, Päpsten oder eventuell auch mal einem Bundespräsidenten.

Jetzt aber ist auch noch Kohls Heimat-CDU 65 Jahre alt geworden. Da musste er natürlich kommen. Mit gerade mal 17 war er eingetreten. Sein Ausweis, Nummer 1423-0-00246, ist datiert auf August 1947. Erst Mitte Oktober wurde die Union im Rüben-und-Reben-Land dann in Kaiserslautern mit einer Vorstandswahl offiziell zur Welt gebracht.

Zeitweise wirkt er fast amüsiert

Anders als der kräftezehrende Berliner Akt scheint dem Altkanzler die in den CDU-Landesparteitag eingebettete Jubelei im Kreis vieler Alters- und Leidensgenossen Spaß zu machen. Kohl hielt nicht nur eine erstaunlich flüssige, fast zehnminütige Rede, mit warmen Worten vor allem für Parteichefin Klöckner.

Von deren Art und Arbeit ist der CDU-Grande, der sieben Jahre lang Mainzer Ministerpräsident war, sichtlich angetan: Sie sei ein "Glücksfall" für die Partei, lobte Kohl die Ex-Weinkönigin, und dass sie der CDU bestimmt die Regierung zurückholen werde. Die Partei hat offenkundig ähnliches Vertrauen: Bei der Vorstandswahl wurde die 39-Jährige Landeschefin mit über 97 Prozent im Amt bestätigt.

Bevor er zum "Mittagessen beim Kardinal" abfuhr, wie er sagte, hielt Kohl mit seiner Frau Maike sogar noch Hof im Foyer der Mainzer Rheingoldhalle. Der 82-Jährige wirkte erstaunlich fit und zufrieden, seine Miene wirkte weniger hölzern und angestrengt als sonst, zeitweise sogar fast amüsiert.

Beim Berliner Festakt hatte er schleppend, schwer verständlich gesprochen, ganze Wörter verschluckt und Sätze unbeendet gelassen. An diesem Samstag schimmerte dagegen sogar ein bisschen kohlscher Schalk durch. "Viele sind heute gekommen, um zu sehen, wie der Kohl ist. Der Kohl ist da und wird bleiben", sagte er. Sein Dank ging auch wie immer an Maike Kohl-Richter, die "rund um die Uhr das getan hat, was eine Frau tun kann".

"Wunden heilen, Narben bleiben"

Zur Feier des Tages hatte sogar der frühere Ministerpräsident Bernhard Vogel seinen alten Groll auf die rheinland-pfälzische CDU fahren lassen und erstmals seit 24 Jahren einen Landesparteitag besucht. Damals war er als Landesvorsitzender abgesägt worden, nachdem er bei der Wahl 1987 nicht mehr die absolute Mehrheit geholt hatte. "Wunden heilen, Narben bleiben", kommentierte der 79-Jährige jetzt.

Gleiches gilt offenbar nicht für das Verhältnis zwischen Heiner Geißler und Helmut Kohl. Geißler, der über Jahrzehnte Bundestagsabgeordneter der Südpfalz gewesen war, verließ den Saal, als Kohl hereingerollt wurde.

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