18.10.12

Stuttgart 21

FDP-Mann erntet Shitstorm für verbale Entgleisung

Weil sie einen Wahlkampftermin gestört hatten, schmäht ein FDP-Politiker Stuttgart-21-Gegner auf Facebook als "alte, gefrustete Weiber" und "stinkende Männer". Nun tobt der Shitstorm – auch offline.

Foto: dpa

Gegner der Politik von Bundeskanzlerin Merkel auf dem Marktplatz in Stuttgart bei einer Wahlkampfverantaltung zur Stuttgarter OB-Wahl mit Transparenten
Gegner der Politik von Bundeskanzlerin Merkel auf dem Marktplatz in Stuttgart bei einer Wahlkampfverantaltung zur Stuttgarter OB-Wahl mit Transparenten

Angela Merkels Auftritt auf dem Stuttgarter Marktplatz war als Wahlkampfhilfe für den OB-Kandidaten Sebastian Turner gedacht, doch das lief ordentlich schief. Tausende Demonstranten, die ihr die Unterstützung für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 verübeln, empfingen die Bundeskanzlerin am vergangenen Freitag mit einem Pfeifkonzert. Merkel hielt ihre Rede mit versteinerter Miene, und auch der parteilose Turner, der von FDP, CDU und freien Wählern unterstützt wird, dürfte sich den Termin anders vorgestellt haben. Keiner scheint jedoch so verärgert gewesen zu sein wie der stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP, Michael Marquardt.

Auf seiner Facebook-Seite postete er anschließend: "Ich bin so wütend und enttäuscht – Stuttgart hat sich mal wieder von seiner hässlichsten Seite gezeigt. Nur Trillerpfeifen, alte gefrustete Weiber mit ungepflegten Haaren und Trillerpfeifen, ungepflegte, nach alten Schweiß stinkende, rumbrüllende Männer ohne jeden Anstand. (…) Ich schäme mich so für dieses Bild, das Stuttgart einmal mehr abgegeben hat!"

Wütender Kommentar-Krieg auf Facebook-Seite

Unter dem Eintrag auf Marquardts Seite tobt nun der Krieg der Bahnhofsbefürworter und -gegner. Schon längst geht es in den 1210 Kommentaren nicht mehr nur um die rüde Beobachtung des Lokalpolitikers. Die Kommentatoren gehen auch aufeinander los, schimpfen sich "Assi" oder "Speichellecker", einer will gar alle FDP-Wähler erschießen. Auf Marquardts Anrufbeantworter sammeln sich Drohungen und Beschimpfungen, erzählt er der Berliner Morgenpost, selbst seinem Hund wollen die Wutbürger zu Leibe rücken.

Der FDP-Kreisvorsitzende Armin Serwani drückte als einer der ersten den "Like"-Button unter Marquardts Suada. Er habe allerdings zunächst nur den Anfang des Eintrags gelesen, sagte er der Berliner Morgenpost. Der gesamte Post freilich sei "in der Wortwahl ein bisschen hart". Dass der Parteifreund stinksauer war, kann er aber verstehen: Der Merkel-Troß sei "beschimpft, geschubst, aufgehalten" worden. Auch die Kanzlerin hätten die Demonstranten "wüst beschimpft".

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Bernd Klingler, legte Marquardt eine Entschuldigung nahe. Der Kreisvorstand will den Fall in seiner nächsten Sitzung thematisieren. Allerdings, sagt Serwani, sehe die Partei die Sache wenig dramatisch: Beim Kreisverband seien überwiegend positive Anrufe und E-Mails zu Marquardts Facebook-Post eingegangen.

Anzeige wegen Volksverhetzung

Allerdings ist ein juristisches Nachspiel für den Wutausbruch im sozialen Netzwerk möglich: Der Obertürkheimer Grünen-Politiker Willi Schraffenberger hat Marquardt nach eigenen Angaben wegen Volksverhetzung angezeigt.

Seinen Kommentar zurücknehmen oder von seiner Facebook-Seite löschen will Marquardt jedoch nicht, auch wenn er sich für die Zukunft vorgenommen hat, "erstmal eine Nacht drüber zu schlafen", bevor er postet.

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