Plagiatsvorwurf
Romney kupfert Wahlkampfslogan aus TV-Serie ab
Skurriler US-Wahlkampf: Während sich Mitt Romney mit einem peinlichen Plagiatsvorwurf herumplagen muss, bekommt Barack Obama ein Problem mit "Big Bird", dem gelben Riesenvogel aus der Sesamstraße.
"Mit klarem Blick und vollem Herzen kann man nicht verlieren." Die zuckrig-kitschige Anfeuerungsformel eines Highschool-Footballtrainers aus der TV-Serie "Friday Night Lights" hat Mitt Romney so ins Herz geschlossen, dass er sich seit Tagen den Slogan in Wahlkampfreden und auf Spruchbändern zu eigen macht.
Der Diebstahl, das Plagiat, die Aneignung, ganz wie man will, missfällt dem Drehbuchautor und Schöpfer der Serie Peter Berg so sehr, dass er den republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten in einem Brief aufforderte, sich gefälligst einen eigenen Wahlkampfslogan auszudenken: "Ihre Politik und ihre Kampagne haben offenkundig keinen Bezug zu den Themen in unserer Serie. (…) Den einzig tauglichen Vergleich zwischen Ihrer Kampagne und 'Friday Night Lights' sehe ich in der Rolle des Buddy Garrity, der sich von amerikanischen Autos abwendet und japanische importiert."
Es fügt sich ironisch, dass der Autor des Romans "Friday Night Lights" Buzz Bissinger, lebenslang ein Wähler der Demokraten, nun seine Unterstützung für Romney öffentlich kundtat.
Alles wird von Republikanern eingemeindet
Noch hat sich das Team um Mitt Romney nicht zu dem Plagiatsvorwurf geäußert. Juristisch wäre ein Verbot noch schwerer durchzusetzen als der Gebrauch (oder Missbrauch) von Rockhymnen im Wahlkampf. Bruce Springsteen wehrte sich einst gegen Ronald Reagans Umarmung von "Born in the U.S.A." – heute verklagt ein Mitautor von "Eye of the Tiger" Newt Gingrich.
Alles, was nach Sternenbannern, Helden, Tränen in Augen und patriotisch beseelten Herzen klingt, wird von Republikanern eingemeindet. Sei es als Erkennungsmelodien oder als Songs für die Warteschleifenbänder vor Kundgebungen.
Peter Berg könnte geltend machen, dass seine Worte nicht nur als Slogan zitiert, sondern von Mitt Romney als seine eigenen ausgegeben werden. Seit der TV-Debatte mit Präsident Obama hat sich Romney angewöhnt, in seiner Standardrede eine Hommage an tapfere Amerikaner, die zu jung starben, den Spruch des Fußballtrainers einzubauen: "Das ist etwas, was wir in diesem Land teilen", sagt er dann: "Männer und Frauen mit klarem Blick und vollen Herzen – und Amerika kann nicht verlieren."
Obama hat Probleme mit Sesamstraßen-Vogel
Auch das Wahlkampfteam Obama bekam in der vergangenen Woche einen Schlag auf die Finger. Ausgerechnet von Big Bird, dem gelben Riesenvogel und Kinderliebling aus der Sesamstraße.
Nachdem Mitt Romney in der TV-Debatte versprochen hatte, dem öffentlichen Sendersystem PBS alle Bundesmittel zu entziehen, hatte die Obama-Kampagne sich in Werbespots über den angekündigten Tod von Big Bird belustigt.
PBS ließ verbreiten, der Sesame Workshop habe die Benutzung seines Viehs nicht autorisiert und fordere die Kampagnen auf, Big Bird und seine Spielgefährten in Ruhe zu lassen.
Noch sind weder Romney noch Obama so weit gegangen, ganze Filmszenen als eigene Erinnerungen auszugeben wie einst Ronald Reagan. Aber das kann noch kommen; es sind noch fast vier Wochen bis zur Wahl.















