11.10.12

Literaturnobelpreis

Mo Yans Verbeugung vor Kulturzerstörer Mao Zedong

Dieses Blatt dürfte ihm Kummer bereiten: Im Jahr 2012 schrieb der frisch gekürte Literaturnobelpreisträger Mo Yan eine Seite aus Maos Reden zur Literatur ab – zu Ehren des Diktators.

Foto: Mo Yan

Faksimile der Abschrift einer Seite aus Maos 1942 gehaltenen „Yanan-Reden zur Literatur und Kunst" in der Handschrift von Mo Yan
Faksimile der Abschrift einer Seite aus Maos 1942 gehaltenen "Yanan-Reden zur Literatur und Kunst" in der Handschrift von Mo Yan

Mo Yan, frischgebackener Nobelpreistäger für Literatur, hat Tausende Seiten Literatur geschrieben, keine davon aber dürfte so umstritten sein wie die faksimilierte Abschrift einer Seite aus Mao Zedongs 1942 gehaltenen "Yanan-Reden zur Literatur und Kunst" in Mos Handschrift.

Mo Yan gehörte zu den 100 Autoren, die sich aus Anlass des 70. Jahrestags der Rede Maos bereit erklärten, für einen offiziellen Jubiläumsband jeweils eine Seite der Rede abzuschreiben.

Für seine Hommage an den Kulturzerstörer und Verfolger der Literaten Mao hat sich Mo Yan ausgerechnet einige die folgenschwersten Sätze Maos ausgewählt, in denen der Kommunistenchef Parteilichkeit von den Schriftstellern für die Sache der Partei verlangt.

"Die Frage zu unserem Standpunkt: Wir stehen auf der Seite des Proletariats und der Volksmassen", lautet der von Mo abgeschriebene Text in deutscher Übersetzung.

Und weiter: "Für Kommunisten heißt das auf der Seite der Partei und ihrer Politik zu stehen, parteilich zu sein. Gibt es in dieser Frage unter unseren Kulturschaffenden Leute, die sie nicht richtig verstehen, oder sich darüber unklar sind."

"Ich glaube, es gibt sie. Es passiert oft, dass viele Genossen ihren korrekten Standpunkt verlieren. Die Frage zu unserer Haltung: Wenn wir die Frage, wo wir stehen, beantwortet haben, kommt als nächster Punkt, wie wir uns gegenüber verschiedenen konkreten Dingen verhalten, etwa, wenn es darum geht, was wir lobpreisen und was wir enthüllen sollen. Das verstehe ich unter Haltung zeigen..."

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