11.10.12

Briefmarkenmotiv

Seltene Ehre für Altkanzler Helmut Kohl

Altkanzler Helmut Kohl hat es als Motiv auf eine Briefmarke geschafft – und zwar zu Lebzeiten. Das ist eine ganz besondere Ehre, die nur sehr wenigen Persönlichkeiten zuteil wurde.

Foto: dapd

Helmut Kohl bekommt eine Sonderbriefmarke für seine Verdienste um die Deutsche Einheit. Er ist damit der erste lebende Altkanzler, dem eine Marke gewidmet wird.

8 Bilder

Ein neues historisches Zeitdokument, nur 3,5 mal 3,5 Zentimeter groß, gibt es nun im Handel zu kaufen. Die Auflage: fünf Millionen, der Stückpreis: 55 Cent. Es ist eine Briefmarke. Das Motiv: der "Kanzler der Einheit", Helmut Kohl, 82, CDU.

Das Bild stammt vom Fotografen Daniel Biskup, der Kohl im Herbst 2009 in einem Berliner Hotel ablichtete. Gestaltet wurde die Marke schließlich von Werbe-Fachmann Coordt von Mannstein. Kohl kann sich glücklich schätzen, er gehört damit zu einer kleinen Gruppe illustrer Persönlichkeiten, deren Gesichter zum Briefmarkenmotiv wurden.

Wer darf, wer darf nicht?

Um klarzustellen, wer überhaupt dafür infrage kommt, verfasste das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen im Jahr 1960 eine Pressemitteilung: "Wie in vielen Ländern, so ist es auch in Deutschland üblich, die Briefmarken das Bild des jeweiligen Staatsoberhauptes tragen zu lassen. Damit soll nicht die Person oder das Lebenswerk des Abgebildeten gewürdigt, sondern ausschließlich das Ausgabeland dokumentarisch repräsentiert werden."

Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, erhielt 1954 zu seiner Wiederwahl eine eigene Marke, Heinrich Lübke zehn Jahre später. Die 30-Pfennig-Marke mit Gustav Heinemann erschien in einer enormen Auflage von 2,4 Milliarden Stück.

Alle dann folgenden Bundespräsidenten nahmen das ihnen zustehende Recht, alleiniges Motiv einer Briefmarke zu werden, nicht mehr in Anspruch. 1982 erschien noch eine präsidiale Marke, den Platz darauf mussten sich aber die fünf bis dahin im Amt gewesenen Herren teilen.

Lebenswerk noch nicht vollendet

Mittlerweile sind auch Staatsoberhäupter erst nach ihrem Tod auf Briefmarken zu sehen – wie Johannes Rau auf einer Marke vom 2. März 2006. Wenn es sich nicht um Staatsoberhäupter handele, hieß es schon in der Pressemitteilung des Ministeriums weiter, lehne es die Deutsche Bundespost ab, lebende Personen auf Briefmarken abzubilden, weil deren Lebenswerk noch nicht vollendet sei.

So wurde Altkanzler Willy Brandt zum Beispiel erst 1993 – und damit nach seinem Tod – mit einer Marke geehrt. Auch Konrad Adenauer wurde erst zum Motiv, als er nicht mehr lebte. So will es nicht etwa ein Gesetz, sondern die Tradition.

Warum also nun Helmut Kohl, ein bedeutender Kanzler, der aber noch lebt? Es gibt offenbar kleine Brüche mit der Tradition. Im Falle Kohls handelt es sich um eine lebende Person, die symbolisch für ein entsprechendes Ereignis steht, so die Argumentation, in seinem Fall: die Einheit.

Erstmals wurde eine Ausnahmeregelung bei dem Franzosen Jean Monnet, einem der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften, angewendet. Ihm wurde 1977 anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger Europas eine Briefmarke gewidmet.

Ausnahmen bestätigen die Tradition

Auch der Papst profitierte von einer Ausnahme, Benedikt XVI. erschien im Jahr 2007 auf einer Marke, der Ausgabeanlass war sein 80. Geburtstag. Der damalige Fußball-Nationalspieler und heutige Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, brachte es anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 zum Briefmarkenmotiv, wenn auch leicht verpixelt.

Und weil die Deutschen ein tierliebes Volk sind, gelten Ausnahmen manchmal nicht nur für Menschen. So stand Eisbär Knut 2008 symbolhaft für die Notwendigkeit, die globale biologische Vielfalt zu schützen.

Dass Briefmarken überhaupt Gesichter zeigen, war nicht von Beginn an so. Nach der Gründung des Deutschen Reiches erschien am 1. Januar 1872 die erste Briefmarke, noch in der Währung Groschen und Kreuzer und mit dem Aufdruck "Deutsche Reichspost".

Briefmarken erzählen die deutsche Geschichte

Es stellte sich aber heraus, dass auch eine scheinbar unscheinbare Briefmarke zu mehr imstande ist, als das Porto zu bestätigen. Nämlich dazu, eine gute Plattform für die Darstellung des Staates, für die Übermittlung von Botschaften zu sein. Postwertzeichen nahmen daher mehr und mehr gestalterische Züge an.

Anhand der Briefmarken lässt sich dank dieser Entwicklung mittlerweile die Geschichte Deutschlands ablesen. Die ersten Briefmarken der Bundesrepublik zeigten ein Richtfest, sie erschienen am 7. September 1949 zur Eröffnung des Deutschen Bundestages. Am 3. Mai 1990 wurde erstmals die Nationalflagge zum Hauptmotiv. Auch die DDR bannte ihre Geschichte auf Marken.

Zum Zeitpunkt des Ereignisses, für das Helmut Kohl nun stellvertretend auf einer Briefmarke steht, gab es übrigens nur eine schlichte Aufmerksamkeit: Ein einfacher Schriftzug zierte die Marke "Deutsche Einheit" vom 3. Oktober 1990.

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