22.05.09

Umfragen

Kinderporno-Sperre wird zum Lobby-Lehrstück

Zwei Umfragen, zwei offenbar grundverschiedene Ergebnisse: Innerhalb weniger Tage hat Infratest dimap die Deutschen nach ihrer Meinung zur geplanten Kinderporno-Sperre der Bundesregierung befragt. Einmal sprach sich die überwältigende Mehrheit dafür aus – einmal dagegen. Grund scheinen die zwei verschiedenen Auftraggeber zu sein.

Die Haltung der Bundesbürger zur geplanten Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet ist nicht eindeutig auszumachen. Zwei Umfragen von Infratest dimap innerhalb weniger Tage brachten widersprüchliche Ergebnisse – je nach Auftraggeber und Fragestellung. Im Auftrag des Vereins Mogis (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren) stellte das Institut fest, dass nur 5 Prozent von 1000 Befragten für eine Sperre sind. Am vergangenen Sonntag hatte die Deutsche Kinderhilfe unter Berufung auf eine von ihr bei Infratest dimap in Auftrag gegebene Umfrage mitgeteilt, dass 92 Prozent der Bürger die Pläne der Bundesregierung befürworten. Die Deutsche Kinderhilfe plädiert ebenfalls für die Einführung der Sperren.

Kritiker bemängeln, dass die Kinderporno-Sperre leicht auszuhebeln, gleichzeitig aber ein schwerer Eingriff in die Bürgerrechte und die freie Kultur des Internets sei. Nun ist darüber auch ein harter Kampf der Lobbygruppen entbrannt, der offenbar zu den verschiedenen Ergebnissen der Umfragen geführt hat.

Laut "Zeit Online" stellte das Institut im Auftrag der Kinderhilfe folgende Frage: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet oder dagegen?"

Die Frage im Auftrag des Vereins Mogis lautete dagegen: "Der Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornografie sollte durch eine Sperre erschwert werden, das reicht aus, auch wenn die Seiten selbst dann noch vorhanden und für jedermann erreichbar sind." 92 Prozent der im Auftrag von Mogis Befragten stimmten folgender Position zu: "Internetseiten mit Kinderpornografie sollten konsequent gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden." Der Verein sieht sich nun bestätigt, dass die Gegner der Internet-Sperre keineswegs in der Minderheit sind.

Infratest Dimap verteidigt die Umfragen. "Ich sehe in den Ergebnissen keinen Gegensatz. Im Gegenteil: Beide Umfragen ergeben einen erheblichen Bedarf in der Bevölkerung nach Maßnahmen gegen kinderpornografische Darstellungen im Internet", zitiert "Zeit Online" Geschäftsführer Richard Hilmer.

Die Deutsche Kinderhilfe stand wegen ihrer plakativen und angeblich undifferenzierten Kampagnen zuletzt in der Kritik. Der "Tagesspiegel" nannte die PR-Strategie der Organisation "pure Demagogie". In den kommenden Tagen wollen Mitarbeiter der Kinderhilfe im Frankfurter Bankenviertel, vor großen Betrieben zum Schichtwechsel, in Fußballstadien und Fußgängerzonen um Unterschriften für die Kinderporno-Sperre werben.

Quelle: dpa/lw
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