10.10.12

Naegleria-Infektion

Parasit frisst sich in Pakistan durch Gehirne

In Pakistan sorgen sich die Gesundheitsexperten: Ein gefährlicher Erreger hat bereits zehn Menschen getötet. Er frisst sich durch das Gehirn der Befallenen. Der Tod tritt innerhalb von zehn Tagen ein.

Foto: picture-alliance / Asianet Pakis

Trinkwasser ist im pakistanischen Karachi nicht immer sauber, abgekocht oder gechlort
Trinkwasser ist im pakistanischen Karachi nicht immer sauber, abgekocht oder gechlort

In Pakistans größter Stadt Karachi kam es in den vergangenen sechs Monaten zu zehn ungewöhnlichen Todesfällen. Neun Männer und ein vierjähriges Kind starben an einer Infektion mit Naegleria fowleri, einem amöbenähnlichen Geißeltier (Flagellat).

Der Einzeller dringt in den Liquor und das Gehirn der Patienten ein und führt dort zu einer Entzündung die so schwer ist, dass die Betroffenen meist innerhalb von einer Woche bis zehn Tagen sterben.

Infektionsort unklar

Wo sich die Verstorbenen mit den Parasiten infiziert hatten, ist bislang nicht klar. Naegleria fowleri kommt normalerweise in stehenden Gewässern vor – doch nur einer der Betroffenen war zuvor in einem solchen Gewässer baden.

Shakeel Mallick, der für die Gesundheitsbehörde der Provinz Karachi arbeitet, sagte, dass das Ministerium "sehr besorgt" über das Auftreten des Parasiten sei. Möglicherweise habe die in manchen Regionen Asiens verbreitete Praktik des Naseschnäuzens ohne Taschentuch zur Verbreitung geführt.

Schneller Tod

Naegleria fowleri löst nur in manchen Fällen beim Menschen eine Krankheit aus. Sie äußert sich in Fieber, Schnupfen, Übelkeit, einem steifen Nacken und Kopfschmerzen – Symptomen, wie sie für eine Hirnhautentzündung typisch sind. Die Geißeltierchen werden über die Nase aufgenommen und dringen dann ins Gehirn vor. Eine Infektion verläuft in der Regel sehr schwer, die Betroffenen sterben innerhalb von ein bis zwei Wochen.

"Die Menschen sollten darauf achten, dass sie möglicherweise verschmutztes Wasser nicht zu tief in ihre Nasenhöhlen bekommen", sagte Musa Khan von der Weltgesundheitsorganisation. Die Gesundheitsbehörden und Ärzte in Pakistan sind über das Auftreten von Naegleria-Infektionen unterrichtet worden. Man unterrichte die Öffentlichkeit auch dahingehend, dass man sich möglichst nur mit gechlortem oder abgekochtem Wasser die Nase spülen sollte.

Seltene Infektion

Vor allem in den USA und in Australien kommt es immer wieder zu Infektionen mit den Geißeltierchen. Der erste Fall überhaupt stammt aus dem Jahr 1966 in Florida. Eigentlich ist die Erkrankung sehr selten, nach Angaben des Centers for Desease Control and Prevention (CDC) sind in den Jahren 2002 bis 2011 nur 32 Infektionen in den USA bekannt geworden. 28 von ihnen hatten sich in Badegewässern angestekt, zwei hatten ungereinigtes, warmes Wasser getrunken und weitere zwei personen hatten sich infiziert, als sie sich mit verunreinigtem Wasser die Nasen ausgespült hatten.

Da die Infektion in der Regel sehr selten ist, ist das gehäufte Auftreten in Pakistan durchaus beunruhigend.

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