10.10.12

Hirnhaut-Entzündung

Meningitis-Epidemie aus der Schmerzspritze

Über 100 Amerikaner sind an einer schweren Meningitis erkrankt, Tausende weitere könnten folgen. Schuld an den Todesfällen ist wohl ein Schmerzmedikament, das mit infektiösen Pilzen verunreinigt ist.

Foto: dapd

Bei der Untersuchung des Nervenwassers ist höchste Vorsicht geboten - der Inhalt könnte infektiös sein.
Bei der Untersuchung des Nervenwassers ist höchste Vorsicht geboten - der Inhalt könnte infektiös sein.

Nach der Behandlung mit einem Schmerzmedikament aufgetretene Meningitis-Todesfälle versetzen Tausende Amerikaner in Angst und Schrecken. Bis zum Dienstag (Ortszeit) waren nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden CDC in Atlanta sei die Zahl der Erkrankten innerhalb von 24 Stunden von 105 auf 119 angestiegen.

Zudem seien mittlerweile ganze neun US-Staaten von der gefährlichen Infektionskrankheit betroffen: Erst kürzlich wurde auch in New Jersey südwestlich von New York ein erster Erkrankter gemeldet.

Die Hirnhautentzündungen wurden dabei von Pilzen ausgelöst. Sie wurden zwar als nicht ansteckend eingestuft, die Behörden gehen aber davon aus, dass der Pilz durch ein Steroid-Medikament übertragen worden sein könnte. Damit könnten mehrere Tausend Menschen betroffen sein.

Das Präparat mit dem Wirkstoff Methylprednisolon-21-Acetat, das in die Nähe des Rückenmarks gespritzt wird, ist laut CDC in 23 der 50 Bundesstaaten geliefert worden. Insgesamt haben 76 medizinische Einrichtungen das vor allem bei chronischen Entzündungen eingesetzte Medikament erhalten. Noch sei allerdings nicht klar, bei wie vielen von ihnen ein Risiko bestehe.

Keime aus der Schmerzspritze

Das Medikament eines Unternehmens aus Massachusetts, bei dem in zumindest einer Charge Verunreinigungen gefunden wurden, war an Kliniken in 23 Staaten geliefert worden. Die Erkrankten hatten sich wegen chronischer Schmerzen mit dem Steroid behandeln lassen.

Das größte Risiko, im Falle einer verunreinigten Charge an Meningitis zu erkranken, besteht nach Angaben der Behörden bei Patienten, denen das Arzneimittel in den Rücken injiziert wurde. Bei Spritzen ins Knie oder in die Schulter gehen die Experten nicht von einer Gefahr aus.

Wie es zur Verunreinigung des Medikament kam, sei noch unklar, hieß es bei den CDC. Nach wie vor verzeichnet Tennessee die mit Abstand meisten Fälle. Ein Drittel der Erkrankten (39) und mehr als die Hälfte der Todesfälle (6) wurden in dem Südstaat registriert.

Die beiden anderen Brennpunkte sind das nicht weit entfernte Virginia mit 24 Erkrankten und einem Toten und das weit im Norden gelegene Michigan. Hier starben drei Menschen, 25 Erkrankte wurden gemeldet.

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