08.10.12

Literaturnobelpreis

Buchmacher wetten auf japanischen Popliteraten

Am Donnerstag, Schlag 13 Uhr wird der neue Literaturnobelpreisträger bekannt gegeben. Weil die Jury schweigt, hat sich ein britischer Buchmacher zum Orakel gemausert. Quotenkönig dort ist ein Japaner.

Von Wieland Freund
Foto: picture alliance / Kyodo

Er ist in Sachen Literaturnobelpreis derzeit der Quotenkönig: Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami (Jg. 1949) verbindet Popliteratur und fernöstliche Mystik. Bekannt geworden ist mit Romanen wie „Mister Aufziehvogel“ und zuletzt „1Q84“. Die Ehrendoktorwürde der Universität von Hawaii hat er schon, wie man sieht.

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Einmal im Jahr treffen sich Zocker, Sportsfreunde und der Literaturbetrieb beim britischen Buchmacher Ladbrokes, der sich – seit er die Literaturnobelpreise für Orhan Pamuk (2006), Jean-Marie Le Clézio (2008) und Herta Müller (2010) hat kommen sehen – zum Orakel der öfter mal erratischen Schwedischen Akademie gemausert hat.

Unwahrscheinlich, dass Ladbrokes geheime Blicke auf die zwanzig Namen lange Kandidatenliste wirft, die das Komitee seit dem Frühjahr hütet. Wahrscheinlicher schon, dass der Schwarm der Ladbrokes-Kunden nach Maßgabe der Stockholmer Preisarithmetik eine Art Sudoku spielt, Herkunftskontinent, Geschlecht und bevorzugtes Genre eines möglichen Preisträgers mit dessen Vorgängern abgleicht und dabei ein bisschen auf die politische Weltlage schielt.

14 für 1 für Adonis

Beispiel: Für den Lyriker Adonis spricht sein Geburtsort Damaskus, gegen ihn spricht, dass er wie der im vergangenen Jahr ausgezeichnete Tomas Tranströmer Gedichte schreibt. Bei Ladbrokes bringt die Adonis-Wette derzeit trotzdem 14 für eins – manchmal kümmert die Akademie der Preisträger vom letzten Jahr schließlich so wenig wie ihr Geschwätz von gestern.

Ein wenig eurozentrisch sei man zuletzt gewesen, merkte etwa Akademie-Sekretär Peter Englund 2011 selbstkritisch an. Auf Elfriede Jelinek (2004), die Briten Harold Pinter (2005) und Doris Lessing (2007), Le Clézio und Müller folgte trotzdem der Schwede Tranströmer.

Muffiger Eurozentrismus

Nur am Diktum des Englund-Vorgängers Horace Engdahl, die amerikanische Literatur sei für Nobelpreiswürden zu "isoliert", hält die Akademie offenbar fest: Auf Philip Roth (16/1) oder Don DeLillo (schäbige 33/1) setzen nur Optimisten.

Bessere Quoten für den irischen Erzähler William Trevor (10/1) oder die Italienerin Dacia Mariani (16/1) deuten auf den muffigen Eurozentrismus der letzten Jahre. Erstaunlich viele Nobelpreisträger hätten, hat Peter Englund verraten, in diesem Jahr von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht: Hoffentlich haben sie statt Margaret Atwood (16/1) Peter Nadas ins Rennen geschickt.

Mysto-Pop und Surf-Poesie

Nadas' Quote von 8/1 ist allerdings deutlich schlechter als die des japanischen Mysto-Popliteraten Haruki Murakami, dessen Nobelpreis nach Einschätzung des Ladbrokes-Schwarms offenbar so sicher ist wie die Deutsche Meisterschaft des FC Bayern. Murakami kommt auf 2/1 – gefolgt vom kaum bekannten chinesischen Erzähler Mo Yan (8/1).

Ladbrokes-Konkurrent Unibet favorisiert Mo Yan sogar, hält allerdings auch den australischen Surf-Poeten Tim Winton für einen Kandidaten – was wohl noch unwahrscheinlicher ist als ein Nobelpreis für Bob Dylan (10/1).

Wobei, Anwanzerei an den Zeitgeschmack, das gibt's bei den Nobels durchaus: Wer die Bekanntgabe des Literaturnobelpreises am Donnerstag live auf seiner Website featuren möchte, findet auf Nobelprize.org einen "easy-to-add-code" dazu.

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