08.10.12

Schuldenkrise

Schäuble warnt vor Griechenland als Fass ohne Boden

Seit Beginn der Finanzkrise reist Kanzlerin Merkel erstmals nach Griechenland. Finanzminister Schäuble warnt vor zu hohen Erwartungen.

Foto: dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das krisengeschüttelte Griechenland aufgerufen, seine Sparverpflichtungen einzuhalten
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das krisengeschüttelte Griechenland aufgerufen, seine Sparverpflichtungen einzuhalten

Einen Tag vor dem Athen-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor allzu hohen Erwartungen gewarnt. Erst wenn Griechenland nachweislich seine Sparauflagen erfülle, könne die nächste Kreditrate an das Land ausgezahlt werden, bekräftigte Schäuble am Montag dem Sender RBB-Inforadio.

Er rief die Regierung in Athen zu weitere Sparbemühungen auf. Erst wenn die Troika berichte, dass Griechenland seine Sparauflagen erfülle, könne die nächste Kreditrate ausgezahlt werden, sagte Schäuble am Montag dem Sender RBB-Inforadio. Im vergangenen Jahr sei ein Hilfsprogramm für Griechenland beschlossen worden, dies sei aber nur Hilfe zur Selbsthilfe. Voraussetzung sei, dass Griechenland Anpassungen in seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik vornehme, betonte er.

"Die Wahrheit ist, dass für Griechenland kein Weg daran vorbei führt, seine Wirtschaft, seine Finanzen so in Ordnung zu bringen, dass es wenigstens ab 2020 in der Lage ist, sich an den Finanzmärkten für erträgliche Zinsen zu refinanzieren", sagte Schäuble. Zwar solle dem Land beim Aufbau einer leistungsfähigen Verwaltung geholfen werden. Aber irgendwann müsse das Land auf eigenen Beinen stehen. Griechenland dürfe kein Fass ohne Boden werden, betonte Schäuble.

Proteste angekündigt

Merkel will mit der Regierung von Antonis Samaras beraten, wie eine drohende Staatspleite Griechenlands abgewendet werden kann. Die Gewerkschaften des Landes kündigten bereits Proteste gegen die Bundeskanzlerin an, deren Vorgehen in der Euro-Krise in der griechischen Bevölkerung heftig kritisiert wird.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erwartet vom Besuch Angela Merkels (CDU) in Athen eine klares Zeichen für die Unterstützung Griechenlands: "Als allererstes wirklich über Solidarität reden und sagen, ja, ich will als Bundeskanzlerin, dass Griechenland in der Eurozone bleibt", sagte Künast im ARD-"Morgenmagazin". Außerdem erwarte sie eine konkrete Perspektive, wie mit dem beschlossenen Investitionsprogramm für die Griechen in modernen Technologien Jobs entstehen könnten.

Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider warf Merkel vor, viel zu spät nach Athen zu fahren. "Eine Bundeskanzlerin, gerade in dem Haupt-Krisenherd Griechenland, war das letzte Mal 2007 da. Die Krise ist seit 2009, und nur von Berlin vom Schreibtisch aus Ratschläge zu geben, macht sich schlecht", sagte er im ARD-"Morgenmagazin". dpa/dapd/mim

Auftritt im "Sinne der CSU"

CSU-Chef Horst Seehofer erwartet, dass Merkel bei ihrem Griechenland-Besuch den Kurs seiner Partei in der Euro-Schuldenkrise berücksichtigt. Seehofer sagte am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands: "Sie wird ganz in unserem Sinne in Griechenland auftreten. Das kann ich Ihnen sehr verbindlich sagen."

Die Frage, ob es Spielräume für weitere Hilfen an Griechenland gebe, stelle sich derzeit nicht. Zunächst müsse der Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) abgewartet werden, fügte Seehofer hinzu.

Quelle: dpa/dapd/AFP/mim
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Vorbereitung seiner Aussage im BER-Untersuchungsausschuss
Aktualisiert vor 26 MinutenAbgeordnetenhaus
Live-Blog – Klaus Wowereit im BER-Untersuchungsausschuss

Berlins Regierender steht dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel Rede und Antwort. Es dürfte die bislang spannendste Sitzung werden. Viktoria Solms und Christian Mutter sind live dabei. mehr...


Morgenpost-Autorin Jennifer Hinz vor einer begehrten Wohnung im Prenzlauer Berg
12:49Mietpreise
Wie die Wohnungssuche in Prenzlauer Berg zum Kampf wurde

Der Wohnungsmarkt in Prenzlauer Berg ist heiß umkämpft. Morgenpost-Autorin Jennifer Hinz begab sich dennoch auf die Suche. Sie traf auf schimpfende Makler und angebliche Rückzugsoasen. mehr...


Ein Spiel spaltet die Nation. Die Mehrheit der Bundesbürger findet den BVB sympathischer, hält aber Bayern für den Favoriten.
14:16Champions-League-Finale
Was Europa von Borussia Dortmund lernen kann

Ökonomische Empfehlungen vom Siegeszug des BVB abzuleiten, käme zu früh. Aber eines zeigt sich dennoch: Der Klub kennt seine Grenzen und der Weg aus Krise braucht keine Hybris, sondern einfach nur… mehr...

Zum Champions-League-Finale 2013 werden Tausende Fans auf der Berliner Fanmeile erwartet
12:28FCB-BVB
Fanmeile in Berlin zum Champions-League-Finale 2013 - Alle Infos

Public Viewing auf der Fanmeile in Berlin zum Champions-League-Finale 2013: Hier finden Sie alle Infos zu Öffnungszeiten, Eingängen, Programm & Live-Acts. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Die Hellas-Risiken für Deutschland
  • HILFSZUSAGEN

    Mit den Rettungspaketen für Griechenland hat Deutschland Zusagen für Hilfen von rund 55 Milliarden Euro gemacht. Sie wurden beziehungsweise werden über die staatliche KfW, den auslaufenden Rettungsschirm EFSF und künftig den ESM bis 2014 abgewickelt. Die internationalen Hilfen im Rahmen des zweiten Pakets belaufen sich auf insgesamt 165 Milliarden Euro – einschließlich der aus dem ersten Griechenland-Paket nicht abgeflossenen rund 35 Milliarden Euro.

  • RISIKEN

    Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas trägt die mit Abstand größten Risiken. Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft beziffert die finanziellen Risiken für den deutschen Steuerzahler – bei einem sofortigen und dauerhaften Stopp aller Zahlungen Athens an die Geldgeber – auf etwa 100 Milliarden Euro. Nach einer Studie der Deka-Bank belaufen sich die direkten möglichen Verluste aus den Hilfspaketen und Verpflichtungen Deutschlands bei einer Pleite Griechenlands aktuell auf rund 83 Milliarden Euro. Diese Verluste müssten aber nicht zwangsläufig anfallen.

  • ERSTES RETTUNGSPAKET

    Aus dem ersten Hilfsprogramm hat Deutschland über die KfW gut 15,2 Milliarden Euro an Athen ausgezahlt. Der Bund bürgt dafür. Bis Ende 2012 werden aus diesen bilateralen Notkrediten Deutschlands Zinseinnahmen für den Bundeshaushalt von etwa 290 Millionen Euro erwartet.

  • ZWEITES RETTUNGSPAKET

    Über den EFSF-Fonds sind bisher insgesamt etwa 74 Milliarden Euro an Athen geflossen. Davon entfallen entsprechend dem EFSF-Kapitalanteil von gut 29 Prozent rund 21,43 Milliarden Euro auf Deutschland. Mit jeder neuen Hilfstranche allerdings erhöht sich auch das Risiko für den deutschen Fiskus.

  • EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat griechische Staatsanleihen von geschätzt 40 Milliarden Euro (Kaufwert) in ihren Büchern, die vom Schuldenschnitt nicht betroffen waren. Auf Deutschland entfallen laut Boysen-Hogrefe gut 11,2 Milliarden. Die Deka-Bank spricht von 45 Milliarden Euro und einem deutschen Anteil von 13,1 Milliarden Euro. Über das Zahlungssystem „Target2“, mit dem im Euro-Raum grenzüberschreitend Zentralbankgeld zwischen den nationalen Notenbanken übertragen wird, haben sich laut dem Kieler Experten Risiken von 34,69 Milliarden Euro angehäuft, nach Berechnungen der Deka-Bank etwa 30,5 Milliarden. Weitere Risiken aus dem Bargeld, das die Athener Notenbank in Umlauf gebracht hat – beziffert Boysen-Hogrefe für Deutschland auf maximal 6,5 Milliarden Euro.

  • ALT-ANLEIHEN

    Im Zuge des Schuldenschnitts und Anleihetauschs haben deutsche Banken, vor allem die staatliche HRE und Landesbanken Risiken von bis zu 10 Milliarden Euro angehäuft.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftVergütungsdebatteManager verbitten sich Einmischung in ihr Gehalt
  2. 2. WirtschaftKonjunkturGeschäftsklima hellt sich überraschend stark auf
  3. 3. DeutschlandStraßenverkehrInnenminister planen Blitzer-Offensive gegen Raser
  4. 4. DeutschlandLinke-Chefin Kipping„Die Unverfrorenheit der SPD ist beeindruckend“
  5. 5. DeutschlandUSA-ReiseFotos werden zur Hypothek für Röslers Wahlkampf
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote