05.10.12

Henrico Frank

"Herr Beck lernt's eben nicht mehr"

Kurt Beck blaffte auf dem Einheitsfest Passanten an. 2006 traf es Henrico Frank. Beck sagte damals: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job." Was denkt Frank heute?

Foto: picture alliance / dpa

Henrico Frank an seinem Arbeitsplatz in Frankfurt am Main. Rasieren muss er sich für seinen Job bis heute nicht
Henrico Frank an seinem Arbeitsplatz in Frankfurt am Main. Rasieren muss er sich für seinen Job bis heute nicht

Der gebürtige Thüringer Henrico Frank (43) wurde 2006 durch Kurt Beck berühmt. Die "Bild"-Zeitung taufte den Wahl-Wiesbadener nach einem Schlagabtausch mit dem Ministerpräsidenten "Deutschlands frechsten Arbeitslosen". Auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt hatte der gelernte Baufacharbeiter und zeitweilige Job- und Obdachlose dem Pfälzer vorgeworfen, für Hartz IV und Millionen Arbeitslose verantwortlich zu sein. Beck hatte ihn angeblafft: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job."

Die Welt: Herr Frank, Sie haben Donnerstagabend gleich einen Link zum Beck-Ausraster auf Ihre Facebook-Seite gestellt. Verfolgen Sie ständig, was Kurt Beck macht?

Henrico Frank: Nein. Über den Bericht bin ich zufällig gestolpert. Hat ja aber auch für ziemlich Aufsehen gesorgt.

Die Welt: Ihr erster Gedanke?

Frank: Das alte Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Manieren zum Beispiel. Schon wieder eine Verbalentgleisung, Herr Beck lernt's eben nicht mehr.

Die Welt: Was halten Sie von Becks Verteidigung, der Mann habe ihn dreist bei einem Interview gestört?

Frank: In meinen Augen hat es nur wieder so eine arme Sau getroffen, weil die sich getraut hat, dem hohen Herren die Meinung zu geigen. Nur hatte der Mann Glück, dass er anonym blieb.

Die Welt: Im Gegensatz zu Ihnen damals. Haben Sie Ihre Aktion bereut?

Frank: Der Spießrutenlauf danach war heftig, sehr heftig. Manche Vertreter Ihrer Zunft haben mir bis drei, vier Uhr morgens vor der Tür aufgelauert. Ich habe mich kaum noch aus dem Haus getraut. Aber andererseits: Dann wäre ich heute nicht bei iMusic TV. Mein Leben hat sich dadurch doch sehr verbessert. Also nein.

Die Welt: Sie arbeiten seit 2007 bei dem Frankfurter Musiksender.

Frank: Mit einem Jahr Pause, wegen meinem Alkoholproblem. Ich habe eine zweite Chance bekommen.

Die Welt: Was machen Sie?

Frank: Vor allem schneide ich Rockmusik-Clips. Ich mag Rock und Metal.

Die Welt: Müssen Sie sich für den Job rasieren, wie Kurt Beck empfahl?

Frank: Natürlich nicht. Ich fahre ja auch nicht im Schlips nach Wacken aufs Festival.

Die Welt: Wenn Sie Ministerpräsident Beck heute noch etwas sagen können, dann was?

Frank: Ich würde ihm gratulieren zu seinem Entschluss, dass er endlich zurücktritt.

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