02.10.12

Verbraucherschutz

Banken geloben mehr Transparenz bei Dispozinsen

Das Treffen der Kreditwirtschaft mit Verbraucherministerin Aigner war offenbar erfolgreich: Die Branche will künftig besser über Dispozinsen informieren. Eine feste Obergrenze soll es aber nicht geben.

Banken und Sparkassen wollen sich um mehr Transparenz bei den Zinsen für Dispositionskredite bemühen. Das kündigten Vertreter der Kreditwirtschaft nach einem Spitzentreffen im Verbraucherschutzministerium an.

Die Geldinstitute wollen demnach in den Preisaushängen der Filialen über die Dispozinsen informieren, wie das Ministerium nach dem Treffen mitteilte. Zudem sollen die Klauseln zur Zinsanpassung verständlich und transparent sein.

Wer seinen Dispo übermäßig in Anspruch nimmt, soll ein Angebot für die Umschuldung in einen Ratenkredit erhalten. Alternativ soll ein individueller Tilgungsplan angeboten werden, die entsprechende Bonität und Finanzierbarkeit vorausgesetzt. Auch wollen die Banken Informationen über Hilfsangebote von Schuldnerberatungen verstärken.

Ministerin Aigner lehnt feste Obergrenze ab

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), die zu dem Treffen geladen hatte, zeigte sich erfreut über die Zusagen der Banken und Sparkassen. Eine konsequente Umsetzung könne "die Situation von verschuldeten Verbrauchern wesentlich verbessern". Eine feste Obergrenze für Dispozinsen lehnte die Ministerin ab.

Hintergrund des Treffens war eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums, wonach viele Banken überhöhte Dispozinsen verlangen, obwohl sie sich derzeit zu historisch niedrigen Zinsen Geld beschaffen können. Zudem fühle sich jeder dritte Verbraucher von seiner Bank über die Dispozinsen nicht gut informiert.

Laut der Studie verfügen mehr als 80 Prozent der Haushalte in Deutschland über einen Dispokredit-Rahmen, der in der Regel das zwei- bis dreifache des monatlichen Nettoeinkommens beträgt. Jeder sechste Haushalt nimmt ihn regelmäßig in Anspruch.

Quelle: dapd/cat
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Was Verbraucher beim Dispo beachten sollten
  • Definition

    Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gibt die Bank einen Dispositionskredit – kurz: Dispokredit oder Dispo. Er ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozins. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese sind oft mehrere Prozentpunkte höher.

  • Informationen

    Banken informieren darüber mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten. Auch die Berater erteilen Auskunft. Eine weitere Informationsquelle ist der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es spezielle Internetseiten wie fmh.de.de oder biallo.de

  • Vor- und Nachteile

    Vorteil ist, dass eingeräumte Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen, sondern sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto; es gibt keine festen monatlichen Raten zur Rückzahlung. Nachteil ist die Zinshöhe, die oft im zweistelligen Bereich liegt. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

  • Sparen

    Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro einzurichten. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie etwa Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe der Dispozinsen verhandeln.

  • Alternativen

    Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.

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