28.09.12

UN-Vollversammlung

Netanjahus versteckter Seitenhieb auf die USA

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschwört die Weltöffentlichkeit: Ein nuklear bewaffneter Iran – das sei dasselbe wie eine nuklear bewaffnete Terrororganisation al-Qaida.

Foto: REUTERS

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zieht bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung auf seiner mitgebrachten Bombe den roten Strich.„Es ist spät, sehr spät!“
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zieht bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung auf seiner mitgebrachten Bombe den roten Strich."Es ist spät, sehr spät!"

Bis zum letzten Augenblick hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an der Rede gefeilt – an einer Rede, in der vor der UN-Vollversammlung das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf die Gefahr durch das iranischen Atomprogramm lenken möchte.

Noch auf dem Flug nach New York sollen mehrere Versionen ausgedruckt und wieder modifiziert worden sein. Vieles an der Rede ist bekannt. Die jüdische Verbindung mit dem Heiligen Land beschwört er und bekundet: "Der jüdische Staat wird für immer existieren." Das jüdische Volke werde nie wieder vertrieben werden, aber es wolle Frieden. Sein Land stehe stolz an der Seite der Kräfte der Moderne, sagt Netanjahu.

Leider sei das nicht Überall der Fall: "Eine große Schlacht wird heute geschlagen zwischen den Kräften der Moderne und den Kräften des Mittelalters." Dieser Kampf zwischen dem aufgeklärten Westen und dem radikalen Islamismus werde überall ausgetragen, nirgendwo aber kollidierten diese Kräfte stärker als im Nahen Osten. Zwar gibt er sich überzeugt, dass irgendwann das Licht auch die Dunkelheit erleuchten und dem islamistischen Spuk ein Ende machen werde. Die Frage sei nur, wie viele Menschen bis dahin noch sterben müssten.

Eine rote Linie hätte den zweiten Weltkrieg verhindert

Damit ist er beim Thema: Der Islamismus sei wie der Nazismus, verkündet er. "Jene, die diesen Fanatismus bekämpft haben, haben zu lange gewartet." Am Ende hätten die Alliierten den Zweiten Weltkrieg zwar gewonnen, aber einen horrenden Preis bezahlt.

"Meine Freunde, das können wir nicht geschehen lassen!", warnt Netanjahu. Und deshalb müsse die Weltgemeinschaft dem iranischen Atomprogramm eine deutliche rote Linie setzen. Ein nuklear bewaffneter Iran, das sei dasselbe wie eine nuklear bewaffnete Terrororganisation al-Qaida.

Oft und gern bemüht Netanjahu, der Sohn eines Historikers, die Geschichte. Nicht immer sind das die überzeugendsten Argumente: Eine rote Linie für Hitler hätte seiner Meinung nach den zweiten Weltkrieg verhindert, eine rote Linie für Saddam Hussein und es wäre nicht zum ersten Golfkrieg gekommen.

"Es ist spät, sehr spät!"

Viel Zeit bleibe nicht: "Es ist spät, sehr spät!", ruft der Ministerpräsident in den Saal. Gespräche und Sanktionen hätten es bisher nicht geschafft, das Atomprogramm aufzuhalten. Und darum müsse nun eine rote Linie her, sagt Netanjahu und klappt das Abbild einer Comic-Bombe auf.

Man könne dem Iran nicht die höchste Uran-Anreicherungsstufe durchgehen lassen, erklärt er und zieht mit einem roten Stift kurzerhand einen roten Strich durch die Darstellung. Die Anreicherungsanlagen seien "sichtbar und noch immer angreifbar". Einen Zündungsmechanismus könne man in wenigen Monaten auch einer Garage bauen, es sei naiv anzunehmen, die Geheimdienste würden davon unbedingt erfahren.

Seitenhieb auf die USA

Das war ein Seitenhieb auf die Amerikaner. Deren Überzeugung, es werde nach der iranischen Entscheidung, eine Bombe zu bauen noch genug Zeit zum Eingreifen bleiben, teilt Netanjahu offensichtlich nicht. Man befinde sich in Gesprächen mit der US-Regierung in dieser Frage, sagt Netanjahu. "Ich glaube, dass der Iran - mit einer klaren roten Linie konfrontiert - nachgeben wird." Das nächste Gespräch soll es nach Angaben des Weißen Hauses schon am Freitag geben.

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