23.09.12

ESM

Euro-Länder prüfen Hebel für den Rettungsschirm

Der ESM ist noch nicht einsatzbereit und soll schon aufgestockt werden - um notfalls auch Italien und Spanien retten zu können.

Foto: dapd

Euroländer wollen den ESM erweitern - offenbar wieder durch einen Hebel
Euroländer wollen den ESM erweitern - offenbar wieder durch einen Hebel

Griechenland ringt weiter mit der Staatspleite, Spar-Musterschüler Portugal wackelt, und Spanien zaudert: Die Euro-Schuldenkrise scheint nach einer kurzen Atempause mit voller Wucht zurück zu sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pochte bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident François Hollande darauf, die Krisenländer müssten die Reformzusagen einhalten. Dennoch scheint vielen der dauerhafte Rettungsschirm ESM, der Anfang Oktober seine Arbeit aufnimmt, doch nicht ausreichend bestückt. Offenbar wird darüber nachgedacht, die Schlagkraft noch einmal zu vervierfachen.

Statt der bisher vorgesehenen 500 Milliarden Euro sollten im Ernstfall mehr als zwei Billionen Euro im ESM verfügbar sein, um auch große Länder wie Spanien und Italien retten zu können, berichtet der "Spiegel". Vorgesehen ist demnach nicht, den ESM mit mehr Geld auszustatten, sondern private Geldgeber mitzuverpflichten.

Hebel wie beim Vorläufer EFSF

Vorbild seien zwei Instrumente beim ESM-Vorläufer EFSF, dem vorläufigen Rettungsschirm, der in Teilen auf den ESM übergeht. Mit diesen Instrumenten könne der Rettungsfonds mit öffentlichem Geld nur die besonders riskanten Teile beispielsweise einer spanischen Anleiheemission übernehmen. Der Rest des Geldes soll demnach von privaten Kapitalgebern kommen, die dann nur eingeschränkt ins Risiko gehen müssten. Bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seien die Pläne auf Wohlwollen gestoßen, berichtet der "Spiegel". Das Konzept wird auch als Hebelung bezeichnet, weil mit wenig Geldeinsatz des Rettungsfonds viel Hilfsgeld bewegt werden kann.

Finnland verhinderte dem Bericht zufolge allerdings, dass die Euro-Gruppe den Plan schnell verabschiedete. Die Regierung in Helsinki sehe darin einen weitreichenden Eingriff in den ESM-Vertrag und wolle deswegen, dass das Parlament zustimmt. Wegen des Widerstands finde sich die Hebelung nicht in den Richtlinien für den ESM-Vertrag, über den der Haushaltsausschuss des Bundestags in dieser Woche beraten will. Das solle nachgeholt werden, wenn der ESM dann existiere.

Ernüchterung an den Börsen

An den Märkten war zuletzt Ernüchterung eingekehrt: Die jüngste, von den neuen Hilfsprogrammen der Notenbanken befeuerte Rallye im Deutschen Aktienindex Dax geriet in der vergangenen Woche ins Stocken. Der Leitindex pendelte um die 7400-Punkte-Marke und für die neue Woche sagen Analysten dem Dax ebenfalls keine großen Sprünge voraus.

Die Schuldenkrise könne jederzeit wieder in den Fokus der Anleger rücken, hieß es in einem Marktkommentar der Landesbank Berlin. "Da die Währungshüter ihr Pulver zunächst großzügig verschossen haben, liegt der Ball nun wieder bei der Politik." Die Sparanstrengungen hätten weiter eine hohe Priorität. Die spanische Regierung legt in den kommenden Tagen den Haushaltsentwurf für das nächste Jahr, neue Reformpläne sowie die Ergebnisse eines Banken-Stresstests vor.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte nach der vergangenen Ratssitzung verkündet, unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfenden Ländern mit dem Ankauf von umlaufenden Anleihen beistehen zu wollen. Dies sowie die in der vergangene Woche angekündigten Hilfen der US-Notenbank Fed zur Ankurbelung der US-Wirtschaft hatten die Märkte beflügelt. Der Dax hat seit Anfang September mehr als sechs Prozent zugelegt. Reuters/dpa/ap

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Stundenlang hatte ein Großaufgebot der Polizei nach dem achtjährigen Mädchen gesucht
15:15Verschwundenes Kind
Fall Sharlyn – Nachbar der Großmutter unter Verdacht

Wende im Fall der vorübergehend verschwundenen achtjährigen Sharlyn: Die Polizei verdächtigt einen Anwohner, das Kind mit in seine Wohnungen genommen zu haben. Der Mann unternahm einen Suizidversuch. mehr...

Two girls stand in rubble after a tornado struck Moore, Oklahoma, May 20, 2013. A 2-mile-wide (3-km-wide) tornado tore through the Oklahoma City suburb of Moore on Monday, killing at least 51 people while destroying entire tracts of homes, piling cars atop one another, and trapping two dozen school children beneath rubble. REUTERS/Gene Blevins (UNITED STATES - Tags: ENVIRONMENT DISASTER)
Aktualisiert vor 40 MinutenTornado
Das Sterben der Kinder von Oklahoma im entfesselten Sturm

Mindestens 91 Tote forderte ein drei Kilometer breiter Tornado in Oklahoma. Zwei Grundschulen wurden zu Todesfallen für 20 Kinder. Dabei meinten es die Lehrer nur gut, als sie die Kleinen dabehielten. mehr...


Herthas Maik Franz (l.) und Sami Allagui
15:12Vereinsfinanzen
Hertha BSC bekommt so viel Geld aus TV-Vertrag wie nie zuvor

Hertha BSC plant für die Bundesliga mit einem deutlich gestiegenen Etat von 69 Millionen Euro. Ablösepflichtige Profis können nur verpflichtet werden, wenn im Gegenzug Geld für Abgänge reinkommt. mehr...


Vor Geschäftsstelle der BVG protestierten die Beschäftigten für höhere Löhne
14:20Tarifkonflikt
BVG-Mitarbeiter könnten noch heute über Streik entscheiden

Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen spitzt sich die Tarifrunde bei den Berliner Verkehrsbetrieben zu. Scheitern die Gespräche, will die Gewerkschaft Ver.di umgehend über Warnstreiks beraten. mehr...

Leser-Kommentare 3 Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Der Euro-Krisenkalender
  • 8. Oktober

    Die Euro-Gruppe diskutiert in Luxemburg den Troika-Bericht zu Griechenland und die Auszahlung der nächsten Kredittranche, 31,5 Milliarden Euro. Außerdem besiegeln die Euro-Finanzminister offiziell das Inkrafttreten des Rettungsfonds ESM.

  • 9. Oktober

    Beim Treffen der EU-Finanzminister wird voraussichtlich über die Regulierung der Ratingagenturen und die gemeinsame Bankenaufsicht beraten.

  • Oktober

    In der zweiten Monatshälfte soll das erste Geld aus dem Euro-Rettungsfonds für die spanischen Banken fließen.

  • 18./19. Oktober

    Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs stellen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionschef José Manuel Barroso, EZB-Präsident Mario Draghi und Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker ihren Zwischenbericht zur Reform der Euro-Zone vor. Griechenland und die Bankenaufsicht stehen auch auf der Themenliste.

  • 12./13. November

    Um die europäische Bankenaufsicht ab Januar zu starten, müssen sich die Finanzminister in Brüssel jetzt weitgehend einigen.

  • 13./14. Dezember

    Die Staats- und Regierungschefs treffen sich in Brüssel. Rompuy, Draghi, Juncker und Barroso sollen ihren fertigen Fahrplan zur Weiterentwicklung der Euro-Zone vorlegen.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Tornado in Oklahoma Familie filmt die Zerstörung aus dem Sturmkeller
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WeltgeschehenTornado in OklahomaKinder im tödlichen Sturm
  2. 2. WeltgeschehenTornado in OklahomaWarum wurden die Menschen nicht früher gewarnt?
  3. 3. WirtschaftEnergiepreiseBerlin kanzelt EU-Vorstoß als „Sozialpolitik“ ab
  4. 4. WirtschaftBundesbankDer deutsche Staat baut seinen Schuldenberg ab
  5. 5. Kommentare„Euro Hawk“-SkandalDeutsches Verwaltungsversagen kostet Milliarden
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote