Anonymes Video
Romney beschimpft Obamas Wähler als "Opfer"
Ein heimlich aufgenommenes Video elektrisiert Amerika. Darin äußert sich Romney abfällig über die Wähler seines Präsidentschaftsrivalen.
Die Wähler Präsident Obamas sind nach Überzeugung Mitt Romneys "Leute die vom Staat leben und die sich nicht um ihr eigenes Leben kümmern". Ein anonymes Video mit geringschätzigen Bemerkungen des republikanischen Herausforderers Barack Obamas hat am Montagabend die US-Medien elektrisiert. "Da sind 47 Prozent, die für ihn sind", sagte Romney, "die keine Einkommenssteuer zahlen, vom Staat abhängig sind, die sich für Opfer halten, die glauben, dass die Regierung die Pflicht hat, für sie zu sorgen. Mein Job ist es, mich nicht um solche Leute zu kümmern. Ich werde sie nie überzeugen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Ich muss die fünf bis zehn Prozent in der Mitte überzeugen."
In spontanen Reaktionen zeigten sich TV-Kommentatoren ungläubig, wie grobschlächtig Romney spreche und wie er auf 47 Prozent kommen könne. Es sei denn, der Kandidat meine sämtliche Rentenbezieher Amerikas, Veteranen, Arme und Beschäftigte mit solch niedrigen Einkommen, dass sie keine Steuern zahlen, und erkläre sie pauschal zu verantwortungslosen Parasiten, die sich auf Kosten der Allgemeinheit "ihre Wohnungen, ihr Essen, ihr alles" (Romney) erschleichen.
Heimlich aufgezeichnet
Das Video wurde am 17. Mai bei einem Spenden-Dinner in Boca Raton (Florida) in der Villa des Investmentbankers Mark Later geheim aufgezeichnet und von dem linksliberalen Online-Magazin "Mother Jones" exklusiv veröffentlicht. Nach Angaben des Reporters David Corn zeigt es dreieinhalb Minuten Auszüge aus einer rund einstündigen Rede Romneys, der auch Fragen aus dem Publikum zuließ. So war auch die Bemerkung über die "47 Prozent" eine Antwort auf eine Frage aus den Reihen der Spender. Laut Corn hat sich. Mark Later, ein loyaler Unterstützer Romneys, mit besonders aufwändigen, rauschenden Parties einen Namen gemacht. Die "New York Post" habe einmal ein Fest, bei dem es zu sexuellen Ausgelassenheiten gekommen sei, als "Orgie" beschrieben.
Doch der Geschmack des Investmentbankers und Gastgebers interessiert zunächst niemanden. Um so eifriger fragten sich TV-Moderatoren wie Rachel Maddow von MSNBC, wo David Corn auftrat, ob Mitt Romney sich endgültig um Kopf und Kragen geredet habe. Mitt Romneys Team veröffentlichte ein Statement, das mit keinem Wort den Inhalt und die Authentizität des Videos bestreitet: "Mitt Romney will allen Amerikanern helfen, die in der Obama-Wirtschaft zu kämpfen haben", heisst es in der Erklärung.
"Wie der Gouverneur klargestellt hat, sorgt er sich um die wachsende Zahl der Menschen, die abhängig von der Bundesregierung sind, einschließlich der Rekordzahl von Bürgern, die Essensmarken beziehen, fast jedes sechsten Amerikaners in Armut, und der 23 Millionen Amerikaner, die kämpfen müssen, um Arbeit zu finden." Reince Priebus, der Vorsitzendes des Parteirats der Republikaner, rühmte Romneys Äusserungen: er bringe genau seine Botschaft an die Wähler.
Erster Schusswechsel
Das sah das Wahlkampfteam Barack Obamas anders: "Es ist schockierend, dass ein Kandidat für die Präsidentschaft der vereinigten Staaten hinter verschlossenen Türen vor einer Gruppe reicher Spender verkündet, dass die Hälfte der Amerikaner sich als ´Opfer´ betrachten, auf Almosen angewiesen sind, und unwillig sind, persönliche Verantwortung´, schrieb Jim Messina, der Wahlkampfleiter. "Es ist schwer, als Präsident aller Amerikaner zu dienen, wenn man herablassend die halbe Nation abschreibtg."
Dies war nur der erste Schusswechsel, der über dieses Video geführt werden wird. Sicher ist, dass Mitt Romney, der nach faktischen und stilistischen Fehlern in Reaktion auf die Unruhen im Nahen Osten die vergangene Woche in Selbstverteidigung verbracht hatte, schon wieder in der Defensive ist. David Corn kündigte an, es würden demnächst noch mehr Szenen aus der Rede Mitt Romneys veröffentlicht.














