18.09.12

Tierwelt

207 deutsche Arten von Klimawandel akut bedroht

Ob Feldhamster oder Kiebitz: Mehr als jedes vierte Wirbeltier in Deutschland ist vom Aussterben bedroht. Das geht aus den Daten zur Natur 2012 des Bundesamtes für Naturschutz hervor.

Foto: picture-alliance/ dpa

Bauern aus sollen beim Schutz für die seltenen Feldhamster helfen. Eine „hamsterfreundliche” Bewirtschaftung der Äcker könne den Rückgang der Nager stoppen. Schmale Erntestreifen entlang der Äcker sollten stehen gelassen, auf Gift verzichtet und die Stoppelfelder erst spät im Jahr umgebrochen werden. So bleibe den Hamstern Nahrung und Deckung erhalten.

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Zahlreiche Arten werden nach einem Naturschutz-Bericht in Deutschland durch den Klimawandel bedroht. Auch die Intensivierung der Landwirtschaft bedroht den Lebensraum vieler Tiere.

Das geht aus den Daten zur Natur 2012 des Bundesamtes für Naturschutz hervor, die jetzt in Bonn vorgestellt wurden. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte, dass es trotz beachtlicher Erfolge in Sachen Naturschutz keinen Grund zur Entwarnung gebe.

Fast 28 Prozent der Wirbeltiere sind den Angaben zufolge bestandsgefährdet. Weitere sieben Prozent sind ausgestorben oder verschollen. Dagegen könne die Entwicklung etwa von Fischotter, Wolf und Biber als Erfolg für den Artenschutz angesehen werden.

Positive Entwicklungen gibt es dem Bericht zufolge auch bei Schwarzstorch, Kranich und Wiesenweihe. Insgesamt sind den Angaben zufolge aber 207 Arten und Unterarten der Wirbeltiere gefährdet. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 48.000 Tierarten.

Ausbau erneuerbarer Energien naturverträglich gestalten

Altmaier brachte die Zahlen in Zusammenhang mit der Energiewende. "Für die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist es wichtig, dass auch der Ausbau der erneuerbaren Energien und die zugehörige Infrastruktur naturverträglich gestaltet werden." Dann werde auch der Umbau der Energieversorgung in Deutschland eher akzeptiert.

Grundsätzlich sieht Altmaier Fortschritte beim Naturschutz in Deutschland. Es sei möglich, negative Trends im Artenschutz umzukehren. Der Minister verwies auch auf die Vergrößerung der Naturschutzgebiete.

Von 1997 bis 2010 nahm die Gesamtfläche von 824.000 Hektar auf 1,31 Millionen Hektar oder 3,7 Prozent der Fläche Deutschlands zu. Das ist ein Anstieg um fast 60 Prozent.

Verbreitungsgebiete verschieben sich

Deutliche Folgen für die Vielfalt von Tieren und Pflanzen hat der Klimawandel. So kommen Zugvögel wie Mönchsgrasmücke oder Gartenrotschwanz früher aus ihren Winterquartieren zurück.

Aufgrund von Modellrechnungen rechnen Experten damit, dass sich in den kommenden Jahrzehnten die Verbreitungsgebiete von Arten verschieben. Auch die Qualität jetziger Lebensräume werde sich verändern.

Dem Bericht zufolge weisen 63 Spezies eine hohe Klimasensibilität auf. Sie werden als Hochrisiko-Arten eingestuft. Dazu gehören etwa der Goldregenpfeifer, der Alpensalamander und der Blauschillernde Feuerfalter.

Die meisten Hochrisiko-Arten wurden in der Gruppe der Schmetterlinge festgestellt. Besonders viele klimasensible Arten identifizierten Experten in Süd-, Südwest- und Nordostdeutschland.

Naturschutz und Energiewende kein Widerspruch

Altmaier sprach sich eindringlich für einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Naturschutz und Energiewende stellten keinen unauflöslichen Widerspruch dar. Die Aufgabe sei, dass die Energiewende unter Beachtung der berechtigten Anliegen des Naturschutzes gelinge. Als Beispiel für eine solche Entwicklung nannte er die Vorhaben in der Offshore-Technologie.

Die konventionelle Errichtung der Windanlagen gehe mit sehr großer Lärmbelästigung einher, da die Fundamente in den Meeresboden gerammt würden. Das stelle Probleme unter anderem für Schweinswale dar, so Altmaier. Mit Nachdruck werde an Schallschutzkonzepten gearbeitet.

Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, sagte: "Es gibt in vielen Bereichen Licht und Schatten." Naturschutz und die Nutzung der Natur hingen eng miteinander zusammen. Für die Landwirtschaft würden heute 52 Prozent der Fläche Deutschlands benötigt. "Das hat erhebliche Auswirkungen auf die biologische Vielfalt", sagte sie.

Quelle: dapd/dpa/lmk
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